Sport auf dem Land

Wie das kleine Titmaringhausen zu einem Stadion kam

Damit die Sportler nicht im Matsch versinken, muss der Bach Grundwasser verrohrt werden.

Damit die Sportler nicht im Matsch versinken, muss der Bach Grundwasser verrohrt werden.

Foto: Privat

Titmaringhausen.  In knöcheltiefem Matsch wollte Werner Lange 1962 einen Sportplatz bauen. 32 Jahre später bekam er ein Denkmal. Und jetzt steigt ein großes Fest.

„Herr Lange, in dieser Mondlandschaft wollen Sie einen Sportplatz bauen?“ Kopfschüttelnd standen die Kommissionsmitglieder des Landessportbundes 1962 mit dem 1. Vorsitzenden des SV Rot-Weiß Titmaringhausen in einer sumpfigen Wiese auf dem sogenannten Laddeckenbläck hinter Jakobs Twengwiese und dem Stückelcken Land.

Der Bach Grundwasser lief in Windungen quer durch das Gelände. Laddecken, Dornenbüsche, Erlen und Weiden wuchsen mit Brennesseln um die Wette und die Tiere standen knöcheltief im Matsch.

Doch für Werner Lange und seine Mitstreiter, von denen seine Vorstandskollegen Lorenz Peters und Franz-Josef Große stellvertretend genannt werden müssen, war das kein Hindernis. Es gab ja auch keine Alternative, da in Titmaringhausen ebene Flächen Mangelware sind. Außerdem hatte man einige Jahre zuvor bereits die Kirche über den Bachlauf der Wilden Aa gebaut, hatte also Erfahrung mit dem Überbauen von Bächen.

Da sollte die brave Grundwasser doch wohl kein Problem sein. Nachdem die Kommission ihre Zustimmung zögernd gegeben hatte, rollte schweres Geschütz an: Die Tiefbaufirma Pollmann aus Neubeckum, deren Chef Jagdpächter in Titmaringhausen war und die gerade mit dem Wirtschaftswegebau im Ort beschäftigt war, kam den Titmaringhäusern hierzu sehr gelegen.

Das ganze Dorf war beteiligt

Nachdem das Gelände von Gestrüpp befreit war, stellte Herr Pollmann seine Geräte zur Verfügung. Nach dem Einbringen von Drainagen und der Verrohrung des Bachlaufes begannen die Fahrer der Firma mit dem Planieren des Geländes und „Tepels Opa Josef“ säte den Platz ein, nachdem Lehrer Franz Peter mit den Schulkindern der kleinen Volksschule die Steine abgesammelt hatte. Der Bau des Sportplatzes war also ein echtes Gemeinschaftsprojekt, bei dem vom Schulkind bis zu den Dorfältesten alle mitmachten.

Am 21. Juni 1964 war es so weit: Mit einem großen Sportfest wurde der Sportplatz feierlich eingeweiht. Auf alten Bilder ist zu sehen, wie Hunderte von Gästen und Zuschauern erst den Festzug und dann das Eröffnungsspiel verfolgten. In der Vereinschronik wird berichtet, dass 1104 zahlende Zuschauer anwesend waren, dazu kamen Musikkapellen, mehrere Fußballvereine und Honorationen der Stadt Medebach, so dass die Zuschauerkulisse von nahezu 2000 Personen gebildet worden sein dürfte. Zahlen, von denen heutzutage die hiesigen Fußballvereine nur träumen können.

Heute weiß kaum noch jemand, wie es damals dort ausgesehen hat, geschweige denn, wie die Wiese ursprünglich genannt wurde. Heute heißt es einfach nur „der Platz“.

Ein Denkmal für Werner Lange

1995, zum 50-jährigen Vereinsjubiläum, setzten die Titmaringhäuser Werner Lange, der bis dahin 40 Jahre lang die Geschicke des Sportvereins gelenkt hatte, schon zu Lebzeiten ein Denkmal: Der Sportplatz wurde offiziell in „Werner-Lange-Stadion“ umbenannt. Die Bezeichnung Stadion hatte er sich umgangssprachlich aber schon vorher erworben, da der Platz von drei Seiten von Uferböschungen umgeben ist und so an große Fußballstadien erinnert.

Vor 25 Jahren wurde noch ein Tennisplatz nebenan gebaut. Für damalige Verhältnisse etwas ganz Besonderes war, dass der Platz bereits einen Belag aus Kunstrasen bekam. Bis heute sorgt der Verein für Trainingsstunden und richtet jährlich die Tit-Open aus. Außerdem findet einmal im Jahr ein großes Mountainbike-Rennen in Titmaringhausen statt, welches das Werner-Lange Stadion in ein Radfahrer-Mekka verwandelt.

Am Wochenende des 22./23. Juni feiert der kleine Ort sein 55. Sportfest im Werner-Lange-Stadion. Am Freitag tragen die Altherren ihr Kleinfeldturnier aus, der Samstag steht im Zeichen des Graf-Stolberg-Soccer-Cups. Am Sonntag wird es – neben den Jugendturnieren – eine Premiere geben: Für den erstmals stattfindenden Dorf-Biathlon hat der Kreissportbund eigens zwei Lasergewehrbahnen mit entsprechendem Zubehör bereitgestellt. Es ist angedacht, dass die zehn Titmaringhäuser Straßenzüge gegeneinander antreten. Gern können auch andere Viererteams teilnehmen. An allen Tagen ist auch für das leibliche Wohl gesorgt.

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