Freilichtbühnenpremiere

Zwei Schwestern gehen sich in Hallenberg an den Hals

Das sind „Kohlhiesels Töchter“: Franziska Mause und Vanessa Ante spielen die ungleichen Schwestern.

Das sind „Kohlhiesels Töchter“: Franziska Mause und Vanessa Ante spielen die ungleichen Schwestern.

Foto: Rita Maurer

Hallenberg.  Eine Welturaufführung haben die Hallenberger vor sich. Am Sonntag feiern „Kohlhiesels Töchter“ als Musical Premiere auf der Freilichtbühne.

Im wirklichen Leben verstehen sie sich sehr gut. Beide musizieren in der Stadtkapelle Hallenberg und wohnen sogar im selben Haus. Auf der Freilichtbühne aber verwandeln sie sich in zwei Schwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Die eine spielt ein kratzbürstiges Mannweib, die andere eine einfältige Schönheit. Beide sind sie „Kohlhiesels Töchter“: Vanessa Ante und Franziska Mause freuen sich riesig darauf, dass am Sonntag endlich Premiere auf der Freilichtbühne ist.

Freilichtbühne Hallenberg spielt eine Welturaufführung

"Kohlhiesels Töchter" als Theaterstück kennt jeder - aber als Musical gab's das noch nicht. Die Bühne fühlt sich geehrt, dieses Neufassung erstmals überhaupt spielen zu dürfen.
Freilichtbühne Hallenberg spielt eine Welturaufführung

Für Franziska (23), die im vergangenen Jahr als Eliza Doolittle in „My fair Lady“ das Publikum begeisterte, ist es die zweite große Partie. „Ich hatte anfangs etwas Schwierigkeiten, mich in die Rolle einer naiven Blondine zu versetzen, die Männer aufreißt. Das bin ich nicht. Aber Regisseur Flo Hinxlage hat mir erklärt, dass ich mich nach jeder Szene wieder erden und ich selbst sein kann. Das funktioniert“, sagt Franzi. Die Logopädin mit ausgesprochenem Gesangstalent spielt die jüngste Tochter Gretl, die erst dann heiraten darf, wenn ihre ältere Schwester Liesl unter der Haube ist. Aber sie an den Mann zu bringen, ist gar nicht mal einfach. Denn sie hat es nicht so mit dem Feingefühl und den optischen Reizen. Was ein blauer Kittel und wenig Frisur so alles ausmachen können…

Tratsch im Treppenhaus

„Beim Casting habe ich wie Franzi für beide Rollen vorgesprochen und –gesungen. Aber vom Naturell her liegt mir diese Figur eher. Ich bin nicht auf den Mund gefallen und bleibe niemandem eine Antwort schuldig“, schmunzelt Vanessa Ante (29). Die Projektmanagerin bei Viessmann schlüpft in dem Stück in die Hauptrolle des derben Bauerntrampels, der sich zum Schluss doch noch – aber das wird noch nicht verraten.

Sie gesteht ein, dass der Druck vor der Premiere nicht ohne ist. „Vom Verlag in Berlin werden Vertreter da sein, man weiß nicht, wie das Stück beim Publikum ankommt, alle Lieder sind neu – und so eine Uraufführung will man ja auch besonders gut hinbekommen.“ Aber Bangemachen gilt nicht. Und wer als „Pippi Langstrumpf“ 2004 die Bühne gerockt hat, der macht sich vor der Kittelschürzen-Liesl nicht verrückt.

„Bei ,My fair Lady‘ konnte wir die Lieder schon beim Lesen der Texte mitsingen. ,Es grün so grün` ist mir geradezu in den Kopf geschossen. Aber hier musste man sich sehr viel erarbeiten“, sagt Franzi Mause. Neben dem bis zu vierstimmigen Gesang wird den Akteuren auch choreographisch einiges abverlangt. „Das Tempo variiert bei den einzelnen Stücken; man muss sich schon konzentrieren“, sagt Franziska Mause. Sie darf als hübsche Blondine gleich in fünf verschiedenen Outfits auftreten, die sie in Absprache mit dem Regisseur selbst aussuchen durfte. „Mir war es wichtig, dass ich mich wohl fühle. Das Spielen auf der Bühne mit meinen Mitspielern gibt mir unheimlich viel – und gegenseitig versuchen wir, uns Sicherheit zu vermitteln.“

Arbeit und Hobby verbinden

Alle Akteure brennen neben ihrem normalen Beruf für die Arbeit auf der Bühne. Nach der Schicht oder nach dem Büro geht es oft nur kurz für ein Butterbrot nach Hause und dann wieder bis spät abends zur Probe. Bis zuletzt feilt und ändert der Regisseur an dem Stück. „Franzi und ich üben oft noch zu Hause und machen Tratsch im Treppenhaus“, verrät Vanessa Ante. Aber nach jeder Probe brauche sie auch eine Stunde Zeit bis zum Einschlafen. „Da schwirren einem noch so viele Sachen im Kopf herum.“ Gewöhnungsbedürftig sei die Phase nach der Premiere: „Dann hat man mit Ausnahme der Spieltermine jede Menge Zeit. Und dann merkt man erst, wie sinnvoll man sie hier oben auf der Bühne bei den Proben verbracht hat.“

Mannsbilder dürfen nicht fehlen

Ein Musical um zwei Töchter im heiratsfähigen Alter wäre natürlich nichts ohne die entsprechenden Mannsbilder. Ein Wiedersehen gibt es daher mit dem fantastischen Professor Higgins aus dem vergangenen Jahr: Thomas Knecht schlüpft in die männliche Hauptrolle des von sich überzeugten Naturburschen Xaver, der es auf die vermeintlich hübschere Schwester abgesehen hat und zu einer List greift: „Es ist anders anstrengend. Und der Sympathieträger bin ich in der Rolle vermutlich auch nicht. Aber die Zuschauer wissen das zu bewerten und beim Schlussapplaus zu unterscheiden“, ist sich Thomas Knecht sicher. Selbst als garstigen Sprach-Professor hatte ihn das Publikum gefeiert.

Wer die Verfilmung mit Liselotte Pulver kennt, wird sich schnell in der Handlung zurecht finden. Neu ist die Musik – die wirklich schnell ins Ohr und in die Füße geht. Aber davon und dem ungeheuren Tempo der Inszenierung sollte man sich selbst überzeugen...

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