Krankenhaus

Winterberg: Insolvente Klinik verliert ärztlichen Direktor

Dr. Christoph Konermann, Chefarzt Chirurgie am St. Franziskus-Hospital, gilt als absolute Koryphäe auf seinem Fachgebiet. Jetzt verlässt er das Krankenhaus Winterberg.

Dr. Christoph Konermann, Chefarzt Chirurgie am St. Franziskus-Hospital, gilt als absolute Koryphäe auf seinem Fachgebiet. Jetzt verlässt er das Krankenhaus Winterberg.

Foto: Krankenhaus

Winterberg.  Im November stellte das Krankenhaus Winterberg einen Insolvenzantrag, jetzt geht der ärztliche Direktor. Es soll kein Zusammenhang bestehen.

Es ist ein harter Schlag in einer schwierigen Zeit: Das Krankenhaus Winterberg verliert seinen Ärztlichen Direktor und Chefarzt der Chirurgie, Dr. Christoph Konermann. Der renommierte Mediziner verlässt das Krankenhaus und operiert bereits jetzt nicht mehr dort.

Anfang November hatte die Geschäftsführung des Hospitals den Insolvenzantrag gestellt. Die Geschäftsführerin des Krankenhauses, Agnes Hartmann, bestätigte auf WP-Nachfrage Konermanns Abschied. Dieser verlasse das St.-Franziskus-Hospital auf eigenen Wunsch.

Mediziner bestätigt Abschied vom Winterberger Krankenhaus

Dies unterstreicht auch der Mediziner selbst. „Wobei meine Kündigung nichts mit der Insolvenz des Hauses zu tun hat“, betont er. Vielmehr habe er schon deutlich vorher ein attraktives Angebot bekommen: Das Stadtkrankenhaus Korbach wolle mit ihm an der Spitze eine neue Abteilung für Spezielle Orthopädie einrichten, die er dann noch einige Jahre, „so lange es die Gesundheit zulässt“, führen wolle.

Das Krankenhaus Korbach konnte das auf WP-Anfrage gestern aufgrund der Abwesenheit aller Auskunftsberechtigten noch nicht bestätigen. In Korbach werde er, so Konermann, nur noch ausgewählte Operationen durchführen, aber beispielsweise keine Nacht- und Notdienste mehr übernehmen müssen.

Arbeitszeiten in Korbach seien attraktiver

Auch das sei für einen Arzt seines Alters – Konermann ist 65 Jahre alt – attraktiv. „Meine Entscheidung zum Wechsel nach Korbach stand fest, bevor die Insolvenz in Winterberg bekannt wurde. Und ich hätte sie auch getroffen, wenn ich vorab davon gewusst hätte“, betont der Mediziner.

Vermutlich sehr wohl mit der Insolvenz zu tun hat der Termin, zu dem Konermanns Arbeitsvertrag enden wird. Denn er kündigte zweimal: erstmals am 13. November mit der Frist, die ihm seines Erachtens während des Insolvenzverfahrens zustand. Laut Gesetz stehen in einem solchen Fall beiden Seiten Kündigungsfristen von drei Monaten zu.

Krankenhaus akzeptierte Kündigung nicht

Doch diese Kündigung habe das Krankenhaus nicht akzeptiert – mit dem Hinweis, man befinde sich noch nicht im eigentlichen Verfahren, sondern erst in der Phase der Vorinsolvenz. Daraufhin habe er am 28. November ein zweites Mal gekündigt, diesmal „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“. Noch am selben Tag habe der Sanierungsexperte ihn dann mit sofortiger Wirkung freigestellt. Er habe seine Arbeit einstellen, alle Schlüssel abgeben und seine Sachen packen müssen. Außerdem sei er angewiesen worden, das St. Franziskus nur noch nach Rücksprache wieder zu betreten – ein Rauswurf in aller Form.

Konermann war seit fast siebeneinhalb Jahren am Krankenhaus Winterberg tätig und gilt als ausgewiesener Experte für moderne Verfahren beim Einsetzen künstlicher Hüft- und Kniegelenke.

Nachfolger angeblich schon fast sicher

Warum das Krankenhaus so harte Maßnahmen gegen eines seiner wichtigsten Patienten-Zugpferde ergriffen hat, das ansonsten zumindest noch einige Monate lang im Dienst geblieben wäre, diese Frage stellte die WP am Freitag auch der Führungsebene des St. Franziskus.

Geschäftsführerin Agnes Hartmann verweist für alle näheren Informationen auf den Sanierungsexperten Dr. Christoph Niering. Dieser bestätigt die Freistellung des Arztes. Auf die Gründe geht er nicht ein, auch nicht darauf, ob Konermann ein Fehlverhalten vorgeworfen wird. „Es ist so, dass Veränderungsprozesse sich in einem Insolvenzverfahren oft beschleunigen.“ Die Insolvenz sei „nicht Grund, aber Anlass, sich früher als notwendig Gedanken um eine Nachfolge zu machen“, die im Hinblick auf das Alter des Chefarztes ohnehin angestanden habe. Er sei sich außerdem fast sicher, bereits in der kommenden Woche einen Nachfolger präsentieren zu können.

Patienten begleiten Konermann nach Korbach

Rund 2000 Endoprothesen, schätzt Konermann, habe er in seiner Zeit in Winterberg eingesetzt. Auch für die Monate, in denen er – ohne die Freistellung – eigentlich noch dort operiert hätte, sind zahlreiche solcher Eingriffe geplant, etwa drei pro Tag. Diese werden nun von den (bisherigen) Oberärzten übernommen; einige Patienten sollen nach WP-Informationen aber auch bereits abgesprungen sein.

Niedergelassene Ärzte sollen mitreden können

„Mehr als 20 Teilnehmer trafen sich kürzlich zu einem Gedankenaustausch über die aktuelle Situation der Gesundheitsversorgung in Winterberg, Medebach und Hallenberg im Hotel Engemann Kurve“, meldet das Hospital. Und weiter: „An dem Treffen nahmen alle niedergelassenen Ärzte der Region teil und bekräftigten den Wunsch zum Erhalt des Winterberger Krankenhauses.“

Ziel solle es sein, das Hospital konzeptionell neu zu überdenken. In diese Überlegungen sollten die niedergelassenen Ärzte eng eingebunden werden. Daher sei für den kommenden Monat ein weiteres Treffen zwischen niedergelassenen Ärzten und Vertretern des Winterberger Krankenhauses angedacht.

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