Gesundheitsminister

Krankenhaus Winterberg: Laumann sieht HSK in der Pflicht

Beim Besuch von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gibt es vor Protest. Die Zukunft des insolventen Krankenhauses Winterberg ist das bestimmende Thema.

Beim Besuch von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gibt es vor Protest. Die Zukunft des insolventen Krankenhauses Winterberg ist das bestimmende Thema.

Foto: Stefanie Bald

Medebach/Winterberg.  Wichtiges Thema beim Besuch von NRW-Gesundheitsminister Laumann in Medebach: Wie geht es weiter mit dem insolventen Krankenhaus Winterberg?

Ungewöhnlich viele Landespolitiker hat die kleine Hansestadt Medebach im vergangenen Jahr begrüßt: Der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karl-Josef Laumann (CDU), war schon der vierte.

Zum Kolping-Gedenktag war er nach Medebach gekommen – eine Einladung, die ausgesprochen war, bevor das Krankenhaus Winterberg insolvent ging. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt und einleitenden Worten von Klaus Langen, Vorstand der Kolpingsfamilie Medebach, kam der Gast zu Wort.

Wie es zu einem Kolping-Gedenktag gehört, erinnerte Laumann an Leben und Werk des Gesellenvaters Adolph Kolping und dessen segensreiche Nachfolger, die Kolpinger vor Ort und ihre vielfältigen Aktionen und Hilfen, ihre Gemeinschaft.

Und er spannte den Bogen weiter. „Es war in Deutschland nie so schön wie heute“, sagte er und erinnerte an Abschnitte der Geschichte, in denen „Ideen und Ideologien mehr zählten als Menschen“. Die preußische Monarchie, Nazizeit, SED-Regime. Im Gegensatz dazu beruhe die Bundesrepublik auf dem christlichen Menschenbild, nach dem der Mensch immer mehr zähle als die Sache.

Viel Kritik in Diskussionsrunde

Es gebe Fragen, die die Politik trotz Schwierigkeiten einfach nicht aufgeben dürfe: gleichwertige Lebensbedingungen und ärztliche Versorgung für Stadt- und Landbevölkerung, die Teilhabe Behinderter und Langzeitarbeitsloser am Arbeitsmarkt, Ausbildungschancen auch für schwierige Jugendliche. Bezahlbarer Wohnraum in Metropolen.

Unterdessen brodelte beinahe fühlbar in der Zuhörerschaft das Thema, für das die Hälfte im Saal gekommen war: die Zukunft des Krankenhauses Winterberg. Und so ging es in der späteren Diskussionsrunde auch praktisch ausschließlich darum.

„Das Krankenhaus Winterberg ist unverzichtbar, dabei bleibt es“, versprach der Minister. Den Sicherstellungszuschlag „müssen die Krankenkassen zahlen“ – wobei Laumann nicht darauf einging, was passieren soll, wenn diese der Verpflichtung nicht voll nachkommen. Die Suche nach einem neuen Träger für das St. Franziskus werde „sehr spannend. Und was der sich dann vorstellt, ist unklar“.

Wenn sich keiner finde und die Stadt nicht das nötige Geld habe, müsse in letzter Konsequenz der Hochsauerlandkreis einspringen und die Trägerschaft übernehmen. „Dazu kann ich den zwingen.“

Die Bürgermeister im Publikum werden es erleichtert zur Kenntnis genommen haben – zumindest, bis ihnen das Reizwort Kreisumlage einfällt. Immerhin gehört die Klage über deren Höhe bereits heute fest zu ihrem Jahresend-Ritual.

Abwägung von Effizienz und Humanität

Ein Krankenhaus in der Größe des St. Franziskus sei schlicht nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, so der Gesundheitsminister. Für mögliche Investoren werde daher die Frage nach Kooperationen sehr wichtig. Unverzichtbar sei das Haus auch nicht allein aufgrund der Entfernungen („Schließlich gibt es ringsum durchaus Krankenhäuser.“), sondern nur wegen der durch Wetter und Verkehr teilweise schwierigen Straßenverhältnisse.

„Warum müssen Krankenhäuser überhaupt Nischen finden wie die Endoprothetik, um die Grundversorgung zu finanzieren?“, wollte ein Pfleger wissen.

Für planbare Eingriffe gehe der Patient eben gern in spezialisierte Häuser, so Laumann, der auch nachdrücklich die Finanzierung über Fallpauschalen verteidigte. Das Gesundheitssystem bezahlbar zu halten, sei eine Herausforderung. „Es ist eine Abwägung zwischen Effizienz und Humanität. Aber die Waage stimmt noch.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben