Serie „Unsere Jahrzehnte“

Freundschaften trotz Mauer: Wie der HSK die Wende erlebte

Erster Tag im vereinten Deutschland: Die Titelseite der Westfalenpost vom 4. Oktober 1990.

Erster Tag im vereinten Deutschland: Die Titelseite der Westfalenpost vom 4. Oktober 1990.

Foto: WP Archiv

Hochsauerlandkreis.   Mit dem Mauerfall 1989 ist für DDR-Bürger der Weg in den Westen frei – Kontakte in den HSK bestehen da bereits. Zwei Perspektiven auf die Wende

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es sind historische Momente, die sich tief in das Gedächtnis der Deutschen einbrennen: Im November 1989 gerät die SED-Führung in der DDR zunehmend unter Druck. Die friedliche Bürgerbewegung bekommt immer mehr Zulauf, tausende Menschen demonstrieren für mehr Demokratie in der sozialistischen Diktatur.

Am 9. November, kurz vor 19 Uhr, verkündet Günter Schabowski, SED-Bezirksleitung Berlin, dass für die Bürger der DDR ab sofort Reisen nach Westdeutschland möglich sind. Kurz vor Mitternacht öffnen sich für die Bürger der DDR schließlich die ersten Grenzschranken – der Weg in den Westen ist frei.

Welche Kontakte pflegte das Hochsauerland zu dieser Zeit in den Osten? Zwei Blickwinkel.

Anonyme Hilfspakete

Ein bleibender Kontakt mit der Ostzone klopfte schon vor dem Bau der Mauer an die Wohnungstür von Klaus Baulmann. „Da stand ein Herr, der meinte, er sei die ‘anonyme Adresse’“, erinnert sich der Sunderaner an den irritierenden Moment zurück. Schnell war jedoch klar, wer der Mann war.

Denn Klaus Baulmann studierte damals in Köln und war Teil einer Hilfsaktion der katholischen Studentengemeinde für Menschen in den Ostgebieten. „Hilfspakete durften aber nicht von Institutionen verschickt werden, sondern kamen nur durch private Kontakte über die Grenze“, so Baulmann. Daher sammelte der Pfarrer private Wohnadressen aus seiner Studentenschaft und frankierte damit zahlreiche Lieferungen in die Ostzone.

Ein Paket-Empfänger aus Leuna bei Merseburg wollte seinen Gönner kennenlernen und folgte den Angaben des Absenders – bis vor die Tür der Studentenwohnung von Klaus Baulmann. Kurz nach der Begegnung beginnt der Bau der Berliner Mauer. Zu dieser Zeit wissen Beide noch nicht, dass ihr Kontakt der erste Wegbereiter hin zu einer Städtepartnerschaft sein sollte.

Kontakt über die Kirche

Szenenwechsel: Meschede. Auch hier knüpfte etwa die evangelische Kirchengemeinde der Stadt früh erste Kontakte zu Glaubensbrüdern und Schwestern in Berlin-Treptow.

Angefangen als Hilfsprogramm für Gemeinden in der DDR entwickelte sich daraus aber schnell ein reger Austausch, der sich durch die gesamte Zeit des DDR-Regimes zog. „Aus Patenschaft ist mit der Zeit eine Partnerschaft geworden“, fasst Hartmut Köllner zusammen.

Er kam 1969 als Pastor in die Gemeinde nach Meschede. Regelmäßig fuhren Gruppen von der Christuskirche in Meschede bis Treptow, unter anderem auch das Presbyterium. Ein besonderes Zeichen der Verbundenheit sei für ihn dann der Festakt zum 150-jährigen Bestehen der Christuskirche im Jahr 1989 gewesen.

„Als wir Einladungen zum Festakt nach Treptow verschickt hatten, wussten wir nicht, ob überhaupt eine Delegation kommen kann“, erinnert sich Köllner zurück. „Kurz danach fiel dann die Mauer“.

So kam es, dass zum Jubiläumsfest im November 1989 eine Delegation von mehr als zwanzig Mitgliedern der Gemeinde aus Treptow nach Meschede reisen konnten. „Nach ihrer Rückkehr in Berlin lief dort im Frühstücksfernsehen ein Beitrag über die Reise“, erinnert sich Köllner zurück.

Die Partnerschaft sei zwar mittlerweile aufgelöst, aber viele Freundschaften von damals hielten sich bis heute.

Partnerschaft nach der Wende

Zurück bei Klaus Baulmann in Sundern. Aus der ersten Begegnung mit dem Unbekannten aus der Ostzone entwickelte sich bald eine Freundschaft. Im Jahr 1964, drei Jahre nach dem Mauerbau, kam es zum ersten Besuch in der Ostzone – der Anfang von regelmäßigen Ausflügen. „Entweder sind wir mit der Familie nach Leuna gefahren oder wir haben uns in Ost-Berlin getroffen“, blickt Baulmann zurück.

Später wurden die Ausflüge erweitert, bis der Weg 1987 nach Schirgiswalde führte – einer katholischen Enklave in der Oberlausitz.

Nach der Sonntagsmesse kam er mit dem dortigen Pfarrer ins Gespräch. „Er war sehr aufgeschlossen und es stellte sich heraus, dass er als Student in Warstein gelebt hat“, bemerkte Baulmann Bezüge zum Sauerland – die er zurück in die Heimat trug.

Im Jahr des Mauerfalls 1989 kam es dann zu ersten Kontakten mit der Stadt Sundern, die zwei Jahre später in eine Städtepartnerschaft mündeten. Keine Seltenheit im HSK: So knüpften kurz nach der Wende etwa auch Schmallenberg, Olsberg und Medebach langfristige Partnerschaften mit Gemeinden in Ostdeutschland. Zudem helfen Beamte der Kreisverwaltung den Kollegen in den damals neuen Bundesländern.

Klaus Baulmann hält den Kontakt zu seinem Freund in Leuna bis heute aufrecht.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben