Amtsgericht Brilon

Rentner aus Olsberg stalkt Frau und sperrt sie in sein Auto

Fast 500 Textnachrichten erhielt die Geschädigte von dem Rentner.

Fast 500 Textnachrichten erhielt die Geschädigte von dem Rentner.

Foto: Angelika Warmuth / dpa

Keine Einsicht zeigte vor dem Amtsgericht Brilon ein Rentner aus Olsberg. Er stalkte eine Frau monatelang und setzte sie psychischem Druck aus.

Brilon. Wie man sich vor Gericht nicht verhält, hat jetzt ein 67-jähriger Olsberger während seiner Verhandlung wegen Nachstellung und Freiheitsberaubung bewiesen. Erst erschien er nicht vor Gericht und musste von der Polizei abgeholt werden, dann tippte der Angeklagte während des Prozesses ständig auf seinem Smartphone herum und fiel immer wieder Zeugen, Richter und Staatsanwältin ins Wort. Ebenso wenig korrekt war sein Verhalten gegenüber einer 47-jährigen Frau.

– weshalb er auch vor dem Briloner Amtsgericht stand und eine Bewährungsstrafe erhielt.

Die Staatsanwältin warf dem gehbehinderten Rentner vor, die Frau im Spätsommer 2018 drei Stunden lang gegen ihren Willen im Auto festgehalten zu haben. Zu diesem Zeitpunkt standen beide in einem lockeren Kontakt, die Fahrt sollte nur die kurze Strecke bis zur Wohnung der Geschädigten beinhalten und ein „Freundschaftsdienst“ sein.

Angeklagter fährt mit Opfer ziellos durch die Gegend

Statt sie jedoch nach Hause zu fahren, drehte der Olsberger ab und fuhr über zig Landstraßen kreuz und quer durch das Sauerland. Der 47-Jährigen, die aus Indien stammt, sich in der Region kaum auskennt und die zudem unter starker Reisekrankheit leidet, war die Sache schnell nicht mehr geheuer. Sie bat darum, nach Hause gebracht zu werden.

Dieser Bitte kam der Rentner nicht nach, woraufhin die Frau mit der Verständigung der Polizei drohte. „Er sagte mir, dass er mit mir gegen einen Baum fahren würde, wenn ich tatsächlich die 110 wähle“, sagte sie als Zeugin vor Gericht aus. Der Angeklagte bezeichnete diese Aussagen als Lüge.

Nur der Anfang vom Stalking

Nach rund drei Stunden brachte er die Frau damals doch nach Hause. Dieses Ereignis war aber nur der Anfang einer langen Zeit des Stalkings und der Belästigung. „Vor diesem Tag hatte ich keine Angst vor ihm, danach aber wollte ich keinen Kontakt mehr zu ihm“, sagte die Frau vor Gericht.

Zusätzlich zu der Freiheitsberaubung war der Rentner auch wegen Nachstellung angeklagt. Diese äußerte sich insbesondere in den Monaten September und Oktober 2018, in denen er 492 SMS an das Opfer schickte, um Treffen bat, mehrfach bei ihr Sturm klingelte, Briefe mit zwei Fotos „als Andenken“ versendete.

Angeklagter wartet vor Haustüre des Opfers

Im Januar und Februar 2019 wartete er immer wieder mit dem Auto vor ihrer Wohnung und starrte auf die Haustür. Auf diese Kontaktversuche habe sie nicht ein einziges Mal geantwortet; der Angeklagte jedoch behauptete, er habe Nachrichten von ihr mit Liebesbekundungen erhalten. Hilflos, so schien es, suchte er auf seinem Smartphone nach den besagten Nachrichten – er fand sie letztlich nicht.

In der Verhandlung wurde recht schnell deutlich, dass sich der Olsberger mehr als nur ein lockeres Verhältnis wünschte und eine Partnerschaft im Sinne hatte. Dass er nach fast 500 Textnachrichten und ständiger Ablehnung nicht auf die Idee kam, dass kein beiderseitiges Interesse vorhanden war, ließ auch den Richter kopfschüttelnd zurück: „Sie haben damit über einen langen Zeitraum psychischen Druck auf die Zeugin ausgeübt.“

Die Aussagen der 47-Jährigen konnte eine weitere Zeugin, die als Integrationspatin der Frau fungiert, lückenlos bestätigen. Sie steht mit ihr in regelmäßigem Kontakt. Mittlerweile ist das Stalking-Opfer weggezogen und hat keine weiteren Belästigungen erleiden müssen.

Richter fällt härteres Urteil als gefordert

Ein Einsehen zeigte der Rentner während der gesamten Verhandlung nicht. Einzig für seine 90-minütige Verspätung entschuldigte er sich kleinlaut, ein Wort des Bedauerns für seine Taten fehlte jedoch völlig. Zwar räumte er ein, dass er die zahlreichen SMS geschrieben habe. Doch das war – gepaart mit seiner vorstrafenfreien Vergangenheit – das einzige, was die Staatsanwältin ihm in ihrem Plädoyer zugute halten konnte.

Da der Angeklagte über kaum Geld verfügt, hielt die Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe von zwei Monaten und einer Woche für angemessen. Der Richter verurteilte den Olsberger schließlich zu drei Monaten auf Bewährung. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Der Angeklagte kündigte noch im Gericht an, gegen das Urteil Berufung einzulegen.

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