Sauerlandtower

Hobby-Tischler liefert Montessori-Lerntürme in alle Welt

Christian Schmidt baut Montessori-Lerntürme und bietet sie im Netz an. Inzwischen liefert er weit über das Sauerland hinaus.

Christian Schmidt baut Montessori-Lerntürme und bietet sie im Netz an. Inzwischen liefert er weit über das Sauerland hinaus.

Foto: Naima Schopper

Rösenbeck.  Mama und Papa auf Augenhöhe helfen und dabei sicher stehen - das ist die Idee hinter dem Lernturm für Kinder. Christian Schmidt baut sie selbst.

Eigentlich ist es immer ein Hobby gewesen. Eigentlich soll es das auch bleiben. Aber Christian Schmidt (40) aus Rösenbeck liefert seinen Sauerlandtower jetzt nach Frankreich, England und Norwegen. „Daran ist meine Frau Schuld“, erklärt er grinsend. Denn bei dem Turm für die eigenen Kinder blieb es nicht.

Susanne Schmidt (32) hat vor einigen Jahren die Kinderhilfe entdeckt. Ein Schemel mit einem Geländer – ein bisschen wie ein Hochsitz für Kinder. „Da steckt Maria Montessori dahinter, die ein pädagogisches Konzept für Kinder entwickelt hat: ,Hilf mir es selbst zu tun’“, erklärt Christian Schmidt.

In dem Konzept geht es darum, nicht jede Tätigkeit für die Kinder zu übernehmen, sondern ihnen zu ermöglichen, Dinge selbst auszuprobieren.

Bekannte begannen nachzufragen

Diese Idee hat Familie Schmidt gleich gefallen und als Susanne Schmidt den Lernturm für Kinder sieht, will sie ebenfalls einen für ihre beiden Kinder. Kurzentschlossen baut Christian Schmidt in seiner kleinen Werkstatt unten im Keller seines Hauses eine dieser Montessori-Tritthilfen nach – der erste Sauerlandtower entsteht. Kinder können damit zum Beispiel sicher auf Augenhöhe mit Erwachsenen arbeiten.

„Dann hat ein Freund aus dem Ort das gesehen und mich gefragt, ob ich einen für ihn bauen würde“, erklärt Christian Schmidt die Anfänge seines kleinen Nebenjobs. „Und dann hat wiederum jemand den Lernturm bei ihm gesehen und so hab ich einfach ein paar mehr gebaut.“

50 bis 100 Türme pro Monat

2016 entschließt er sich, seinen Sauerlandtower im Internet anzubieten – und sein Hobby wird zu einem ausgewachsenen Internethandel. In einem Monat baut Christian Schmidt manchmal 50 bis 100 Lerntürme, schickt sie nach München, Frankfurt und Berlin – aber auch ins Ausland. Manchmal muss er die Kunden um einige Wochen vertrösten, zu gut ist die Auftragslage.

Christian Schmidt steht in seiner Werkstatt. Eine lange Holzwerkbank erstreckt sich auf der einen Seite. Fotos seiner beiden Kinder sind mit Reißzwecken an einer Pinnwand festgemacht.

Es riecht nach Holz. „Das hier ist eigentlich als Auszeit gedacht – von der Arbeit und manchmal auch vom stressigen Alltag mit zwei Kindern. Ich brauche das ab und zu“, sagt er und lacht wieder.

„Jetzt können sie das machen, was Mama und Papa machen“

Manchmal wird es ihm zuviel. Dann lässt er die Arbeit Arbeit sein, schließt die niedrige Werkstatttür und geht nach oben, um mit seinen Kindern zu spielen.

„Ich will nicht zuviel hier unten sein, meine Kinder sind mir wichtig.“ Stolz „wie bolle“ waren sie, als sie zum ersten Mal auf Augenhöhe in der Küche oder dem Bad mithelfen konnten, während sie im Sauerlandtower standen.

„Jetzt können sie das machen, was Mama und Papa machen“, erklärt Christian Schmidt. Seine Frau fügt hinzu: „Und sie hängen einem beim Kochen nicht ständig zwischen den Beinen. Das entlastet schon.“ Sie lacht.

Unbeaufsichtigt darf man die Kinder trotzdem nicht in dem Lernturm stehen lassen. „Wenn man ihn direkt an die Arbeitsfläche stellt, ist der Lernturm kippsicher. Ich richte ihn immer auf einer geraden Stahlplatte aus. Wenn er also bei einem Kunden zu Hause wackelt, dann liegt das an den alten Böden.“ Christian Schmidt zwinkert.

Lieber keine Internet-Basteltipps

Sicherheit ist ihm sehr wichtig. Sein Lernturm ist mehrfach verschraubt und verklebt. Störende Schrauben sind nicht zu sehen oder zu spüren. Er benutzt Birken- und Nadelholz und montiert den Lernturm fertig – weiteres Aufbauen ist nicht mehr nötig.

Christian Schmidt betont, dass der Trick, der im Netz kursiert – dieselbe Idee mit zwei zusammengezimmerten Möbelstücken aus einem großen Einrichtungshaus zu bauen – nicht sicher genug sei. „Ich kaufe zwar auch den Unterbau, dann bekomme ich ihn einfach günstiger, als wenn ich ihn selbst baue. Aber den Oberbau stelle ich selbst her und verschraube ihn. Da kann dem Kind nichts passieren.“

Wer mag, kann auch eine zweite Sicherung einbauen, damit das Kind nicht selbst hinein- oder hinausklettern kann.

Außerdem achtet Schmidt darauf, dass Kinder nirgends steckenbleiben und sich nicht an spitzen Ecken stoßen können. Sich mit dem Sauerlandtower selbstständig zu machen, kann er sich nicht vorstellen. Seinen Job in der Pflege will er nicht aufgeben.

„Das ist eigentlich ein Nebending“, betont er wieder und zuckt die Achseln, als könnte er selbst nicht glauben, wie erfolgreich er ist. „Ich will nicht selbstständig sein. Ich muss meine Familie ernähren“, sagt er und lächelt seiner Frau zu.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben