Straßensicherheit

So kontrolliert die Polizei in Brilon Lenkzeiten von Fahrern

Susanne Köhler nimmt einen Lkw ganz genau in Augenschein und betrachtet neben den Fahrzeugpapieren auch die Ladung des Fahrzeugs.

Susanne Köhler nimmt einen Lkw ganz genau in Augenschein und betrachtet neben den Fahrzeugpapieren auch die Ladung des Fahrzeugs.

Foto: Kevin Kretzler

Brilon.  Lkws fallen oft wegen Sicherheitsverstößen auf. Auch nicht eingehaltene Ruhezeiten sind ein Problem. In Brilon wird die Polizei schnell fündig.

Polizistin Regine Gerte-Müller nimmt den Lkw auf der B7 schon aus circa 400 Metern Entfernung ins Auge. „Den gucken wir uns mal an“, sagt sie und schreitet auf die Straße. Sie streckt gut sichtbar ihre Kelle von sich weg und weist den Fahrer des Sattelschleppers an, sich auf den Fahrbahnrand zu stellen. Gestern Nachmittag erwischt es im Rahmen der Verkehrskontrolle auf der B7 zwischen Brilon und Altenbüren unter anderem Mario Ehrlichmann. Und er hat ein Problem, das die erfahrenen Beamten Elmar Schriek, Susanne Köhler und Gerte-Müller finden werden.

Zunächst öffnet Schriek die Türe und stellt sich höflich vor. „Ich will den Stresspegel der Fahrer nicht unnötig erhöhen, deswegen ist Freundlichkeit sehr wichtig. Die meisten von ihnen bleiben auch immer höflich und haben Verständnis.“ Mario Ehrlichmann ist da keine Ausnahme. Er macht sofort Platz und lässt den Beamten in sein Führerhaus, damit dieser sich umsehen kann.

Genaue Ansagen und ein höfliches Verhalten

„Ich sage zuerst, was ich vorhabe und schaue dann zunächst nach den Ruhe- und Lenkzeiten“, erklärt Schriek weiter. Das geschieht mit Hilfe der Fahrerkarte und dem Fahrzeug-Massenspeicher. Sie markieren die Geschwindigkeiten des Fahrzeugs, die Fahrzeiten und vieles mehr. Die Daten auszulesen braucht Zeit. Kollegin Susanne Köhler betrachtet solange mit Mario Ehrlichmann seine Ladung. Der Fall ist schnell klar: „Bis jetzt sieht alles gut aus. Sein Führerschein läuft bald ab, aber darauf habe ich ihn schon hingewiesen. Sonst passt hier alles.“

Die Ruhezeit wurde nicht eingehalten

Schriek hat die Daten aus dem Lkw ausgelesen und muss sie jetzt in den Dienstwagen bringen, wo sie an einem Laptop wieder eingelesen werden. Auch dieser Vorgang dauert Zeit. Bei genauem Betrachten der Fahrzeiten zeigt sich aber, dass vier Verstöße vorliegen. Doch Ehrlichmann hat den Beamten schon zu Beginn der Kontrolle darauf hingewiesen, dass diese existieren und auch den Grund dafür genannt. „Ich war auf dem Weg nach Belgien und an der Grenze wollte ich auf einem Rastplatz übernachten, als ich nach drei Stunden von der Polizei verscheucht wurde.“

Die Fahrt wurde fortgesetzt, ein neuer Platz zum Übernachten gesucht. Für das System eine klare Überschreitung der Richtlinien. Der Umstand wirkte sich auch auf die drei darauffolgenden Tage aus, ohne dass der Fahrer sich wieder falsch verhalten hatte. Erst dann ist das Zeitkonto ausgeglichen.

Glaubwürdiges Szenario

Schriek glaubt dem erfahrenen Mann, merkt aber an, dass die Polizisten im Ausland eine Bescheinigung über den Vorfall hätten aushändigen können. So hätte Ehrlichmann den Vorfall auch beweisen können. Dennoch wird kein Bußgeld fällig. 45 Minuten später heißt es wieder zurück auf die Straße. Ohne die Erklärung wäre ein hoher dreistelliger Betrag fällig geworden. Hätte das Unternehmen die Schuld getragen an dem Verstoß, wäre ein vierstelliger Betrag angefallen.

Die Vorschriften besagen, dass der Fahrer innerhalb von 4,5 Stunden Fahrzeit eine Pause von insgesamt 45 Minuten gemacht haben muss. Ob am Stück oder als 15 und 30 Minuten Pause, ist seine Sache. Nach neun Stunden Fahrtzeit ist das Maximum erreicht, außer zwei Mal in der Woche, wenn zehn erlaubt sind.

Personenschäden dringend reduzieren

Für Gregor Mertens, Leiter der Direktion Verkehr bei der HSK-Polizei, sind diese Verkehrskontrollen sehr wichtig. „Wir versuchen im Schnitt ein Mal pro Woche eine reine Lkw-Kontrolle durchzuführen. Mehr wäre schön, ist aber personell leider nicht machbar.“ Der Nutzen liegt für ihn klar auf der Hand: „Sachschäden sind das eine, aber Personenschäden müssen mit Hilfe dieser Kontrollen eingedämmt werden.“

Der Meinung ist auch Elmar Schriek. Sein krassester Fall: „Bei einem Fahrer sammelten sich die Verstöße so sehr, dass am Ende ein Bußgeld von 12.000 Euro entstand.“

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