Schwierige Einsatztaktik

Kirchenbrände: Feuerwehr Arnsberg und Sundern kennt Grenzen

Zum Glück nur im Modell: Feuerwehrautos vor Propsteikirche Arnsberg.

Zum Glück nur im Modell: Feuerwehrautos vor Propsteikirche Arnsberg.

Foto: Wolfgang Becker

Arnsberg.   Feuerwehren in Arnsberg und Sundern sehen bei Kirchenbränden nur begrenzte Möglichkeiten für den Löschangriff: „Einsatztaktisch enorm schwierig.“

Kirchenbrände würden auch die Feuerwehren in Arnsberg und Sundern vor enorme Herausforderungen stellen. „Das ist einsatztaktisch extrem schwierig“, sagt Sunderns Feuerwehr-Chef Frank Siedhoff. Bauweise, Alter und Brennbarkeit der Materialien und die Höhe der Kirchtürme würden den Einsatzkräften bei den Löschangriffen Grenzen setzen.

Die Bilder des Brandes der Kirche Notre-Dame in Paris haben auch die Verantwortlichen der heimischen Feuerwehren bewegt. „Ich ziehe den Hut vor den Kollegen in Paris“, so Siedhoff. Auch sein Kollege Bernd Löhr, Feuerwehr-Chef in Arnsberg, verfolgte das Geschehen am Rande einer Sitzung auf dem Bildschirm.

Kooperation der Wehren im Kreis

Auf viele Szenarien sind die Feuerwehren gut vorbereitet - Kirchenbrände gehören nicht zwingend dazu. „Da gibt es oft für uns keine Pläne“, so Feuerwehrsprecher Jürgen Voß aus Sundern. Zudem, so ergänzen Frank Siedhoff und Bernd Löhr, seien Brandschutzauflagen in Kirchen nicht so streng wie in anderen Gebäuden. Viele Kirchen hätten keine Brandmeldeanlagen. Beispiel: St.-Michael-Kirche in Neheim - da waren sie 2013 bei der Renovierung nicht installiert worden, weil sie baurechtlich auch nicht vorgeschrieben sind. Feuerlöscher hingegen gibt es.

„Ohne Brandmelder könnte ein Feuer zu spät bemerkt werden“, so Bernd Löhr, „und wenn ein Brand in einer Kirche sichtbar ist, können wir da keinen Kameraden mehr reinschicken.“ Die Bauweise der Kirchen mit alten Materialien und über Jahrhunderte getrockneten Holzträgern, den großen Kirchenschiffen und den Kirchtürmen mit Holzgebälk und schweren Glockenstühlen - in der St.-Johannes-Kirche sind es fast 14 Tonnen - mache bei einem Brand die Einsturzgefahr, so wie in Notre-Dame geschehen, viel zu groß.

„Nur beim Entstehungsbrand können wir noch einen Innenangriff machen“, sagt Frank Siedhoff, „ansonsten müssen wir von Außen das Schadensmaß eingrenzen und die Ausbreitung verhindern“. Ein Inneneinsatz der Wehrleute, so auch Bernd Löhr, sei später nicht mehr zu riskieren.

Die Leiterwagen der Feuerwehren haben ebenfalls ihre Grenzen. Die Leitern sind 30 Meter ausfahrbar, je nach Nähe zum brennenden Objekt ist so eine Höhe von rund 25 Meter erreichbar. Das Löschwasser kann weitere 20 Meter gespritzt werden. Der Westturm in Neheim ist 83 Meter, die beiden Osttürme 41 Meter hoch.

In Arnsberg stehen zwei Leiterwagen zur Verfügung, in Sundern einer. „Im Hochsauerlandkreis arbeiten wir aber so zusammen, dass im Ernstfall aus den Nachbarstädten weitere Fahrzeuge kommen würden“, so Frank Siedhoff aus Sundern. Der HSK sei bei den Kooperationen seiner Wehren vorbildlich aufgestellt.

Schutz wertvoller Kulturgüter

Menschen sind bei Kirchenbränden meist nicht in Gefahr. „Hier geht es um Kulturgutrettung“, sagt Bernd Löhr. In Arnsberg an der kulturhistorisch bedeutenden Propsteikirche am Kloster Wedinghausen, so der Arnsberger Propst Hubertus Böttcher, gebe es eine Brandmeldeanlage.

Den Propst haben die Bilder aus Paris besonders bewegt - sind doch „seine“ Kirche und Notre-Dame fast zeitgleich im Jahr beendet worden, die eine um 1350 und die andere um 1345. Dass die Flammen einmal die Propsteikirche angreifen könnten, das mag sich Böttcher nicht vorstellen. „Es wäre ein unschätzbarer Wert, der verloren ginge“, sagt er. Entsprechend ernst nehme man in der Gemeinde den Brandschutz. „Zu Silvester geht unser Küster Winfried Ortmann jedes Jahr nach dem Feuerwerk, wenn andere mit Sekt anstoßen, durch die Kirche und kontrolliert überall, ob vielleicht eine Rakete irgendwo stecken geblieben ist“, berichtet Böttcher.

Auch die beiden Feuerwehrchefs hoffen, den „Worst Case“ an Kirchen nicht erleben zu müssen. Damit es soweit nicht kommt, empfehlen sie Brandmeldeanlagen.

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