Waldforum Arnsberg

Arnsberger Waldforum sucht Lösungen für den Wald der Zukunft

Noch immer sind zahlreiche Fichten im Sauerland von Borkenkäfern befallen. Dr. Bertram Leder, kommissarischer Leiter des Lehr- und Versuchsforstamts Arnsberger Wald, meint: „Der Wald steht still und leidet.“

Noch immer sind zahlreiche Fichten im Sauerland von Borkenkäfern befallen. Dr. Bertram Leder, kommissarischer Leiter des Lehr- und Versuchsforstamts Arnsberger Wald, meint: „Der Wald steht still und leidet.“

Foto: Katrin Clemens / WP

Arnsberg.  Das Arnsberger Waldforum (14./15. November) setzt sich unter dem Motto „Wald der Zukunft“ vor allem mit Baumbestand im Klimawandel auseinander.

Erinnern Sie sich noch? Wegen der Borkenkäferplage musste das traditionelle Arnsberger Waldforum im vergangenen Jahr kurzfristig abgesagt werden. Der Zustand des heimischen Waldes hat sich seither leider nicht verbessert: „Der Wald im Sauerland steht still und leidet“, erklärt Dr. Bertram Leder.

Die 2018 ausgefallene „Jubiläumsausgabe“ des Waldforums wird, Stand heute, jedoch stattfinden: Am 14. November begrüßt Dr. Leder, Leiter (komm.) des Lehr- und Versuchsforstamtes Arnsberger Wald, die Teilnehmer der 10. Veranstaltung im Forstlichen Bildungszentrum für Waldarbeit und Forsttechnik in Neheim. Das Forum setzt sich an zwei Tagen unter dem Motto „Wald der Zukunft“ mit dem Forst im Zeichen des Klimawandels auseinander (siehe Infokasten).

Wald der Zukunft ist ein ebenso spannendes wie aktuelles Thema, denn wie anfangs erwähnt: Der Wald im Sauerland steht still und leidet. „Wenn er denn noch steht“, sagt Bertram Leder. Die heftigen Herbst- und Winterstürme Anfang 2018 hätten mancherorts hektarweise Bäume wie Streichhölzer umknicken lassen oder entwurzelt, blickt der Fachmann zurück. Und seit Frühjahr 2018 verwandele die warme, trockene Witterung Wälder in ein Schlaraffenland für Borkenkäfer.

Klimawandel kein Zukunftsszenario

„Der Klimawandel ist kein fernes Zukunftsszenario, er ist aktuell“, stellt Dr. Leder fest. Seine Auswirkungen seien besonders bei der im Sauerland weit verbreiteten Fichte sichtbar: Fichten bevorzugen kühle, feuchte Standorte und sind somit wenig trockenheits- und hitzetolerant. Zunehmende sommerliche Temperaturen und Trockenheit schränken diese Art in ihrem Wachstum und ihrer Vitalität stark ein, bringen sie letztendlich zum Absterben. „Aber nicht nur unsere Fichten, auch Buchen, Eschen, Ahorn und Kiefer leiden“, sagt der Forstmann. Waldbesitzer seien zu raschem Handeln gezwungen.

Ein geeignetes Mittel, um Wälder auf die neuen Herausforderungen durch den Klimawandel vorzubereiten, sei ein frühzeitiger, klimagerechter Waldumbau unter Beteiligung klimatoleranter Mischbaumarten. „Wälder mit einem Baumarten-Mix tragen zur gewünschten Strukturvielfalt der Wälder bei, sind nicht so anfällig wie Reinbestände“, erklärt Bertram Leder. Dabei müsse die Klimaanpassung der Wälder nicht unbedingt über neue, fremdländische Baumarten wie Douglasie, Weißtanne, Küstentanne, Edelkastanie oder Roteiche, bewerkstelligt werden: Auch innerhalb der heimischen Baumarten gibt es große genetische Unterschiede zwischen lokalen Varietäten und sogar zwischen Individuen. „Diese Eigenschaften wollen wir bei der Wiederbewaldung der Kalamitätsflächen im Sauerland verstärkt ausnutzen“, so Dr. Leder.

Das Waldforum taucht tief in diese Thematik ein: „Kann der Wald dem Klimawandel überhaupt noch standhalten? Welche Bäume können steigenden Temperaturen und Trockenheit, heftigen Stürmen sowie neuen Schädlingen und Krankheiten trotzen? Gibt es eine genetische Anpassung von Waldbäumen im Klimawandel?“ Fachvorträge und Diskussionen bieten Lösungsansätze.

Wie sieht ein „Wald der Zukunft“ aus

„Heute müssen waldbauliche Entscheidungen getroffen werden, die auch in einem sich ändernden Klima passend sind. Und jeder weiß: Bäume wachsen langsam und können je nach Baumart erst nach 60 bis 120 Jahren geerntet werden“, so Bertram Leder. Wie ein „Wald der Zukunft“ aussehen könnte, zeigt eine am 15. November geplante Exkursion in das vor ca. 60 Jahren gegründete „Arboretum Burgholz“ bei Wuppertal. Den Exkursionsteilnehmern werden dort anhand verschiedener Waldbilder Chancen und Risiken eingeführter Baumarten vor Augen geführt. Apropos Teilnehmer – wer kann eigentlich beim Forum dabei sein, nur Fachleute, oder ist auch „Otto-Normal-Waldliebhaber“ willkommen?

„Gerichtet sind die Vorträge und Diskussionen an unterschiedlichste Institutionen, kommunale und private Waldbesitzer, Unternehmer sowie verschiedene Landesbehörden“, führt Dr. Leder aus – und ergänzt: „Alle, die sich für den heimischen Wald näher interessieren, sind ebenfalls herzlich willkommen.“

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