Prozess

Prozess um verhungertes Kind – vier weitere Verhandlungstage

Kein Urteil im Prozess vor dem Landgericht

Noch kein Urteil im Prozess vor dem Arnsberger Landgericht im Prozess gegen die Mutter eines verhungerten Jungen - im Gegenteil.
Frank Tischhart und Thomas Winterberg Mi, 07.02.2018, 22.34 Uhr

Noch kein Urteil im Prozess vor dem Arnsberger Landgericht im Prozess gegen die Mutter eines verhungerten Jungen - im Gegenteil.

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Arnsberg/Winterberg.  Das Arnsberger Schwurgericht wollte am Mittwoch ein Urteil im Prozess um ein verhungertes Kind fällen. Doch nun sollen vier Kinder aussagen.

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Für die Mutter von zehn Kindern steht viel auf dem Spiel: Haft oder Bewährungsstrafe? Das Arnsberger Schwurgericht wollte eigentlich am Mittwoch ein Urteil fällen. Doch Anwalt Stephan Lucas hatte am Mittag überraschend einen weiteren Beweisantrag gestellt. Nun sollen die vier ältesten Kinder doch als Zeugen gehört werden.

Es ist der zwölfte Verhandlungstag und es geht um die zehnfache Mutter aus dem Raum Winterberg. Der 40-Jährigen wird Körperverletzung mit Todesfolge und vorsätzliche Körperverletzung vorgeworfen. Zwischen Februar 2013 und Februar 2014 soll sie zwei ihrer Kinder im Raum Winterberg nicht ausreichend mit Nahrung und Flüssigkeit versorgt haben. Der zweijährige Junge starb, seine kleinere Schwester konnte in letzter Sekunde gerettet werden.

Verhandlung begann mit zweistündiger Verspätung

Nach mehr als zweistündiger Verspätung konnte der Prozesstag am Mittwoch um 14.15 Uhr starten. Verteidiger Lucas ist der Ansicht, dass der älteste Sohn sehr konkrete und unverzichtbare Angaben zum gesundheitlichen Zustand seiner jüngeren Geschwister machen kann. Er ist der tatnächste Zeuge. „Er saß mit der Mutter und weiteren Kindern bei Tisch und hat gesehen, dass die jüngeren Geschwister sehr wohl gegessen haben und dass gekuschelt wurde.“

Der Vater habe seelenruhig zuschauen dürfen, dass der Junge „fast zerbricht“ und bleibe straffrei, so Lukas weiter. Hingegen werde seiner Mandantin ein Strick daraus gedreht, dass der Junge trotz eines geplanten Arztbesuches gestorben sei. Im Namen seiner Mandantin stelle er jetzt Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen gegen den Vater. Lucas außerdem: „Ich sehe nicht, dass wir zu einem Urteil kommen, solange nicht alle Möglichkeiten zur Tataufklärung ausgeschöpft sind.“

Angeklagte müsste ihr Geständnis widerrufen

Für so einen Antrag müsse die Angeklagte definitiv ihr Geständnis widerrufen. Das habe sie bislang nicht getan, so dass das Gericht von einer geständigen Einlassung ausgehen müsse, kritisierte Nebenkläger Oliver Brock das Procedere. Erst jetzt einen neuen Beweisantrag zu stellen, nachdem der Verteidiger mit den geforderten Strafrahmen nicht einverstanden sei, sei für ihn nicht nachvollziehbar.

Staatsanwalt Klaus Neulken hatte vergangene Woche drei Jahre und acht Monate Freiheitsstrafe gefordert. Er sehe nicht genügend strafmildernde Gründe für einen minderschweren Fall. Die Angeklagte habe viele Hilfsangebote ausgeschlagen und das Leid der Kinder zu lange tatenlos hingenommen. Rechtsanwalt Oliver Brock als Vertreter der Nebenklage, hatte sogar vier Jahre Freiheitsstrafe gefordert.

Vier Kinder sollen aussagen

Nach seiner Beratung kam das Gericht zu dem Schluss, vier weitere Verhandlungstage anzuhängen. Am nächsten Prozesstag, am 20. Februar" sollen die vier ältesten Kinder der Angeklagten aussagen.

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