Gericht

Prozess um sexuellen Missbrauch: Kind weint nach Aussage

Der Angeklagte mit seinem Anwalt. Er bestreitet das Mädchen sexuell missbraucht zu haben.

Der Angeklagte mit seinem Anwalt. Er bestreitet das Mädchen sexuell missbraucht zu haben.

Foto: Kevin Kretzler

Brilon.   Hat ein Mann 2014 in Brilon ein damals zehn Jahre altes Mädchen missbraucht? Der Mann streitet die Tat ab. Das Kind musste vor Gericht aussagen.

Vor dem Landgericht Arnsberg findet am Freitag der zweite Verhandlungstag gegen einen 29–jährigen Wuppertaler statt. Ihm wird vorgeworfen im Frühjahr 2014 im sauerländischen Brilon mehrfach sexuelle Handlungen an einer damals zehnjährigen vorgenommen zu haben. Bei dem Mädchen handelt es sich um die Tochter der damaligen Lebensgefährtin seines Vaters. Heute musste auch das Mädchen vor Gericht eine Aussage machen.

Anfangszeit in der Patchwork-Familie war sehr schwer

Die Taten sollen sich im Haus und auf dem nahen Grundstück der gemeinsamen Wohnung in Brilon ereignet haben in denen alle Parteien für einige Monate wohnten. Der Angeklagte machte zum Prozessauftakt am Mittwoch lediglich Angaben zu seiner Person, aber nicht zur Anklage. Das sollte sich am Freitag ändern.

„Ich bestreite, dass ich sie angefasst habe“, beginnt der 29-jährige Angeklagte seine Einlassung vor dem Landgericht Arnsberg. Er beschreibt in seiner Aussage zunächst die Familienverhältnisse in der Wohnung in Brilon. Dort lebte er zusammen mit seinem Vater bei dessen Lebensgefährtin und deren vier Kindern. „Zu Beginn gab es sehr viel Streit und die Anfangszeit in der Patchwork-Familie war sehr schwer. Ich verbrachte viel Zeit mit der Mutter und den Kindern. Wir wuchsen als Familie zusammen, weil mein Vater kein Interesse daran hatte Zeit mit den Stiefkindern zu verbringen“, erklärt der gebürtige Wuppertaler die Verhältnisse des Frühjahrs 2014.

Angeklagter: Ich wollte sie selbstbewusster machen

Das mutmaßliche Opfer soll, laut seiner Aussage, durch Mobbingvorfälle in der Schule labil gewesen sein. Zusammen mit seinem Bruder, der zwischenzeitlich ebenfalls zugegen gewesen sein soll, hätten sie versucht, das Selbstvertrauen des Mädchens aufzubauen. Sie verbrachten Zeit mit ihr und posierten auf Fotos. „Sie wurde aktiver und immer fröhlicher“, beschreibt der Angeklagte die Wesensveränderung bei der Geschädigten.

Außerdem baute er mit den Kindern zusammen ein Baumhaus und eine Lounge in einer Scheune. Dort soll es laut Anklageschrift auch öfter zu Körperkontakt zwischen ihm und dem damals zehnjährigen Opfer gekommen sein. Doch laut seiner Aussage waren beide nie alleine dort, sondern immer in Begleitung anderer Kinder.

Eifersucht des Vaters sei Grund für Vorwürfe

Der Angeklagte ist der Meinung, dass das Verhältnis zu den Kindern und auch der Mutter zunehmend für Eifersucht beim Vater sorgte. Dieser soll außerdem den Vorwurf erhoben haben, dass der Sohn ein Verhältnis mit dessen Lebensgefährtin angefangen hätte. Dies bestätigt er in seiner Aussage. „Wir haben in der Scheune Drogen konsumiert und sind uns körperlich näher gekommen. Vielleicht findet das hier alles deswegen statt“, sagt der 29-Jährige und vermutet, dass die Geschädigte aus Kränkung die Vorwürfe erhebt. Bekannt sei die Affäre durch den Bruder geworden, der die Informationen an das Opfer weitergegeben haben soll.

Aufzeichnungen diverser Telefongespräche fürs Gericht

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde die mutmaßlich Geschädigte vernommen.Sie fällt nach ihrer Vernehmung ihrer Mutter unter Tränen in die Arme.

Der Angeklagte hat laut eigenen Angaben Aufzeichnungen diverser Telefongespräche auf seinem Handy. Unter anderem von einer Unterhaltung, die er mit dem Opfer geführt habe. Dort soll er sie mit den Vorwürfen konfrontiert haben und das Mädchen hätte gesagt, dass sie „zwischen den Stühlen sitzt, nicht weiß, was sie machen soll und massiv von meinem Vater unter Druck gesetzt wird“, wie der Angeklagte erklärt. Die Aufnahmen überließ er dem Gericht.

Der Prozess wird am Freitagnachmittag mit Zeugenvernehmungen derzeit fortgeführt.

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