Volkstrauertag

Auf Eichholzfriedhof wird an Opfer der Kriege erinnert

Fahnenabordnungen der Vereine und Verbände bei der Gedenkstunde auf dem Arnsberger Eichholzfriedhof.

Fahnenabordnungen der Vereine und Verbände bei der Gedenkstunde auf dem Arnsberger Eichholzfriedhof.

Foto: Wolfgang Becker

Arnsberg.  Bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag erinnerten Schülerinnen auf dem Eichholzfriedhof an schlimme Familienschicksale.

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An die Opfer von Kriegen, Terror, Verfolgung und Diktatur ist am Sonntag beim Volkstrauertag bundesweit in Gottesdiensten und bei Gedenkfeiern erinnert worden. Auch in der Stadt Arnsberg fanden sich zahlreiche Menschen auf den Friedhöfen ein, um in feierlichem Rahmen die Toten zu ehren und gegen radikales Gedankengut, egal aus welcher Richtung, Flagge zu zeigen.

Heimatbund-Vorsitzender Werner Bühner begrüßte auf dem Eichholzfriedhof neben vielen Bürgern auch die Abordnungen der Arnsberger Vereine und Verbände sowie die Schülerinnen Laura, Alina, Karina und Hannah der Sekundarschule am Eichholz, die Texte einer ergreifenden Familiengeschichte vortrugen. Denn hinter den vielen Millionen Opfern durch Kriege und Gewaltherrschaft stehen ebenso viele Schicksale von Familien und Einzelpersonen, deren Leben sich durch diese Ereignisse zum Teil dramatisch veränderte.

Bericht eines Soldaten: „Die Soldaten haben den Krieg bis oben hin satt“

So erzählten Schülerinnen die Geschichte von Oskar, einem 1888 in Ostpreußen geborenen Jungen, der sich mit 20 Jahren freiwillig zu den Königsjägern meldete „weil es dort schicke Uniformen und erstklassige Pferde gibt“. Gleich zu Beginn des Ersten Weltkrieges erhält Oskar den Stellungsbefehl und nimmt sowohl an der Schlacht von Tannenberg im August 1914 als auch an der Winterschlacht in Masuren im Februar 1915 teil. „Die Soldaten haben den Krieg bis oben hin satt. Viele Massengräber, ein Menschenleben ist nichts“, erinnert sich Oskar später.

Nach dem Krieg kehrt er in sein Dorf zurück und heiratet seine Jugendliebe Luzie und wird Vater von sieben Jungen und fünf Mädchen. Der Zweite Weltkrieg tobt schon über ein Jahr, da wird im Oktober 1940 Sohn Arnold einberufen und kehrt Ende 1943 schwer verwundet zurück. 1941 werden die Söhne Erich, Hans und Gerd eingezogen, Erich stirbt 1944 in russischer Kriegsgefangenschaft, Hans kehrt erst im Sommer 1948 aus französischer Gefangenschaft zurück, Gerd wird kurz nach Kriegsende in Polen erschossen. Hubert ist gerade 15 Jahre alt, als er 1944 seinen Stellungsbefehl erhält.

Ende Januar 1945 bekommt die Bevölkerung Ostpreußens den Fluchtbefehl, aber Luzie und Oskar wollen bleiben und auf ihre Söhne warten. Als russische Soldaten sich an seiner Frau und den Töchtern vergreifen wollen, bietet Oskar ihnen zum Tausch sein letztes Pferd an, aber es hilft ihm nicht. Er wird mitgenommen und stirbt 42 Tage später in der Nähe von Stalingrad.

Die zweite Geschichte erzählt von Mohammed, der Schüler aus Syrien erlebt einen Bombenangriff auf die Stadt Aleppo, die Familie wird später getrennt und flüchtet über das Mittelmeer nach Europa.

Nach diesen bewegenden Ausführungen legten die Abordnungen der Bezirksregierung Arnsberg und der Stadt Arnsberg, vertreten durch stellvertretende Bürgermeisterin Margit Hieronymus, am Ehrenmal einen Kranz nieder. Die Feierstunde wurde umrahmt vom Blasorchester der Bürgerschützengesellschaft.

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