Tourismus-Chaos

Tagestourismus: Winterberg rüstet sich für das Wochenende

So einen Ansturm möchte niemand in Winterberg noch einmal erleben. Daher werden Parkplätze und Pisten in den Wintersportregionen Winterberg, Schmallenberg und Willingen erneut gesperrt.

So einen Ansturm möchte niemand in Winterberg noch einmal erleben. Daher werden Parkplätze und Pisten in den Wintersportregionen Winterberg, Schmallenberg und Willingen erneut gesperrt.

Foto: Rita Maurer / wp

Winterberg/Willingen/Schmallenberg.  Sorge vor erneuter Touristen-Invasion: Die Wintersportgebiete Winterberg, Schmallenberg und Willingen in Alarmbereitschaft. Die Fakten:

Die Wintersportregion spricht eine Sprache. Und die besagt: Winterberg, Willingen und vermutlich auch Schmallenberg machen Pisten und Parkplätze auch an diesem Wochenende dicht. Die erneute Botschaft an alle Touristen lautet. Bleiben Sie daheim!

Blick in die Glaskugel

Wenn die Ordnungsämter und die Polizei in diesen Tagen einen Wunsch frei hätten, dann würden sie vermutlich gerne in die Glaskugel schauen. Vielleicht könnte die ihnen sagen, ob es an diesem Samstag und Sonntag eine Invasion von Tagestouristen wie zum Jahreswechsel gibt oder ob es eher ruhig bleibt wie am letzten Wochenende. Da sie aber nicht in die Zukunft blicken können, bleibt Vorsicht die Mutter der Porzellankiste.

Die jetzige Entscheidung zum Erlass einer neuen "Allgemeinverfügung zur Umsetzung von Schutzmaßnahmen" für Winterberg, die Stand Donnerstagmorgen um 11 Uhr noch auf das formelle Einvernehmen aus Düsseldorf wartete, war absehbar. Schon am Sonntagabend hatte die Sprecherin der Stadt, Rabea Kappen, angedeutet, dass die Wintersport-Kommunen bei möglichen weiteren Schließungen um einer einheitliche Lösung bemüht seien. Sonntagnacht um 0 Uhr war die jüngste Verfügung ausgelaufen. Die Sperrungen auf Pisten und Parkplätzen sowie die angekündigte, starke Präsenz von Polizei und Ordnungskräften hatten Wirkung gezeigt. Es blieb ruhig. Daher stellte sich die Frage: War's das und wie soll es weiter gehen?

Erstes Januar-Wochenende sitzt tief

Allen Beteiligten steckt immer noch das erste Wochenende des neuen Jahres in den Knochen. Nichts ging mehr: 176 Verstöße gegen die Maskenpflicht und 94 gegen Kontaktbeschränkung an einem Tag waren nur die Spitze des Winterberger Eisberges. Außerdem wurden Einsatzkräfte bespuckt und beleidigt. Am nächsten Tag ging der Wahnsinn weiter: 150 Verwarngelder wegen Parkverstößen, 26 Verwarngelder für Verkehrsverstöße, 63 Platzverweise. Stau, Müll und Fäkalien in Vorgärten brachten die Anwohner zur Verzweiflung. Winterberg machte schließlich dicht und die Schneehungrigen wichen aus – z.B. nach Willingen oder Schmallenberg. Schnell wurde klar: es geht hier um kein lokales, sondern um ein regionales Problem. Insofern überrascht das gemeinschaftliche Auftreten der drei Kommunen jetzt nicht. Vergangene Woche hatten Willingen und Schmallenberg erst nach und nach Sperrungen verhängt und Ordnungsverfügungen erlassen. Diesmal preschen die Drei offenbar gemeinsam nach vorn.

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„Es geht um die Sicherstellung der Wege zur Arbeit oder zum Einkaufen, um die Sicherstellung eines vernünftigen Rettungsdienstes, einer guten medizinischen Versorgung, aber auch darum, das Eigentum der Menschen zu schützen, wenn Einfahrten einfach zugeparkt werden oder private Grundstücke von Menschen nicht respektiert werden“, hatte Bürgermeister Michael Beckmann vergangene Woche im Interview mit unserer Zeitung die Maßnahmen verteidigt. „Wir alle gehen davon aus, dass im Laufe der nächsten Monate durch die angelaufenen Impfungen ein großes Stück Normalität zurückkehrt, insofern gehe ich davon aus, dass solche Maßnahmen künftig nicht mehr notwendig sein werden.“ Das bleibt abzuwarten.

In Willingen - die Gemeinde gehört zu einem anderen Bundesland und dort gelten andere Corona-Schutzverordnungen - hat der Kreis sofort für dieses und das nächste Wochenende eine entsprechende Verfügung erlassen, die bestimmte Pisten, Hänge und Parkplätze sperrt. In Winterberg erlässt die Stadt die Verfügung und muss beim Land das Einvernehmen einholen. "Wir machen das auch ganz bewusst von Woche zu Woche, weil wir die Situation immer wieder neu abschätzen müssen", sagt Bürgermeister Beckmann.

Ein Dilemma

In puncto Einsatzstärke lässt sich die Polizei aus taktischen Gründen ohnehin nicht in die Karten gucken. Aber auch sie steckt in einem Dilemma. Zeigt sie vorsorglich starke Präsenz, die sich nachträglich als überflüssig erweist, wird es heißen: Muss das sein? Haben die nichts Besseres zu tun? Werden nur zwei, drei Streifenwagen geschickt und von den Massen überrollt, lautet die Frage: Und wo war die Polizei? Man werde sich weiterhin eng mit den Ordnungsämtern austauschen und entsprechend reagieren, wenn es nötig sein sollte, hatte Polizeisprecher Sebastian Held bereits am Sonntag gesagt. Vermutlich wird auch sie der Stadt am Wochenende wieder mit Kräften aus der Bereitschaft unter die Arme greifen.

Zu Hause bleiben

Vielleicht wird es ja auch diesmal alles gar nicht so schlimm. Die Fotos durchgestylter junger Damen vor verschneiter Kulisse in den sozialen Netzwerken sind durch, Ski und Rodel samt Après-Ski sind auf gesperrten Hängen nicht möglich, Cafés und Restaurants haben zu und Pinkeln im arktischen Freien dürfte kein Motiv für eine Reise ins Sauerland sein. Das Wetter scheint hingegen gut zu werden; aber bestimmt ist es das am Wochenende auch dem Tippelsberg in Bochum oder im Barmer Nordpark bei Wuppertal...

Infos

Das Verbot gilt im benachbarten Willingen vom 15. bis 17. Januar sowie vom 22. bis 24. Januar und betrifft die Skipisten in den Ortsteilen Willingen, Usseln und Schwalefeld sowie die Parkplätze im Skigebiet Willingen.

Die Verfügung in Winterberg wird am Freitag offiziell im Amtsblatt veröffentlicht und wird nach Informationen unserer Zeitung ähnlich wie die der vergangenen Woche aussehen.

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