Riesige Anteilnahme

Dorf-Feuerwehrchef stirbt plötzlich: Holzen in tiefer Trauer

Ein „symbolischer Trauerkranz“ der Stadt Arnsberg: Der 57-jährige Holzener ist noch nicht beigesetzt, denn er wünschte sich eine Seebestattung im engsten Familien- und Freundeskreis 

Ein „symbolischer Trauerkranz“ der Stadt Arnsberg: Der 57-jährige Holzener ist noch nicht beigesetzt, denn er wünschte sich eine Seebestattung im engsten Familien- und Freundeskreis 

Foto: Wolfgang Becker

Holzen.   Andreas Schlinkmann stirbt im Alter von nur 57 Jahren. Der Leiter der Holzener Löschgruppe hinterlässt in Holzen eine große Lücke.

Ein ganzes Dorf trauert: Der plötzliche Tod von Andreas Schlinkmann, der im Alter von nur 57 Jahren auf einer Radtour mit Freunden einen plötzlichen Herztod erlitt, hat Holzen unter Schock gesetzt. Andreas Schlinkmann war beliebt und bekannt im Dorf und hat sich Jahrzehnte für die örtliche Feuerwehr engagiert, zuletzt als Löschgruppenleiter. Schlinkmann, der im Neheimer Ohl ein Geschäft für Bürobedarf leitete, war auch als Schützenbruder engagiert: 1990 wurde er Holzener Schützenkönig. Zusammen mit seiner Frau Marita wurde er 2015 als Silberkönigspaar geehrt.

Große Anteilnahme

Die große Anteilnahme an Andreas Schlinkmanns Tod wurde am Dienstagabend beim Seelenamt in der Holzener Kirche deutlich, als sich mehrere hundert Trauergäste in und vor der Kirche versammelten, denn die kleine Dorfkirche war schnell voll besetzt. So gab es für die Trauergäste, die auf dem Platz vor der Kirche verblieben, eine Tonübertragung der von Pastor Dominik Niemiec gehaltenen Messe. Zu den Gottesdienstteilnehmern gehörten neben der Familie, Freunden und der Belegschaft des Unternehmens von Schlinkmann sehr viele Feuerwehrleute aus dem gesamten Arnsberger Stadtgebiet.

Stadt-Wehrführer Bernd Löhr schätzt, dass etwa 150 bis 200 Feuerwehrkameraden nach Holzen kamen. Die Feuerwehr erwies ihrem Kameraden Schlinkmann mit Fackeln eine letzte Ehre. Der Leiter der Arnsberger Feuerwehr kannte Hauptbrandmeister Andreas Schlinkmann recht gut und schätzte seine voller Elan und Engagement betriebene Arbeit für die Feuerwehr sehr. „Andreas Schlinkmann konnte Menschen gut motivieren und für die Belange der Feuerwehr begeistern“, so Löhr. In seiner leider nur sehr kurzen Zeit als Holzener Löschgruppenleiter seit März 2019 hatte er bereits sechs neue Leute für eine Mitarbeit in der Feuerwehr gewinnen können.

Starkes Engagement

Auch die neue Holzener Kinderfeuerwehr habe Andreas Schlinkmann initiiert. Sie sei mit imposanten 21 Kindern an den Start gegangen, würdigte Löhr im Gespräch mit unserer Zeitung Schlinkmanns Arbeit. Die rund 30 aktive Mitglieder starke Holzener Löschgruppe selbst ist trotz des in jedem Moment spürbarem Fehlen ihres Chefs jetzt formal nicht führungslos, sondern wird - bis demnächst ein neuer Löschgruppenleiter ernannt wird - vom Basislöschzugführer für Holzen und Herdringen, Christian Schulte, geleitet. Unterstützt wird er von Führungskräften aus der Holzener Wehr, mit denen Schlinkmann eng zusammengearbeitet hatte.

Auch die Schützen trauern. „Andreas Schlinkmann hatte im Dorf den Spitznamen ,Andimateur’ - ein Mix aus Andi und Animateur“, erinnert sich Thomas Lepping, 1. Brudermeister der Holzener Schützen. „Andreas war ein Mann mit Tatendrang. Während andere noch über Probleme redeten, hat er schon gehandelt“, erinnert sich Thomas Lepping. Er würdigte wie Bernd Löhr den viel zu früh Verstorbenen als einen Menschen, der mit seiner Lebensfreude, seinem Tatendrang und seiner ausgesprochen guten Kommunikationsfähigkeit andere Menschen motivieren und für eine gute Sache mitreißen konnte.

Plötzlicher Tod bei Radtour

Umso größer war das Entsetzen - allen voran in seiner Familie -, als Andreas Schlinkmann plötzlich verstarb. Tiefe Trauer und viele Tränen prägten das Seelenamt, in dem auch in einem Dia-Vortrag an Lebensstationen von Andreas Schlinkmann erinnert wurde. Andreas Schlinkmann wird in Holzen unvergessen bleiben.

Unsere Zeitung berichtete noch Ende Mai über eine ganz besondere Radfahr-Aktion, zu der sich Andreas Schlinkmann zusammen mit seinen Freunden Christian Müller und José Gomes-Buco aufmachte: Die drei Holzener wollten vom Lüerdorf nach Triest radeln. Die Tour startete am 29. Mai und sollte zehn Tage später in der italienischen Hafenstadt enden. Doch noch während der Tour, am 5. Juni, ereilte den 57-jährigen Holzener in einem Quartier in der Nähe des Brenners der plötzliche Herztod. Er kam morgens nicht zum Frühstück.

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