Unglück

Nach zwei Jahren: Vermisste Wanderin aus Winterberg tot in den Alpen gefunden

Zwei Jahre wurde sie vermisst, nun ist eine Wanderin aus Winterberg tot im Allgäu gefunden worden.

Foto: Privat

Zwei Jahre wurde sie vermisst, nun ist eine Wanderin aus Winterberg tot im Allgäu gefunden worden.

Winterberg/Oberstdorf.   Ein Hüttenwirt hat im Allgäu die Leiche der seit zwei Jahren vermissten Wanderin aus Winterberg gefunden. Letzte Nachricht von der Kanzelwand.

Das Letzte, was sie gesehen hat, war ein herrlicher Panoramablick über die Alpen. Mit diesem Gedanken versuchen sich Ulrike und Christian R. zu trösten. Sie sind die besten Freunde und Nachbarn von Gisela Reiß aus Winterberg und möchten namentlich nicht in Erscheinung treten.

Vor zwei Jahren war ihre damals 65-jährige Freundin allein zu einer Wanderung in den Allgäuer Alpen aufgebrochen. Von dort ist sie nicht mehr zurückgekehrt. 102 Wochen später finden der Hüttenwirt von der „Petersalpe“ im Rappenalptal und sein Sohn die Leiche der vermissten Urlauberin aus Winterberg.

Letzte Nachricht von der Wanderin kommt von der Kanzelwand

„Habe heute die Kanzelwand erklommen, war ein richtig schöner Tag!“ Am 7. Juni 2016 schickt Gisela Reiß diese Nachricht an ihre Freunde nach Winterberg. Das ist das letzte Lebenszeichen von ihr. Die Polizei kann später rekonstruieren, dass die resolute und quirlige Frau einen Tag danach ihr Auto auf dem Parkplatz der Fellhornbahn abgestellt hat und zu Fuß aufgebrochen sein muss.

Von dort verliert sich ihre Spur. Als Ulrike R. einen Tag lang nichts von ihrer Freundin hört, sorgt sie sich, schaltet die Polizei ein und löst eine Suchaktion aus. Vergeblich. Ihr ist klar: Da stimmt etwas nicht, da muss etwas passiert sein.

Anruf aus Kempten bringt Gewissheit

Zwei Jahre sind unterdessen ins Land gegangen: „Es ist ein schreckliches Gefühl. Auf der einen Seite weiß man, dass ein geliebter Mensch tot ist. Aber auf der anderen Seite kann man das Kapitel nicht wirklich abschließen. Uns hat davor gegraut, irgendwann in zehn Jahren eine leere Urne beisetzen zu müssen“, sagt Ulrike R. Immer wieder kommen Rechnungen von Versicherungen oder amtliche Schreiben, die an Gisela Reiß adressiert sind – an eine Frau, die von Jetzt auf Gleich von der Bildfläche verschwunden ist, die aber juristisch gesehen erst zehn Jahre danach für tot erklärt werden kann.

Vor einigen Wochen versucht Christian R. mehrmals vergeblich, seine Frau auf der Arbeit zu erreichen. Letztlich hinterlässt er die Nachricht: „Melde Dich, es ist dringend, Anruf aus Kempten!“ In dem Moment ahnt die Winterbergerin schon, worum es geht. „Wir hatten eigentlich schon nicht mehr damit gerechnet. Aber Gisela war gefunden worden.“

Hüttenwirt und sein Sohn entdecken den Rucksack

Auf 1300 Metern Höhe liegt die Petersalpe. Von Ende Mai bis Anfang Oktober ist sie bewirtschaftet. Hier gibt es zünftige Brotzeiten, hausgemachten Kuchen und Getränke. Ulrike R. und ihr Mann haben sich den Fundort angesehen und mit den Leuten gesprochen: „An jenem Tag hat der Wirt mit seinem Sohn einen Zaun erneuert. Nach getaner Arbeit fragt der Elfjährige: ,Papa, darf ich mal in den Rucksack schauen, der da vorne liegt?‘ Der Mann hat sofort geschaltet und ist hin zu der Stelle. Ja, und dann wussten wir, wo Gisela war.“

Die Polizei in Kempten bestätigt den Vorfall. „Wir gehen definitiv von einem Unfallgeschehen aus. Anfangs haben wir aufgrund der Kleidung, der bei ihr gefundenen Dokumente und der Bankkarte darauf schließen können, dass es sich um die Vermisste handelt“, sagt Polizeihauptkommissar Jürgen Krautwald, Sprecher der Polizei in Kempten. Auch das Bargeld war noch im Portemonnaie. Schlussendlich hat das DNA-Gutachten alle Zweifel ausgeräumt. „Der Fundort liegt oberhalb der Alpe. Darüber verläuft ein Weg auf einem Grat und einer Geröllrinne. Wir gehen davon aus, dass sie dort gestürzt ist.“

Urne mit der Asche in Elkeringhausen beigesetzt

Die Urne mit der Asche der Verstorbenen ist im Ruhewald bei Elkeringhausen beigesetzt worden – neben ihrem Mann. „Es war eine kleine Beerdigung. Sie liegt dort, wo auch wir eines Tages unsere letzte Ruhestätte finden werden.“ Die Nummer des Baumes setzt sich aus den beiden Hausnummern der befreundeten Familien zusammen. „Ich habe das ,Hallelujah’ von Leonard Cohen und ,The Rose‘ von Bette Midler für sie gesungen. Es war eine schön Beisetzung, es hätte ihr gefallen.“

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