Umwelt- und Naturschutz

Workcamp im Sauerland verbindet 10 Nationen

15 Jugendliche aus zehn Nationen verbringen derzeit ein Jugend-Workcamp im Raum Winterberg, Medebach und Hallenberg.

15 Jugendliche aus zehn Nationen verbringen derzeit ein Jugend-Workcamp im Raum Winterberg, Medebach und Hallenberg.

Foto: Claudia Pape

Küstelberg/Deifeld.  15 Jugendliche aus 10 Nationen packen derzeit im Raum Winterberg, Medebach und Hallenberg im Dienst von Umwelt- und Naturschutz kräftig an.

Die Welt zu Gast im Sauerland: Was haben der Kölner Dom und das Deifelder Schützenfest gemeinsam? Beide bekamen Besuch von 15 Jugendlichen aus zehn Nationen, die momentan in der Küstelberger Schützenhalle ein internationales Jugend-Workcamp eingerichtet haben. Sie sind für drei Wochen zu Besuch in Medebach, Hallenberg sowie Winterberg und arbeiten ehrenamtlich in verschiedensten Projekten zum Thema Umwelt- und Naturschutz.

Die Folgen des Klimawandels stellen mit ihren Hitzewellen, Trockenheit und Stürmen in jüngerer Zeit eine reale Gefahr für unseren Wald im Sauerland dar.

Der dadurch entstehende vermehrte Schädlingsbefall und auch verlangsamter Wuchs sind Herausforderungen, auf die Förster und auch private Waldbesitzer umgehend reagieren müssen, denn der Klimawandel bedroht die gesamte komplexe Biodiversität unseres Lebensraumes und Ökosystems Wald.

Das LEADER-Projekt wird durch die Stadt Medebach als Träger unter Beteiligung von Wald und Holz NRW, Naturpark Sauerland Rothaargebirge, Rothaarsteigverein, Verkehrsverein Düdinghausen sowie der Naturparkschule Hallenberg durchgeführt.

Internationale kulinarische Genüsse kennenlernen

Im Vordergrund steht natürlich nicht nur die Arbeit, sondern vor allen Dingen auch das Kennenlernen anderer Länder und Kulturen. So haben zum Beispiel jeweils zwei Camp-Teilnehmer abwechselnd Küchendienst und verwöhnen ihre Kollegen nach der anstrengenden Arbeit mit ihren landestypischen Gerichten.

Die Jugendlichen aus der Türkei, Serbien, Litauen, Spanien, Italien, Deutschland, Schweden, Frankreich und sogar Mexiko und Hongkong sind zwischen 16 und 23 Jahren alt und zum Teil zum ersten Mal in einem fremden Land. Manche sind aber auch „Wiederholungstäter“. Vom Sauerland hatten sie bis jetzt alle noch nichts gehört, fühlen sich aber sehr wohl hier.

Behindertengerechter Schul- und Museumsgarten

Nach einem ersten Kennenlernen ging es auch sofort los. Garten- und Landschaftsgärtnerin Bettina Gräf, die das Projekt Pastorengarten in Düdinghausen in der ersten Woche ehrenamtlich begleitete, ist begeistert vom Einsatz der Jugendlichen. Aufgabe in Düdinghausen war es, den alten Bauerngarten von Willi Lichte hinter der Dreggestobe in einen behindertengerechten Schul- und Museumsgarten zu verwandeln.

Nach nur drei Tagen ist viel passiert: Ein neues Insektenhotel, zwei Hochbeete und ein Kompost wurden errichtet. Nicht zu vergessen die barrierefreien Wege, die nun auch für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen kein Problem mehr darstellen. Sie wurden mit viel Muskelkraft und der Unterstützung einiger Dorfbewohner angelegt. Allein dafür mussten die Wege zunächst verbreitert sowie ausgekoffert werden. Danach galt es 12 Kubikmeter Splitt mit der Hand zu verteilen und zu verdichten. Bei dem abschüssigen Gelände durchaus eine Herausforderung, denn der Besuch im Garten soll für die Besucher auf Rädern ja nicht unfreiwillig im Kompost enden.

Lernen fürs Leben: So öffnet man eine Flasche mit dem Zollstock

Die Jugendlichen betonten, das sie beim Errichten des Museumsgarten abends stolz auf ihr Tageswerk gewesen seien und auch viel gelernt hätten, wie zum Beispiel das Fixieren von Seilen ohne Knoten bei der Gartenplanung, Wissenswertes über die Photosynthese und im Sauerland nicht weniger wichtig: Das Öffnen einer Flasche mit einem Zollstock, wenn kein Öffner zur Hand ist.

Nach dem Gartenprojekt in Düdinghausen stand das Entkusseln der Heide am Kahlen Asten auf dem Programm. Unter Entkusseln versteht man die Beseitigung junger Gehölze, sogenannter Kusseln, von Heideflächen. Diese Arbeit übernahmen früher die Tiere, die zur Mast auf die Heide geschickt wurden, heute jedoch immer seltener werden und deshalb das Abfressen unerwünschten Gehölze nicht mehr schaffen. Die Camp-Teilnehmer erklärten, dass diese Arbeit nicht zu unterschätzen sei.

Kampf gegen den Borkenkäfer

Es sei sehr heiß in dem freien Gelände gewesen und die Heide hätte ihre Beine ziemlich zerkratzt. Außerdem unterstützen die Jugendlichen die Sauerländer im Kampf gegen den Borkenkäfer, der sich seit letztem Jahr so stark wie in den letzten Jahrzehnten nicht mehr vermehrt hat. Sie packten befallene Bäume und Totholz in Plastikfolie ein, um ein Abwandern lebender Käfer zu verhindern und verbliebene Käfer absterben zu lassen.

Bis zum 20. Juli stehen noch viele Naturschutzmaßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel wie die Pflege von Wanderwegen und ein weiteres Insektenhotel in der Naturparkschule Hallenberg auf dem Programm. Das Wandermobiliar am Rothaarsteig wird gepflegt und Wasserbiotope im Elpetal gebaut. Außerdem sollen Ansitzböcke und Hordengatter am Forsthaus Kaltenscheidt errichtet werden.

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