Musik

Ob CD oder Vinyl: „Die Schallplatte“ in Winterberg wird 40

Der Winterberger Kultladen "Die Schallplatte" von Helmut Schweinsberg ist 40 Jahre alt geworden.

Der Winterberger Kultladen "Die Schallplatte" von Helmut Schweinsberg ist 40 Jahre alt geworden.

Foto: Rita Maurer

Winterberg.  Wer „Die Schallplatte“ in Winterberg betritt, begibt sich auf eine musikalische Zeitreise. Inhaber Helmut Schweinsberg kann darüber viel erzählen.

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Eine Ladentür aus Holz und Glas wie in alten Zeiten. Tom Astor, Fury in the Slaughterhouse, Kuschelrock, Gregor Meyle und der Böhmische Traum liegen einträchtig nebeneinander – als CD! Gegenüber ziehen einen Schallplatten-Hüllen magisch an – da ist ja tatsächlich die erste eigene LP von Simon und Garfunkel und weckt Erinnerungen an bedeutungsschwere Stunden mit Tee und Räucherstäbchen! Ein Besuch in „Die Schallplatte“ von Helmut Schweinsberg in Winterberg ist eine echte Zeitreise durch die Musik und ihre Genres. Ob ganz aktuelle Hits aus den Charts bis hin zu alten Schätzchen und limitierten, handsignierten Sonder-Ausgaben oder Tickets für Konzerte: „Hier gibt es fast nichts, was es nicht gibt“, sagt der Inhaber lachend.

Music was my first love

„Music was my first love“ – dieser Satz von John Miles steht auch für Helmut Schweinsberg. Geboren und aufgewachsen in Winterberg war Musik von kleinauf sein Steckenpferd. Wie so viele aus seiner Generation saß er früher bei „Mal Sondocks Hitparade“ mit Kassettenrekorder und Mikro vor dem Radio – und wehe, der Moderator quatschte ins Stück oder es kam eine Verkehrsmeldung! Musik war seine erste Liebe - deshalb stand für Helmut Schweinsberg fest, dass er nach seiner Ausbildung als Kaufmann einen eigenen Plattenladen in seinem Elternhaus in der Hellenstraße aufmachen wollte. Somit war „Die Schallplatte“ 1979 geboren.

Jede Menge Hintergrund

Helmut Schweinsberg weiß unendlich viele Hintergrundgeschichten zu erzählen. Im Zweifel reicht es, wenn man ihm ein Lied vorsummt. Dabei erinnert er sich lachend an ein Pärchen, das vor Jahren leicht angeschickert vom Après Ski zu ihm kam: „Er sang seiner Angebeteten auf Knien lautstark einen Schlager vor. Da wusste ich, die beiden wollten ´Die berühmten drei Worte: Ich liebe Dich´ von Andy Borg haben!“

Privat tendiert Helmut Schweinsberg in Richtung Rock und Blues, kennt sich aber auch in jeder anderen Stilrichtung aus: „Ich mag alles, was gut gemacht ist.“ Das können dann durchaus auch Ernst Mosch oder Schlager sein. Gut verpackt warten z.B. die kompletten Werke von Mozart, Bach und den Rolling Stones auf Vinyl auf einen neuen Besitzer. Oder die Filmmusik von Dagobert Duck mit Original-Autogramm von Komponisten und Comics im Booklet. Oder die Beach Boys und Ennio Morricone als Japan-Pressung – in Insiderkreisen für die bessere Klang-Qualität bekannt.

In den Tiefen der Regale findet sich in den rund 20.000 Titeln fast alles, auch Zubehör wie Leer-Kassetten, Nadeln für den Plattenspieler oder Kohlefaserbürsten. Und gratis dazu gibt es ein sympathisches Gespräch über Musik, Gott, die Welt und Konzert-Geheimtipps.

Langspielplatte erlebt Comeback

Früher hat so mancher Jugendliche einen Großteil seines Taschengeldes in die „Schallplatte“ getragen. Spotify & Co. scheinen auf den ersten Blick zwar weit weg – aber das Zeitalter von Streaming und Downloads hat auch hier nicht halt gemacht, obwohl die gute alte Langspielplatte gerade ein Comeback erlebt. Rund 60 Prozent aller Musiktitel werden mittlerweile online verkauft und gehört. Das Ende vieler Plattenläden. „Die Schallplatte“ ist die letzte ihrer Art im Sauerland – auch weil Helmut Schweinsberg sich längst neuen Märkten geöffnet und einen Internetshop bei Amazon hat, in dem Service groß geschrieben wird. Von Winterberg aus gehen die Bestellungen in die ganze Welt. Amazon weist über 10.000 Transaktionen mit 100 Prozent zufriedenen Kunden aus.

40 Jahre ist „Die Schallplatte“ jung und bis heute Kult. Ob analog oder digital, man merkt einfach das Herzblut, das in ihr steckt. Für Helmut Schweinsberg ist das selbstverständlich: „Ich verkaufe doch die schönste Sache der Welt. Musik drückt aus, was manchmal nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist.“

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