Chorgesang

Kammerchor Marsberg: „Singen bereichert unser Leben“

Der Kammerchor Marsberg besteht seit 40 Jahren.

Der Kammerchor Marsberg besteht seit 40 Jahren.

Foto: Kammerchor Marsberg

Marsberg.  Der Kammerchor Marsberg besteht seit 40 Jahren. Chormitglieder blicken zurück und nach vorne auf ein neues, großes Chorprojekt.

Seit 40 Jahren besteht der Kammerchor Marsberg. „Mit Freude und Dankbarkeit blicken wir auf vier Jahrzehnte voller schöner gemeinsamer Gesangs-Erlebnisse zurück“, sagen der Vorsitzende Gottfried Konze und der 2. Vorsitzender und Pressewart Herbert Legge. Anlässlich des runden Geburtstages blicken die beiden Vorstandsmitglieder und der Dirigent Torsten Seidemann zurück auf „eine bewegte und bereichernde Vergangenheit“ und nach vorne „auf weitere schöne und gemeinsame Projekte“.

Herr Legge, wie war das, waren Sie von Anfang an dabei?

Herbert Legge: Zu den Gründern unseres Chores gehöre ich nicht. Die Gründung entwickelte sich folgendermaßen: Vor etwa 41 Jahren fanden mehrere musikbegeisterte Frauen und Männer zueinander. Sie bildeten einen Singe-Kreis, der sich regelmäßig in den privaten Räumen von Rose und Josef Becker in Oesdorf zum gemeinsamen Singen traf. Weitere musikfreudige Erwachsene und Jugendliche kamen nach und nach dazu, zudem auch der Musiklehrer Gerhard Eberbach des Marsberger Gymnasiums. Da die Kinder dieser Musikfreunde das Gymnasium besuchten, fügte es sich, dass der betreffende engagierte Musiklehrer des Gymnasiums in Absprache mit der Oesdorfer Musikgruppe einen Chor anbot, und zwar für alle singefreudigen älteren Schüler des Gymnasiums, deren Eltern sowie für ehemalige Schüler. Der so entstandene Chor traf sich einmal wöchentlich im Musikraum des Gymnasiums zum gemeinsamen Singen. Die Gründung dieses Chores im Gymnasium geschah vor vierzig Jahren. Seit dieser Zeit singen meine Frau und ich ebenfalls mit. Die wöchentlichen Chorproben, das gemeinsame Singen, schöne Konzerte, Chorfeste, Proben-Wochenenden außerhalb Marsbergs, gelegentliche gemeinsame Reisen und die freundschaftliche Stimmung in unserem Chor, das alles empfinden wir als eine Bereicherung unseres täglichen Lebens.

Aber der Chor nannte sich nicht sofort Kammerchor Marsberg, sonder Kleiner Chor. Wieso?

Legge: Ja, das ist richtig. Unser Chor nannte sich während seiner ersten Jahre Kleiner Chor, erst danach Kammerchor Marsberg. Diese Namens-Änderung geschah auf Anraten eines externen Musikers, der häufig unsere Konzerte besuchte und der von der gesanglichen Leistung und von der besonderen Vorliebe unseres Chores für anspruchsvolle Chor-Musik begeistert war.

Chorleiter gibt es ja nicht zu hauf. Hatten Sie während der 40 Jahre jemals Probleme einen Chorleiter zu bekommen oder zu haben?

Gottfried Konze: Glücklicherweise kann der Kleine Chor bzw. der Kammerchor Marsberg von Anbeginn bis heute lückenlos auf die Chorleitung durch engagierte und qualifizierte Dirigenten zurückblicken und in der Konsequenz daraus auf viele schöne Chor- und Orchester-Konzerte sowie reine Chorkonzerte. Dadurch, dass dabei die Singstimmen immer im einzelnen akribisch einstudiert werden, erlebe ich die Musik im Detail viel intensiver, als ich es als Laie allein durch Zuhören könnte. Besonders genieße ich es dann, auch die anderen Stimmen bewusst erleben zu können. Nachdem ich selbst quasi als „Spätberufener“ mit bereits etwa ca. 45 Jahren zum Singen kam, kann ich diese Art des Musikerlebens nur dringend weiterempfehlen.

Herr Seidemann, Sie dirigieren seit 17 Jahren den Kammerchor. Wie wir durch Ihre vielen gelungenen Konzerten wissen, arbeitet der Kammerchor sehr gerne für spezielle Projekte mit anderen Chören zusammen, wieso?

Torsten Seidemann: Ja, der Kammerchor Marsberg pflegt den Kontakt und die gelegentliche Kooperation mit anderen Chören, zum Beispiel mit dem Marsberger Evangelischen Kirchenchor, der Kantorei Bad Driburg und der Kantorei Bad Lippspringe, neuerdings auch mit dem Vokalensemble der Kantorei Marsberg.

Warum die Kooperationen?

Seidemann: Eine Kooperation mit anderen Chorgemeinschaften zu einem bestimmten Projekt ermöglicht die Aufführung größerer Werke, die einen großen Chor erfordern. In der Vergangenheit waren das z. B. das Weihnachtsoratorium von Bach, im vergangenen Dezember das Weihnachtsoratorium von Camille Saint Seans, oder Messvertonungen für Chor, Solisten und Orchester von Haydn, Mozart oder die Johannespassion und die h-Moll Messe von Bach, um nur einige zu nennen. Für engagierte Chorsänger/innen ist es auch immer etwas Besonderes, in Chor- und Orchesterkonzerten mit einem Profiorchester, wie z. B. dem Bohemia-Sinfonieorchester Prag und mit professionellen Vokalsolisten zu musizieren. Eine große Chorgemeinschaft auch mit anderen Chören zusammen, erzeugt ein Wir- Gefühl und ermöglicht unter Umständen auch, dass ein mit großem Zeitaufwand einstudiertes Werk zweimal aufgeführt werden kann, wie z. B. die Matthäuspassion von Bach in 2013.

Steht in diesem Jahr auch etwas Besonderes an?

Torsten Seidemann: Geplant ist für den 4. Oktober zu 30 Jahr Deutsche Einheit ein Chor- und Orchesterkonzert in Bad Driburg. Wir singen dort mit der Kantorei Bad Driburg die „Jubelmesse“ von Carl Maria von Weber, begleitet von dem Bohemia-Sinfonieorchester aus Prag. Es ist das 6. gemeinsame Konzert mit diesem Orchester und mit der Kantorei Bad Driburg. Eine zweite Aufführung der „Jubelmesse“ ist für Sonntag, 25. Oktober, in der Besetzung Chor, Solisten und Klavierbegleitung in der St, Vitus-Kirche in Westheim in Planung.

Herr Konze, worauf blicken Sie in Ihrer Chorzeit besonders gern zurück?

Konze: In besonderer Dankbarkeit erinnere ich mich immer wieder gerne an hochkarätige Orchestermusiker und Solosänger, die uns beim Konzert oft zum Greifen nahe sind. Welch ein Privileg, selbst direkt neben ihnen die besten Plätze einnehmen zu können. Bei uns sitzen wir wirklich in der ersten Reihe. Wir hören alle Feinheiten. (Da bezahlen wir gerne unseren kleinen Mitgliedsbeitrag.) Daneben möchte ich aber unbedingt noch unsere Lillers-Fahrt (2018/Pflege der Städtepartnerschaft mit Marsberg) erwähnen. Musik ist international. Wer nicht so gut in Französisch ist, lässt seinen Gesang für sich sprechen. Das hat in Lillers gut funktioniert. Und so waren wir sehr glücklich, einen kleinen Beitrag zur deutsch–französischen Freundschaft leisten zu dürfen.

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