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Neuer Kick für den Trailpark am Briloner Bilstein

Impressionen aus dem Trailground Brilon. Die Anlage am Bilstein soll ausgebaut werden.

Impressionen aus dem Trailground Brilon. Die Anlage am Bilstein soll ausgebaut werden.

Foto: BWt

Brilon.  Seit fünf Jahren gibt es den Trailground am Bilstein in Brilon. Die Anlage genießt in der Szene einen hervorragenden Ruf.

Zwischen Ritten im schroffen Elbrus-Gebirge, Touren am Timmelsjoch in den Tiroler Alpen und Cowboy-Cross-Country in Kalifornien schwärmt der „Pedaliero“ auch vom „griffigen Erdboden“ im Sauerland und den „flowigen Anliegern“ am Bilstein. Damit ist das Magazin für Geländesport nicht allein. Auch auf Youtube lassen Mountainbiker in schier unzähligen Video-Clips ihren Rädern und ihrer Begeisterung über den Briloner Trailpark freien Lauf. Das soll so bleiben. Und deshalb soll sich was ändern. „Wir müssen nach fünf Jahren neue Akzente setzen“, sagt Thomas Schlecking, Macher und Mastermind des Bike-Geländes.

Zahl der Anlagen nimmt deutschlandweit zu

Das sieht Brilons Chef-Touristiker Rüdiger Strenger genauso. Als Geschäftsführer der BWT kennt er die Zahlen genau: „Der Trailground hat eingeschlagen wie eine Bombe.“ Rund 15.000 Biker, es gibt dort eine Zählanlage, tummeln sich pro Jahr am Bilstein. Das liegt an der Charakter der Anlage. Denn als „Trailpark“ bietet er - Achtung, Eigenwerbung - „Singletrail-Fahrspaß für jeden Mountainbiker“: für den Anfänger und den fortgeschrittenen Fahrer, und es geht bergauf und bergab - eine Achterbahn auf zwei Räder und das alles umsonst. Ganz im Gegensatz zu einem ausgebauten „Bikepark“, wo - siehe Winterberg und Willingen - in den Skigebieten attraktive Abfahrt-Arenen angelegt werden, damit die Lifte ganzjährig laufen können.

„Trailparks“ wie in Brilon gibt es als besondere Gattung bundesweit nur wenige; das „Bike“-Magazin führte im vergangenen Jahr für Deutschland lediglich drei auf: Neben Brilon das der gegenüber dem international bekannten Bikepark am Bremberg in Winterberg und den bundesweit ersten seiner Art in Rabenberg im Erzgebirge; mittlerweile sind es bereits zwei Dutzend - und die Konkurrenz wächst. Das „Bike“-Magazin bezeichnet „Trailparks“ als „Spielplätze für die ganze Familie“.

Großes Einzugsgebiet

Aus touristischer Sicht, sagt Rüdiger Strenger, sei es generell wichtig „das richtige Angebot für die richtige Zielgruppe herzustellen“. Die lebt vor allem im Ruhrgebiet und in Ostwestfalen. Von dort ist ein Abstecher ins Hochsauerland ein netter Tagesausflug.

Wie zum Beispiel für Andrea und Mike Hofer aus Bochum. Die beiden brechen immer wieder mal zum Biken ins Hochsauerland auf. Den Vormittag haben sie in Willingen verbracht, jetzt laden sie ihre E-Bikes am Info-Punkt am Hängeberg vom Heckträger ihres Combis ab. Dank der Motor-Unterstützung können sie hier die lange „Drei Berge“-Runde glatt dreimal hintereinander absolvieren, ohne dass weder das Bike noch die beiden Biker schlapp machen. Gelegentlich nehmen sie sich hier auch eine Ferienwohnung und bleiben für ein paar Tage. Hier werde viel geboten, sagen sie. So lange es ihnen gefalle, kommen sie gerne her.

Mega-Projekt in Waldeck-Frankenberg

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Das weiß kaum jemand so gut wie Dominic Neumann, Geschäftsführer des Liquid Life-Bike-Centers. Aus einem Umkreis von rund 150 km kämen seine Kunden nach Brilon, sagt er. Und dann wollen sie ihre neuen Räder auch gleich testen, zudem gehört ein großer Bike-Verleih zum Geschäft. In der Szene, sagt der junge Unternehmern, habe der Briloner Trailground „einen extrem guten Ruf“. Allerdings weiß er auch: „Es gibt nichts Schlimmeres, als immer die gleichen Pisten zu fahren.“ Und da dürfte sich auch Brilon nicht ausruhen; die Politik und der Forst seien gefragt.

In den BWT-Gremien ist das Thema deshalb schon zur Sprache gekommen. Dabei geht der Blick auch über die Landesgrenze. Dort haben sich insgesamt 21 Kommunen zu einem Mega-Mountainbike-Projekt zusammengeschlossen. Dessen Name: „Grenztrail Waldeck-Frankenberg“. Geplant sind sechs bis sieben miteinander verbunden „Trailparks“ mit einem Streckennetz von rund 650 Kilometer vom Diemel- bis zum Edersee. Damit würde in Nordhessen der größte „Trailpark“ Europas werden. Investitionsvolumen: rund 15 Millionen Euro; 1,3 Millionen Euro wurden bereits im Frühjahr aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) für das Projekt zur Verfügung gestellt, rund 10 Millionen sind nach Ansicht der Initiatoren an öffentlicher Förderung insgesamt notwendig. Für Strenger ist es keine Frage, dass sich auch die nordrhein-westfälischen Bike-Locations an diesen Mega-Train andocken müssen: „Wir arbeiten ja auch in anderen Tourismusbereichen mit Willingen zusammen.“

Für die Erweiterung des Briloner „Trailgrounds“ - das ist ein von Bahn-Konzeptor Thomas Schlecking markenrechtlich geschützter Name - gibt es verschiedene Möglichkeiten. Derzeit besteht die Strecke aus der sieben Kilometer langen „Bilstein-Runde“ mit 175 Höhenmeter, dem „Gipfel-Trail“ (10,8 km/315 Hm) und der „Drei Berge“-Tour (17,3 km/505 Hm).

So könnten zum Beispiel auch das Gelände südlich der Straße nach Hoppecke im Bereich des Schnade-Lagerplatzes mit einem Single-Trail erschlossen werden. Oder aber das streckenreichere, aus Kostengründen damals jedoch abgespeckte Gründungskonzept könnte aus der Schublade hervorgeholt werden.„Fast wöchentlich“ bekommt BWT-Chef Rüdiger Strenger Anfragen von anderen Touristikern, die sich nach dem Konzept und dessen Umsetzung erkundigen; rund 15 Besuchergruppen melden sich zu Ortsterminen am Bilstein an.

Bike-Events, wenn auch bei weitem nicht mit den Mega-Spektakeln in Winterberg und Willingen zu vergleichen, tragen den Namen der Stadt des Waldes über die - nicht nur Sozialen - Medien hinaus in die Szene. Bereits dreimal hat Liquid Life dort seine Hausmesse mit Neuheiten und Testmöglichkeiten ausgerichtet; in diesem Jahr, so sagt Dominic Neumann, sei habe das Event wegen der umfangreiche Expandierungspläne einmal flachfallen müssen.

Nächstes Event: Germany’s Finest

Gleichwohl gibt es am Bilstein noch ein Event: den Germany’s Finest-Tag am 28. September. Das ist eine Serie von bundesweit drei über das Jahr verteilte Veranstaltungen bei denen Mountainbiker die Räder von deutschen Herstellern testen können. Dabei stehen nicht die sogenannten großen Volumen-Marken im Mittelpunkt, sondern die eher „kleinen, aber feinen“ Hersteller.

Für Dominic Neumann ist der „Trailpark“ ein bedeutsamer Standortfaktor. Zum einen für sich und sein mittlerweile auf rund 50 Mitarbeiter angewachsenes Unternehmen, aber auch als Marker für Lebensqualität, an der sich junge Leute unter Umständen bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes mit orientieren. Neumann: „Das pusht die Stadt gerade bei jüngeren Leuten nach oben.“

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