Haushalt 2020

Winterberg macht sich schuldenfrei

Durch die Rückzahlung aller Kassenkredite bis Ende 2019 eröffnet sich Winterberg neuen Handlungsspielraum.

Durch die Rückzahlung aller Kassenkredite bis Ende 2019 eröffnet sich Winterberg neuen Handlungsspielraum.

Foto: Oliver Berg

Winterberg.  Die ungeliebten Kassenkredite sind bedient. Dadurch spart die Stadt viel Geld. Nicht nur deshalb rechnet sie mit einem guten Ergebnis für 2020.

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Unzählige Amtskollegen in NRW und anderswo wären am Freitag Abend (6.12.) sicher gern an der Stelle von Winterbergs Bürgermeister Werner Eickler gewesen. Der durfte in der letzten Ratssitzung 2019 nämlich verkünden: „Wir sind schuldenfrei.“ Und nicht nur das: „Der Haushaltsentwurf 2020 schließt mit einem Plus ab.“

Prognose 2020

Positive Jahresergebnisse gibt es regelmäßig seit 2017 – zum Beispiel 2018, das statt mit einem geplanten Defizit mit 1,1 Millionen Euro Überschuss endete. Die wanderten in die Ausgleichsrücklage. Dort sind jetzt wieder 1,3 Millionen Euro drin, die nächstes Jahr noch einmal um gut 140.000 Euro wachsen sollen. So hoch ist der erwartete Überschuss, der sich natürlich im Jahresverlauf ändern kann.

Einnahmen von 36,47 Millionen Euro stehen nächstes Jahr Ausgaben von 36,33 Millionen Euro gegenüber. Die dicksten Haben-Posten sind 7,1 Mio. Gewerbesteuer, die höchsten Aufwendungen die Kreis- und Jugendamtsumlage mit zusammen 9,9 Millionen Euro.

Schulden

Anders als positive Jahresergebnisse, die es seit 2017 durchgängig gibt, ist das mit der Schuldenfreiheit seit langer Zeit zum ersten Mal der Fall. Besonders erleichternd wirkt sich der Abbau bei den Kassenkrediten aus – diese kurzfristigen Kredite bergen ein hohes Risiko, sollten die Zinsen eines Tages wieder steigen.

Ende 2015 saß Winterberg noch auf 6,9 Millionen solcher Kassenkredite, zum Jahresende 2019 werden sie wohl bei Null liegen. Damit hat die Stadt ihr ursprüngliches Ziel, die Last bis 2020 zu halbieren, deutlich übererfüllt.

Dadurch und durch Umschuldungen bei langfristigen Krediten spart sie rund 400.000 Euro jährlich allein an Zinsen. Das erhöht ihren Handlungsspielraum: Weil Überschüsse steigen und die Kassenkredite nicht mehr bedient werden müssen, will Winterberg bis 2023 auch keine investiven Schulden mehr machen, seine Investitionen also aus eigener Kraft stemmen.

Investitionen

Wofür – neben den Pflichtaufgaben – Geld ausgegeben werden soll, dafür hat die Stadt sogenannte strategische Zielvorgaben: Kinder, Schule und Bildung (geplante Mittel 2020: 3,2 Mio. Euro), ehrenamtliches/bürgerschaftliches Engagement (0,48 Mio.), Feuerschutz (1,2 Millionen), Tourismus, Wirtschaft, Sport, Kultur (0,74 Millionen), Wohn-, Freizeit- und Lebensbedingungen (5 Millionen).

„Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals eine so gute Finanzsituation mit positiven Zukunftsperspektiven hatten“, schloss Eickler. Das liege an der guten Wirtschaftslage und daran, dass die Stadt mit ihrem Haushaltskonsolidierungspaket von 2015 ihre „finanzpolitischen Hausaufgaben gemacht“ habe.

Ein paar schlechte Nachrichten gab es aber auch: Vom städtischen Forstbetrieb, der bis 2018 jährlich eine halbe Million Euro in die Stadtkasse spülte, kam 2019 weniger als die Hälfte und 2020 kommt wohl gar nichts. Zu groß sind die Schäden durch Hitze, Dürre und Borkenkäfer. Auch die Umlagen für Kreis und Kreisjugendamt steigen weiter.

Dass Bund und Land weiterhin die Städte mit hohen Kosten für die Versorgung und Unterbringung von Flüchtlingen allein lassen, kritisierte Kämmerer Bastian Östreich wie schon in den Vorjahren besonders scharf.

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