Lesungen

Arnsberg: Sabine Trost hat Erfolg mit ihrer Lesungs-Reihe

Vorleserin Sabine Trost

Vorleserin Sabine Trost

Foto: Wolfgang Becker

Arnsberg.   Die „Lesungen an ungewöhnlichen Orten“ wie in einem Weinkeller, einem Event-Lokal oder in einem Kloster locken viele Menschen an.

Sie hat sich zu Arnsbergs Vorleserin schlechthin entwickelt und großen Anteil an der Etablierung des kulturelles Angebots „Lesungen“ vor Ort: Sabine Trost. Seit dem Start ihrer Reihe „Lesungen an ungewohnten Orten“ im November 2010 haben rund 1300 Erwachsene - darunter sehr viele WiederholungstäterInnen - diese Angebote wahrgenommen.

So unterschiedlich wie die ausgewählte Literatur sind auch die Orte, an denen Sabine Trost liest - vom Weinkeller über die Disco bis hin zum Kloster Rumbeck.

Sehr stark nachgefragt waren auch die Kinderlesungen wie die mehrfach ausgebuchten „Geschichten gegen das Vergessen“, „Nachts im Museum“ in Kooperation mit dem Sauerland-Museum oder zum Gero-Codex und „Galileo Sternenbote“.

Doch die Kinderlesungen musste Sabine Trost nach zwei Jahren zum Bedauern ihrer Fangemeinde mit dem Wiedereinstieg in die Vollzeit-Arbeit einstellen - weil ihr Lesungs-Termine am Nachmittag nicht mehr möglich waren.

Lesungen stoßen auch in Arnsberg auf großes Interesse. Worauf führen Sie das zurück?

Meine Vorlesungen treffen auf ein interessiertes Publikum. Es handelt sich um eine Art der Unterhaltung, die sich an Literatur anlehnt und in der Kombination mit den ungewöhnlichen Lesungs-Orten eine spannende Mischung ergibt.

Die Texte suche ich explizit zum Ort aus und meistens vermischen sich klassische Texte mit moderner Literatur. Das Publikum mag diese Vorauswahl.

Zum Vorlesen gehört auch ein Buch. Hat dieses Medium Ihrer Ansicht nach noch eine Zukunft?

Allen Unkenrufe zum Trotz wird das Buch eine Zukunft haben. Allerdings wird es sich auch in Form von E-Readern verbreiten. Das ist eine neue Art des Lesens, aber Hauptsache ist doch: Es wird gelesen.

Liest Ihr Lese-Publikum auch selbst oder reicht ihm das bloße Zuhören?

Mein Lese-Publikum liest größtenteils selbst und ich habe auch schon sehr gute Tipps für meine Lesungen aus dem Publikum erhalten. Zuhören schafft allerdings auch ein besonderes Literaturerlebnis.

Welche Themen werden besonders angenommen? Welche Leseorte?

Die Briefe meines Großvaters nach seiner Flucht aus seiner ehemals ostdeutschen Heimat finden als Thema und einmaliges Dokument der Zeitgeschichte großen Anklang bei den Zuhörerinnen und Zuhörern. Und regen im Nachhinein zu interessanten Gesprächen an.

Der Weinkeller von Antonio und der Klosterkeller in Rumbeck werden als Leseorte sehr gut angenommen. Aber auch der Landgasthof Hoffmann, „Herr Nilsson“ im Brückencenter und die anderen Orte, an denen niemand mit Büchern rechnet. Wer eine Idee hat, wo ich noch vorlesen kann: Ich bin für Anregungen offen.

Gehört damit ein spannendes, die Fantasie anregendes Umfeld zwingend dazu?

Da meine Lesungen unter dem Motto „Lesungen an ungewöhnlichen Orten“ stehen, gehört das Umfeld ganz klar dazu. Aber vorlesen kann man überall - und die Geschichten regen die Fantasie an.

Als Arnsbergerin finde ich es positiv, die Menschen an Orte zu locken, an denen niemand mit Büchern rechnet und die man teilweise auch nur in dieser Kombination besuchen kann.

Sie haben in der früheren Theodor-Heuss-Schule die Bibliothek aufgebaut. Hat es bei den Schülern etwas bewirkt?

Die Schulbibliothek war in den Pausen ein Ort der Begegnung, an dem sich die Schüler aufhalten konnten und sich allein oder zu mehreren mit Büchern beschäftigt haben. Es fanden Gespräche über die gelesenen Texte statt und so habe ich das Interesse an Büchern wecken können.

Der zusätzliche Unterricht im „Lesen“ war zudem ein fester Bestandteil des Stundenplans. Mir wurde von den Lehrerinnen und Lehrern bestätigt, dass die Schüler als Folge umfangreichere Bücher gelesen haben. Durch meine Qualifikation Literaturpädagogik konnte ich die Literatur anders vermitteln.

Sehen Sie in den Schulen da noch Nachholbedarf?

Ja, ich sehe großen Nachholbedarf in Schulen. Die gezielte Förderung von Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler kommt meines Erachtens zeitlich im Unterricht zu kurz und bedarf einer sehr individuellen Einschätzung der Fähigkeiten der Schülerin, des Schülers.

Der Einbau einer Lesestunde im Stundenplan oder anderer Möglichkeiten, den Schülern Bücher zu präsentieren, empfinde ich als Chance, das Spektrum der Schule zu erweitern.

Wie sind Sie selbst zum Lesen und Vorlesen gekommen?

Meine Mutter hat mir „Emil und die Detektive“ vorgelesen. Und weil es so spannend war, habe ich selbst weiter gelesen. Später habe ich alles konsumiert, was die Bücherei und die Bücherregale hergaben.

Meinen Söhnen habe ich sehr früh ganze Bücher vorgelesen und sie haben auch schon als Testzuhörer für meine Lesungen fungiert. Bei meiner Arbeit in den Schulen habe ich im Rahmen des Ganztages Vorlesestunden gegeben.

Woher nehmen Sie ihre Ideen?

Meine Leidenschaft für Literatur hört nicht beim eigenen Lesen auf. Die positive Resonanz beim Publikum lässt mich immer wieder über neue Lesungen grübeln. Manchmal lese oder höre ich Texte und weiß genau, dass ich diesen Text in eine Lesung einbauen werde.

Wie sieht überhaupt die Vorbereitung auf eine Lesung aus?

Bereits lange vor dem Termin suche ich nach passenden Texten. Sie müssen gut vorlesbar sein, thematisch zum Ort der Lesung passen, mir vom Stil her gefallen und meinen Ansprüchen genügen. Dann wird mit Stoppuhr laut gelesen und jeder Text vorab einige Male laut eingeübt und markiert. Manchmal ist das ein langwieriger Prozess.


Haben Sie beim Start vor neun Jahren gedacht, dass sich Ihre Lesungen in Arnsberg etablieren?

Nein, ich habe nur gehofft, dass ich die erste Lesung überstehe. Ich war so nervös und habe mich monatelang vorbereitet. Natürlich freue ich mich sehr darüber, dass es inzwischen fast neun Jahre lang läuft. Für meine treuen Zuhörer werde ich daher weiterhin wunderbare Texte suchen und sie vorlesen.

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