Corona

Was die Corona-Pause fürs Filmtheater Winterberg bedeutet

Das Filmtheater Winterberg setzt auf moderne Technik und Wohlfühl-Charakter.  Annette und Joachim Wahle führen das Kino in dritter Generation und müssen jetzt wegen Corona erstmals vorübergehend schließen.

Das Filmtheater Winterberg setzt auf moderne Technik und Wohlfühl-Charakter. Annette und Joachim Wahle führen das Kino in dritter Generation und müssen jetzt wegen Corona erstmals vorübergehend schließen.

Foto: Lisa Dröttboom

Winterberg.  Neue Bestuhlung, neue Technik: Und jetzt muss das Filmtheater Winterberg wegen Corona den Vorhang unten lassen. Das sagt das Betreiber-Ehepaar.

James Bond muss warten und Joachim Wahle auch. Während der Geheimagent ihrer Majestät der Filmpremiere im November entgegen fiebert, kann der einzige Kino-Betreiber im Altkreis Brilon nur hoffen, dass es mit Corona und Fieber bald vorbei sein wird. Joachim Wahle und seine Frau Annette sind zurzeit in Quarantäne. Aber wie alle Kinos in Deutschland hat auch das Filmtheater Winterberg ohnehin geschlossen. Keine leichte Zeit für den Familienbetrieb, der in den vergangenen Jahren ordentlich investiert hat, um in puncto Technik und Gemütlichkeit auf dem neuesten Stand zu sein.

Anfangs größere Sicherheitsabstände

„Nach der ersten Ansprache von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im Fernsehen wurde der Betrieb merklich ruhiger.

Wir hatten vorher schon große Sicherheitsabstände in den Kinoreihen eingerichtet und nur jeden dritten Platz besetzt. Dann wurde es aber immer weniger, so dass wir schon einen Tag vor der offiziellen Sperre geschlossen hatten“, sagt Joachim Wahle. Er habe von einem Kollegen in Süddeutschland gehört, über den ein Shit-Storm hereingebrochen sei, nachdem sich im dortigen Kino Menschen infiziert hatten. „So etwas wollten wir in jedem Fall vermeiden.“

Eine behördlich verordnete Kino-Schließung – das hat es in der langen Geschichte des Filmtheaters noch nie gegeben. Es klingt wie Ironie des Schicksals, dass das Winterberger Kino ausgerechnet in Krisenzeiten das Licht der Welt erblickte. Im November 1943 kam der Großvater von Joachim Wahle mit zwei Ernemann-7b-Projektoren, die die Bombenangriffe in Duisburg überstanden hatten, ins Sauerland. In der Winterberger Schützenhalle bot er damit Stars von damals wie Margot Hielscher oder Rudolf Prack eine Plattform. 1952 baute Joachim Wahles Vater am jetzigen Standort ein neues Kino, das zwischenzeitlich im Nebenerwerb geführt wurde und immer wieder gegen Konkurrenten wie Fernsehen, Video oder Streamingdienste ankämpfen musste. Aber stets mit Erfolg. Man kann fragen, wen man will: Die Wahles betreiben ihr Kino mit ganz viel Herz!

Vorhang bleibt geschlossen

Umso schmerzlicher ist es dann auch, den Vorhang jetzt geschlossen zu halten: „Das Ganze ist für uns alle noch ein bisschen unwirklich. Da müssen wir jetzt leider durch - so hart wie es ist. Zumindest bei uns zahlt es sich aus, dass wir selbstständig groß geworden sind, immer mit Verstand investiert haben und ein familiär geführter Betrieb sind“, sagt Joachim Wahle. Trotzdem bleiben natürlich die Einnahmen aus. Für bestellte, aber jetzt letztendlich wegen höherer Gewalt nicht gezeigte Filme, müssen keine sonst üblichen Garantie-Zahlungen an die Verleihfirmen gezahlt werden.

Schon als sich die Krise abzeichnete, wurde nach tatsächlichen Besuchern abgerechnet. Und auch dafür, dass die Wahles derzeit keine Live-Übertragungen aus großen Opernhäusern zeigen können, entstehen keine Kosten. „Wir haben uns sehr gefreut, dass die Film- und Medienstiftung NRW erstmalig Sonderzahlung für Kinos in Aussicht gestellt hat. Das Filmtheater Winterberg wird Jahr für Jahr für sein breit-gefächertes Programm geehrt und erhält aus diesem Topf weitere 5.000 Euro.

Das Kino komplett schließen – das haben die Wahles höchstens mal zu Zeiten von Fußball-EM oder -WM für ein zwei Wochen gemacht. Die Situation ist also für alle Beteiligten sehr fremd. „In den nächsten Wochen werden wir turnusgemäß eine Generalreinigung vornehmen und ich sortiere den Vorführraum“, macht Joachim Wahle erste Pläne. Wann es mit dem Kinobetrieb weitergeht, weiß niemand. „Klar, stehen wir mit unserem Verband in ständigem Kontakt. Aber letztlich hat dort auch niemand Erkenntnisse darüber, wann die Sperren aufgehoben werden. Momentan muss man aber auch ganz ehrlich sagen, dass die Gesundheit und Sicherheit aller vorgeht.“

Mit Lizenz zum Töten

Vielleicht bringt Joachim Wahle ja nächste Woche die Festplatten mit den zuletzt gezeigten Kinofilmen zur Post. Die Zeiten der Filmrollen sind längst vorbei.

„Die Verleihe wollen startklar sein, wenn es denn mal wieder losgeht. Jetzt einen neuen Film herauszubringen, wäre ja auch Blödsinn. Ich persönlich denke so aus dem Bauch heraus, dass es noch mindestens ein Vierteljahr andauern wird, bis wir den Betrieb wieder aufnehmen können. Aber ich denke wir sollen nicht klagen, es gibt Menschen, die ganz andere Sorgen haben.“Vielleicht hat ja James Bond im November endlich seine Filmpremiere in den Kinos. „Keine Zeit zu sterben“ heißt der übrigens. Der Titel des 2008-er Films „Ein Quantum Trost“ wäre besser. Aber egal. Hauptsache James Bond hat weiterhin die Lizenz zum Töten – und die gilt hoffentlich auch für Viren.

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