Therapie-und Tierschutzhof

Ranch für missbrauchte Frauen im Sauerland braucht Hilfe

Die Kolsberg Ranch als Zufluchtsort für Tiere und Menschen liegt an der Sauerlandstraße (B7) kurz vor Westheim.

Die Kolsberg Ranch als Zufluchtsort für Tiere und Menschen liegt an der Sauerlandstraße (B7) kurz vor Westheim.

Foto: Annette Dülme

Westheim.  Die Kolsberg-Ranch bei Marsberg bietet in Not geratenen Tieren und Menschen einen Zufluchtsort. Die finanziellen Grenzen sind aber erreicht.

Kerstin Fingerhut-Pluskat (32) und ihr Mann Tobias Fingerhut (33) haben ein großes Herz für Menschen und Tiere, die kein leichtes Leben hatten und haben. Sie wollen ihnen nach einer schweren Zeit beistehen und bieten ihnen auf ihrem kleinen Hof kurz vor Westheim bei Marsberg im Hochsauerlandkreis direkt an der B7 gelegen einen Rückzugs- und Erholungsort an.

Das Ehepaar stammt aus Hamm. Mit ihrer kleinen Tochter Leah (3) haben sie im Januar den Hof übernommen und erfüllten sich damit einen großen Traum, wie Kerstin Fingerhut-Pluskat im Gespräch mit der WP sagt. Zuerst stand der Wunsch nach Platz für den eigenen weiß-braun gescheckten Painthorse-Wallach Shadow ganz vorne. Dann wurde mehr daraus.

Kleinen Hof zum Tierschutzhof umgebaut

Das Ehepaar steckte viel Zeit und Arbeit in den Hof. Und es ist noch sehr viel zu tun. Das Haus musste von innen komplett renoviert werden. Sie bauten Ställe aus Holz, zäunten Wiesen ein und legten einen Reitplatz an. Da sich direkt hinter dem Grundstück der Kolsberg an der Grenze zum Naturschutzgebiet Diemelsberg auftürmt, hat das Ehepaar den Hof passend Kolsberg-Ranch genannt.

Inzwischen haben dort drei weitere Pferde eine neue Heimat gefunden sowie zwei Esel. Die Pferde retteten sie vor dem Schlachter, die zwei einjährigen Esel Oskar und Finchen aus den Fängen eines holländischen Händlers. Einen offenen, begehbaren Stall teilen sich 15 Kaninchen, sechs Hühner und ein stolzer Hahn. Der Stall ist zwar eingezäunt, aber die Kaninchen und Hühner können rein und raus spazieren oder hoppeln, wie es ihnen gefällt. Dazu kommen vier Katzen und Hugo, eigentlich ein Kangal-Baby. Mit seinen 14 Wochen ist der junge anatolische Hirtenhund aber schon fast so groß wie eine Schäferhündin.

Zufluchtsort für bedrohte Tiere und Menschen

Mitten durch das eineinhalb Hektar große Grundstück fließt beschaulich die Rummecke. Vier Laufenten fühlen sich darin pudelwohl. „Die Tiere waren allesamt für ihre vorherigen Besitzer Ballast. Sie wollten sie nicht mehr“, so die Hofbesitzerin. „Es gibt Tiere, die hatten keine schöne Vergangenheit und es gibt Menschen, die hatten keine schöne Vergangenheit“, sagt die selbstständige Tiergrafikerin mit leiser Stimme.

Und sie weiß, wovon sie spricht. Ihren ersten Freund lernte sie mit 17 Jahren kennen. Zwei Jahre durchlebte sie die Hölle, wurde von ihm geschlagen, gedemütigt, erniedrigt. vergewaltigt und bedroht. Einmal habe er ihr ein Messer ins Knie gerammt, weil sie sich widersetzte. „Es ist nicht leicht, wenn man in eine Situation gerät, die man so gar nicht möchte, aber aus Angst und Scharm schweigt“, hat sie erfahren müssen.

Ein Tag Auszeit für Gewaltopfer und Menschen in schwierigen gesundheitlichen Phasen

Deshalb hat sich das Ehepaar entschlossen nicht nur alten, kranken und ungeliebten Tieren ein Zuhause zu bieten, sondern auch Frauen und Mädchen, die Opfer von Gewalt und Missbrauch wurden oder Menschen, die aktuell in einer schwierigen Situation sind, weil sie beispielsweise an Krebs erkrankten und einen Rückzugsort suchen. Kerstin Fingerhut-Pluskat: „Wir können keine Therapie ersetzen, aber wir können helfen, Ruhe zu finden, sich mal fallen lassen zu können und bieten ein offenes Ohr an.“ Natürlich ehrenamtlich. Und die Tiere helfen dabei. „Sie können Trostspender für unsere Gäste sein.“ So nennen sie die Mißbrauchs- und Gewaltopfer. „Wir nennen sie Gäste, weil sie bei uns zu Gast sind. Sie sollen sich wohlfühlen und nicht in die Opferrolle gesteckt werden.“

Tiere können als Trostspender fungieren

Sie bieten ihren Gästen einen Tag Auszeit an. Wie er gestaltet wird, überlassen sie ihnen. So können sie einfach nur Zeit bei den Tieren verbringen, sie versorgen, putzen oder einfach nur mit ihnen kuscheln.

„Mit den Kindern basteln wir auch und lassen uns immer wieder neue Spiele einfallen“, so Kerstin Fingerhut-Pluskat. „Wir haben noch ganz viel geplant, da wir aber ehrenamtlich arbeiten, fehlt es leider oft an finanziellen Mitteln.“ So sei momentan der Herbst und Winter ihr größter Feind. Oft könnten Termine mit ihren Gästen nicht stattfinden, weil alles matschig ist und es oft regnet.

Abhilfe würde ein großes Gartenhaus schaffen. „In diesem Haus würden wir im warmen mit unseren Gästen und auch teilweise mit den Tieren arbeiten können, egal ob es stürmt oder schneit“, so Tobias Fingerhut. Er ist Bürokaufmann und auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle.

Für ein Gartenhaus fehlt das Geld

Allerdings würde das Gartenhaus, das ihren Vorstellungen entspricht, über 6.000 Euro kosten. „Für uns einfach derzeit zu viel.“ Denn sie möchten auch von ihren Gästen kein Geld nehmen. Deshalb wenden sie sich an die Öffentlichkeit mit einer Spendenkampagne.

Spendenkampagne auf Online-Plattform

„Ein Gartenhaus wäre optimal“, sagt Kerstin Fingerhut-Pluskat, Unsere Gäste könnten sich ungestört darin zurückziehen und auch übernachten. Bisher fehlte die Möglichkeit auf ihrer Kolsberg-Ranch. Kerstin Fingerhut-Pluskat und ihr Ehemann Tobias Fingerhut bieten ehrenamtlich und unentgeltlich Missbrauchs- und Gewaltopfern und Menschen in schwierigen Lebensphasen einen Rückzugsort auf ihrem Tierschutzhof an. Doch leider fehlen die finanziellen Mittel. Denn auch für die Nottiere fallen immer Kosten an für Futter, Tierarzt, Einstreu und Zubehör. Bisher finanzierten sie das alles selbst. Ab und zu bekommen sie auch Futter gespendet. „Aber natürlich wäre es schön, finanziell etwas Unterstützung zu bekommen, damit wir auch weiterhin Tiere von Klein bis Groß bei uns aufnehmen können und Menschen einen Rückzugsort anbieten können.“

Das Ehepaar hat sich für ihre Spendenkampagne Unterstützung geholt bei der Online-Spendenplattform „GoFundMe“. Hier können Privatpersonen andere Privatpersonen unterstützten. Die Spenden gehen eins zu eins an die Kampagnen, versichern die Initiatoren. GoFundMe nehme keine Nutzungsgebühren, sondern finanziere sich über ein freiwilliges Trinkgeld der Spender.

Seit über einem Jahr gibt es GoFundMe mit einem lokalen Expertenteam in Deutschland. Über 100.000 Menschen spendeten in dieser Zeit nach Angaben der Organisation mehr als sieben Millionen Euro. Gegründet wurde die Organisation in den USA. Sie hat Büros in fünf Ländern: USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien.

Am meisten wird im deutschsprachigen Raum für Kampagnen gespendet, die die Gesundheit betreffen, für gemeinnützige Organisationen und Spendenaufrufe und den Tierschutz. Der am häufigsten gespendete Betrag ist 10 Euro, knapp gefolgt von 50 und 20 Euro.

Spenden für die Kolsberg-Ranch in Westheim ist möglich unter www.gofundme.com/f/stark-gegen-missbrauch. Weitere Informationen gibt es auf der Facebook-Seite der Kolsberg-Ranch

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