Buchtipp

Stadtbibliothek Meschede empfiehlt „Gesang der Flusskrebse“

Gerade jetzt in der Herbst-Winterzeit macht Schmökern richtig Spaß.

Gerade jetzt in der Herbst-Winterzeit macht Schmökern richtig Spaß.

Foto: Verlag

Hochsauerlandkreis.  Es ist ein Krimi, aber auch eine Liebesgeschichte. „Der Gesang der Flusskrebse“ hat es Bibliothekarin Gisela Fildhaut aus Meschede angetan.

Unser Buchtipp der Woche kommt heute von Gisela Fildhaut aus der Stadtbibliothek Meschede. Es geht um das Buch „Der Gesang der Flusskrebse“ erschienen im Hanser Verlag.

Worum geht es?

Als am Morgen des 30. Oktober 1969 die Leiche von Chase Andrews im Küstengebiet von North Carolina gefunden wird, sind sich die Bewohner des nahen Küstenstädtchens Barkley Cove sicher: daran kann nur das Marschmädchen schuldig sein. Kya Clark ist das Marschmädchen. Sie lebt isoliert im Marschland mit seinen Salzwiesen und Sandbänken, kennt jeden Stein und Vogel, jede Muschel und Pflanze.

Kyas berührende Geschichte beginnt 1952, als ihre Mutter den gewalttätigen und alkoholsüchtigen Mann und die Familie verlässt. Wenig später verschwinden auch ihre Geschwister und später auch ihr Vater. Kya schlägt sich allein in der einsamen Hütte im Marschland durch. Für die Dorfbewohner ist sie nur „Sumpfgesindel“. Unterstützung findet sie bei dem farbigen Tankstellenpächter Jumpin und seiner Frau Mabel. Eine Schule besucht Kya nie, der Fischerssohn Tate bringt ihr das Lesen bei. Als junge Frau erliegt sie den Reizen des Sonnyboys Chase, doch wird sie von ihm nur benutzt. Aber hat sie ihn auch umgebracht?

Was macht das Buch aus? Wo liegen Stärken oder Schwächen?

Der Debütroman der amerikanischen Autorin, die viele Jahre als Zoologin in Afrika arbeitete und heute selbst in North Carolina wohnt, nimmt uns mit in eine beeindruckende Natur-Landschaft und in eine Gesellschaft der Fünfziger- und Sechziger- Jahre, die geprägt war durch Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung. Owens erzählt parallel vom Heranwachsen Kyas ab den Fünfzigerjahren und von polizeilichen Ermittlungen gegen sie im Rahmen des Mordes an Chase Andrews in den Jahren 1969/70. Mit viel Gefühl, aber ohne jede Sentimentalität, zeigt sie uns, wie Kya zu überleben lernt in einer ruhigen, einsamen, aber auch bedrohlichen Landschaft. Sie lässt uns teilhaben an Kyas ersten und behutsamen Liebesversuchen – auf der einen Seite zum ruhigen Naturburschen Tate, der sie immer wieder in den Flussarmen des Marschlandes trifft und der sie später dazu bringen wird, ihre großartigen Naturzeichnungen als Buch zu veröffentlichen. Und auf der anderen Seite zu dem Charmeur Chase Andrews, der ihr eine Heirat und damit die Aufnahme in die Dorfgesellschaft verspricht, sie letztlich aber doch sitzenlässt.

Warum empfehlen Sie das Buch?

Delia Owens‘ erster Roman (sie veröffentlichte vorher schon Sachbücher ihrer zoologischen Forschungsarbeit) hat viele Facetten. Er ist eine sensibel erzählte Geschichte vom Erwachsenwerden, eine berührende Liebesgeschichte und auch ein bisschen eine Kriminalgeschichte. Dies alles erzählt in einer ruhigen poetischen, aber doch auch fesselnden Sprache. Dieses intensive und atmosphärische Buch hat mich sehr schnell gepackt und es gehört zu meinen Lieblingsbüchern dieses Jahres.

Für wen ist das Buch gedacht?

Breite Empfehlung für alle.

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