Ratsdebatte

Olsberg bekommt Klimabeirat und ÖPNV ist sein erstes Thema

ÖPNV in Olsberg, hier Bahnhof und Busbahnhof.

ÖPNV in Olsberg, hier Bahnhof und Busbahnhof.

Foto: Sonja Funke / Westfalenpost

Einen Klimanotstand, wie von den Grünen beantragt, ruft Olsberg nicht aus, aber es wird einen Klimabeirat geben, das beschloss der Rat einstimmig.

Olsberg. Die Stadt bekommt einen Klimabeirat. Das klingt erstmal nüchtern, ist aber das einstimmige Ergebnis einer denkwürdigen Ratssitzung am Donnerstag in Olsberg. Denkwürdig deswegen, weil - auf Initiative der Grünen - ein gemeinsamer Schulterschluss für den Klimaschutz gelungen ist, der dann im nächsten Sitzungspunkt konkret wurde: Als erstes soll sich dieser Klimabeirat mit dem Öffentlichen Personennahverkehr im Sauerland beschäftigen. Ein Stadtticket, wie von der RLG nur für Olsberg vorgeschlagen, wurde nicht beschlossen.

Dies sei nicht weit genug gedacht, so das Fazit der Ratsmitglieder. Der Bürgermeister selbst will die Olsberger Debatte zum Thema ÖPNV kreisweit schon im Oktober vortragen bei der nächsten Hauptverwaltungsbeamtenkonferenz (HVB). Auch setzt er sich dafür ein, dass es in den entsprechenden Gremien der RLG diskutiert wird. „„Man wird auch über die große Lösung mal nachdenken dürfen“, so Fischer.

Die Stadt ruft zwar keinen Klimanotstand aus, wie von den Grünen beantragt, sie geht das Thema Klimaschutz aber noch konkreter an.

Müll und Einweg

Auch zur Müllvermeidung hatte es einen Antrag der Grünen gegeben, auch hier wurde reagiert. „Es gibt keine Einwegbecher mehr auf der Motorradmesse“, so der Bürgermeister. Eine entsprechende Anweisung habe er schon an die organisierenden Mitarbeiter weitergegeben.

Und es wurde klar, wie sehr das Thema „weg geworfene Zigarettenkippen“ alle Politiker aufregt. Aber man habe schon beim Kauf neuer Mülleimer drauf geachtet, dass diese hier getrennt entsorgt werden müssen, betonte der Bürgermeister.

Wie in der Vorlage zum Klimanotstand bekamen die Ratsmitglieder nun auch hier einen Überblick, was in Sachen Müllvermeidung in Olsberg bereits passiert – vom Wasserspender an der Grundschule bis zu Pfandgläsern, die sich alle Ortschaften aus der Stadt zum Beispiel für den Weihnachtsmarkt ausleihen können. Übrigens bereits seit 1992: „Wir feiern Feste ohne Reste“, steht neben dem Logo der Stadt Olsberg drauf. Ist es aber Aufgabe der Stadt, zu vermeiden, dass Coffee-to-go-Becher ausgegeben werden? Diese Frage stellte der Bürgermeister, versprach aber, nochmal mit der Fachwelt zu sprechen. So wurde der Grünen-Antrag zwar abgelehnt, zeigte aber dennoch Wirkung.

Umweltdebatte

Einen Beirat gründen, Dächer von Bushaltestellen begrünen, das Radwegenetz ausbauen, Bäume pflanzen, den ÖPNV ausbauen, machten die Grünen ganz konkrete Vorschläge in ihrem - nach guten Diskussionen im Ausschuss, das betonten alle - abgeänderten Beschlussvorschlag.

Rudolf Przygoda, SPD, legte eine Marschrichtung vor: „Wir sollten unser Handeln danach ausrichten, dass wir möglichst klimaneutral bleiben“, Knut Finkel betonte, Kanzlerin Merkel habe von einer „Menschheitsaufgabe“ gesprochen, dem schließe sich auch die CDU Olsberg an, aber man dürfe auch nicht in eine Klimahysterie verfallen. Auch er halte einen Beirat für eine gute Alternative zum Klimamanager.

In Olsberg werde zwar schon immer unter Klimaschutz-Aspekten gearbeitet, aber das heiße ja nicht, dass man noch eine Schippe draufsetzen könne, meinte abschließend auch der Bürgermeister. Viele Mitarbeiter seien bereits jetzt „kleine Klimaschutzmanager“. Das Thema fände mit dem Beirat noch einmal mehr das „verdiente Potenzial und Aufmerksamkeit in der Verwaltung“. So würden dann aber womöglich auch Maßnahmen vorgeschlagen, die Geld kosten. Für den Klimaschutz zahle letztlich jeder Bürger.

Damit konnten die Grünen sich „im Groben anfreunden“. Sie wollten aber ein Zeitlimit, bis wann der Ausschuss gegründet worden sei. Das solle zügig geschehen, vermittelte der Bürgermeister.

HSK- statt Stadtticket

Ja, und auch beim ihnen so wichtigen ÖPNV erzielten sie einen Teilerfolg. Sie hätten der Einführung des Stadttickets zwar zugestimmt, weil damit endlich etwas passiere („Jede Fahrt mit dem ÖPNV ist sinnvoll!“), aber nun soll der ÖPNV kreisweit noch mal erörtert werden. Denn nur für Olsberg sei der Kreis so klein gezogen, so der allgemeine Tenor. Und die Tickets seien auch insgesamt zu teuer, betonte der Bürgermeister. Eine Fahrt in Olsberg koste 2,70 Euro, das Monatsticket nur für die Stadt 94,90 Euro. „Da steigt niemand um.“ Das Preis-Leistungs-Verhältnis passt nicht, wenn dann muss es zumindest HSK-weit gelten oder nach Brilon oder Meschede gehen. So ist es nicht attraktiv, wird nicht genutzt werden“, schloss Sabine Menke.

„Was spricht denn dagegen, dass das ein Thema direkt ist für den Klimabeirat, hier noch mal genauer zu gucken, wer profitiert hier von was?“, so der Bürgermeister. Er erntete direkt ein Lob von der SPD. Przygoda: Wir, werden Klima nur gemeinsam retten, warum nicht für Brilon und Olsberg, Angebot insgesamt verbessern.

Hätte jemand die Möglichkeit, günstiger kreisweit zum Beispiel zum Facharzt zu fahren, fragte er vielleicht nicht den Nachbarn wegen des Autos. Und der Bürgermeister schloss: „Man auch über die große Lösung mal nachdenken dürfen.“ Und so wird er es auch bei den anderen Bürgermeisetern, bei der RLG ansprechen.

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