Kneipenszene

Die Neheimer Ehrenamtskneipe „Golem“ brummt

Zum einjährigen Geburtstag im „Golem“ spielte jetzt die Hausband „Yenga“ und begeisterte ihr Publikum in der Ehrenamtskneipe.

Zum einjährigen Geburtstag im „Golem“ spielte jetzt die Hausband „Yenga“ und begeisterte ihr Publikum in der Ehrenamtskneipe.

Foto: Frank Albrecht

Neheim.  Aus einem Scherz heraus geboren, erfreut sich „Der Golem“ großer Beliebtheit und ist zu einer besonderen Stätte der Kultur geworden.

Was für ein Name! Was für ein Konzept! Seit einem Jahr gibt es jetzt in Neheim die Gaststätte „Der Golem“, die ehrenamtlich geführt wird.

In ihrem Räumen an der Langen Wende waren früher die beliebten Traditionskneipen „Pengel“, „Pichel“ und zum Schluss das „Tacheles“ zuhause. Einige Jahre standen die Räume leer, bevor sie dann von einer Idee und ihren Machern wieder zum Leben erweckt wurden. Und das mit Erfolg: Der „Golem“ feiert einjähriges Bestehen.

„Golem sollte ursprünglich mal der Name für unser selbst gebrautes Bier werden“

Es hat sich nicht viel verändert, aber eine ganze Menge getan. „Golem sollte ursprünglich mal der Name für unser selbst gebrautes Bier werden“, sagt Mitbegründer Haimo Hieronymus. Aus dem Bier sei dann nichts geworden, aber für das ehrenamtliche Kneipenprojekt in Neheim schien der Name wie gemacht.

Die Sache mit dem Bier sei aus der langjährigen Idee des „Sommergelees“ entstanden und… „Die Golem-Kneipe war wirklich ein Scherz“, so Hieronymus.

Längst schon ist aus dem Scherz Wirklichkeit geworden, denn zusammen mit Stefanie Neuhaus und Jutta Ludwig hat das Konzept Form und Farbe bekommen. Heute wird die Kneipe über einen Verein getragen. Und unter dem Namen „Der Golem – Kultur im Pengel Anton“ sind schon über 90 Mitglieder beigetreten.

Viele wollten die ehrenamtliche Arbeit unterstützen und finden die Kulturkneipe gut

„Viele wollten die ehrenamtliche Arbeit unterstützen und finden die Kulturkneipe gut“, weiß Jutta Ludwig vom Vorstand. Anfänglich ging es noch um die Gestaltung der etwas verwahrlosten Innenräume, viele Helfer und Handwerker hätten sich eingebracht – und seien beim Verein geblieben.

Heute sei schon das Programm im „Golem“ ein Grund zum Kommen, und Besucher sowie Vereinsmitglieder tragen die Arbeit des Vereins mit.

„Es ist Teil unseres Konzeptes, alle Kulturbereiche werden gleichwertig behandelt“, sagt Künstlerin Steffi Neuhaus.

Alle drei Monate neues Programm

So sind Musik, Literatur oder Kunst genau die Bereiche, die auf großes Interesse der Besucher stoßen. Und erst recht das Quiz. Alle drei Monate gibt es neues Programm, das auch in gedruckter Form vorliegt. „Wir wollen eine analoge Begegnungsstätte sein, ganz bewusst gibt´s hier kein WLAN“, so Ludwig.

Die Ehrenamtskneipe hat sich immer mehr zu einem Treffpunkt der Generationen entwickelt. Sozial- und altersübergreifend haben die Besucher hier Spaß, tauschen sich aus. „Das Konzept ist aufgegangen“, freut sich das Team. Bislang habe es 52 verschiedene Kulturveranstaltungen gegeben - trotz drei Wochen Sommerpause.

Jutta Ludwig: „Wir saßen noch nie alleine hier“

Konzept und Programm werden gut angenommen: „Wir saßen noch nie alleine hier“, so Ludwig. Gleich von Beginn an habe sich die Idee durchgesetzt, der Kultur einen Raum zu geben. Rund zehn Menschen sind dafür Woche für Woche in Aktion, um für diesen einen Freitag in der Woche etwas vorzubereiten.

Für das Quiz gibt es schöne Preise, die aus der Neheimer Geschäftswelt gestiftet werden, die Inhaber der Geschäfte sind nicht selten auch selber Gast im „Golem“. Einen guten Stand hat der „Golem“ auch in der Nachbarschaft. „Die Anwohner sind sehr geduldig, es hat noch nie Ärger gegeben“, so Hieronymus. Sicher liege das daran, dass man eine offene Kommunikation führe und alle stets eingeladen habe.

Auch Rituale spielen im „Golem“ eine große Rolle

„Der Golem“, ein Ort also, wo einfach alles passieren könne. Rituale spielen dabei auch ein Rolle. Neben der nur einmal wöchentlichen Öffnung ist es auch das Ehrenamt: Alle helfen ohne materiellen Gegenwert und das Thekenteam hört bevorzugt auf den Ruf „Saftladen“.

Apropos: Auch die Ausstattung mit Getränken ist ein Ritual. Zum Grundangebot gibt es ein wechselndes Aktionsbier, das nach Geschmack der Tester gekauft wird, Schnaps ist gänzlich tabu. „Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht, und es wird von den Besuchern einfach akzeptiert“, schildert Hieronymus.

Für 2020 ist die erste „Golem Vinyl LP“ geplant

Für 2020 hat man sich wieder Ziele gesteckt: Neben einem weiter abwechslungsreichen Kulturprogramm sei es die erste „Golem Vinyl LP“. In „Kollaboration“, wie sie selber sagen, soll es vorrangig eine Sammlung mit Elektro-Musik werden.

Dazu habe man schon Künstler aus Deutschland, England und Holland gefunden. Die Auflage sei limitiert – nur 100 Platten sollen produziert werden.

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