30 Jahre Mauerfall

Meine Erinnerungen und „Wendezeit“ in Arnsberg und Sundern

Reliquien meines historischen Berlin-Marathons 1990 durch das Brandenburger Tor.

Reliquien meines historischen Berlin-Marathons 1990 durch das Brandenburger Tor.

Foto: Martin Haselhorst

Arnsberg/Sundern.  „Wendezeit im Sauerland“: 30 Jahre nach dem Mauerfall auf Spurensuche in Arnsberg und Sundern und persönliche Erinnerungen des Redaktionsleiters.

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Das waren bewegende Tage 1989. Die Ü40er unter uns werden sich erinnern: Außenminister Genscher auf dem Balkon der Prager Botschaft, die Bilder von den DDR-Urlaubern, die sich in Ungarn über die Grenze machten, die Fernsehbilder von den Protesten in Leipzig und plötzlich dieser denkwürdige Abend des 9. November, als sich auf einmal die Grenzen in Berlin öffneten und die Mauer fiel. Wir alle saßen vor den Fernsehgeräten und ahnten, welche historische Dimension dieser Moment haben sollte. Zwischendurch habe ich auch noch im September geheiratet und schwebte auf Wolke sieben.

Gebannt vor dem TV

Ich weiß es noch genau. Ich kam am 9. November vom Joggen zurück, als sich die Nachrichtenlage im Osten überschlug. Und dann kam ich vom Fernsehgerät nicht mehr weg. Mir kamen die Tränen, als ich verstand. Dieses entladende Glücksgefühl der Menschen an einer Grenze machte mir klar, was Freiheit - nein, was das Fehlen von Freiheit - bedeutet haben muss.

Als 1965er-Jahrgang war die Teilung Deutschlands für mich wie selbstverständlich, ein hinzunehmender Alltagszustand und gefühlt für die Ewigkeit. Als Oberstufenschüler über den Bahnhof Friedrichstraße, vorbei an den bösen und unfreundlichen Blicken fast gleichaltriger Grenzsoldaten, zum Besuch nach Ostberlin - das war Ausflug. An Wiedervereinigung dachte ich da nicht - ebenso wenig wie beim WM-Spiel 1974, als ich als Neunjähriger sah, wie „meine“ Nationalmannschaft gegen die DDR mit 0:1 durch das legendäre Sparwasser-Tor verlor. Die DDR - das war für mich ein Gegner wie Chile, Australien, Schweden, Polen oder Holland.

Historische Dimension

1989 und in den Tagen davor und danach aber begriff ich. Ich war ja auch schon älter. Schnell fuhr auch ich nach Berlin, sicherte mir ein Stück Mauer, das noch heute irgendwo bei mir in der Schublade liegt - als eine Devotionale der deutschen Geschichte. 1989 und 1990 - nie wieder kam ich so oft nach Berlin.

Berlin Marathon

1990 lief ich den Berlin-Marathon - mein erstes und letztes Rennen auf der 42,2-Kilometer-Strecke. Dass ich 2:42 Stunden lief, interessiert heute niemanden mehr. Und auch mich fasziniert eigentlich mehr, dass ich damals den ersten Berlin-Marathon durch das damals wieder „offene“ Brandenburger Tor lief. Nach knapp drei Kilometern ging es durch das Symbol der deutschen Einheit in den damals grauen Osten der Stadt. Ein Kumpel meines damaligen Vereins LG Menden wollte unbedingt als erster durch das Tor laufen und so ins Fernsehen kommen. Pech gehabt: Ein paar Kenianer waren eher da. Am Ende gewannen Steve Moneghetti und Uta Pippig.

Handball: BRD gegen DDR

Ein paar Monate vor der offiziellen Deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 war ich noch einmal in Berlin. Als freier Mitarbeiter unserer Mediengruppe begleitete ich unseren heutigen Sportchef Peter Müller in die Hauptstadt, die damals meine noch nicht war. In der Deutschland-Halle spielte die Bundesrepublik gegen die Deutsche Demokratische Republik. Ein gewisser Frank Wahl „ballerte“ die BRD mit 22:17 aus der Halle. Die DDR qualifizierte sich für die WM, die BRD war nicht qualifiziert. Ein echt historischer Moment dieses Spiel. Ein letztes Mal zeigten die „Ossis“ den „Wessis“ im Handball, wo der Hammer hängt.

Besuch bei ORWO Wulfen

Später besuchte ich mit meinem Sportverein die BSG Wulfen bei Halle im Osten. In einer Betriebssporthalle der riesigen ORWO-Filmwerke bei Bitterfeld spielten wir Hallenfußball gegen die Mitarbeiter des Unternehmens. Wir wohnten bei einem damaligen Betriebsführer, der uns seine Angst vor dem Verlust seiner damals noch privilegierten Position offenbarte und ein Spiegelbild der Zukunftssorgen tausender Mitarbeiter war. Die Werke gibt es heute nicht mehr an dieser Stelle, sehr wohl noch eine Firma, die im digitalen Geschäft unterwegs ist. Brutaler Strukturwandel- wir sahen den chemisch verseuchten „Silbersee“. Ein Vorgeschmack auf das, was später an Frust, Enttäuschung und Problemen kommen sollte.

Unsere Serie „Wendezeit“

So weit meine Erinnerungen. Wir alle haben diese. Unsere Zeitung begab sich in Arnsberg und Sundern auf Spurensuche der „Wendezeit“. Wir berichteten über viele Menschen aus der Region, die sich in irgendeiner Form mit Hinterlassenschaften der Zeit beschäftigen, selber eine wichtige Rolle spielten, ihren Weg von Ost nach West suchten, das große Geschäft witterten oder den Menschen im Osten die Hand reichten. Hier der Überblick zur Serie.

- einen Trabifahrer aus Sundern,

- eine großartigen Frau in der Osteuropahilfe

- über Gebrauchtwagen-Transfer aus Sundern in den Osten

- eine außergewöhnliche Begrüßungsmaßnahme der Stadt Arnsberg

- unsere Partnerstädte im Osten

- den Neuanfang von Ost-Sportler im Sauerland

Viel Spaß beim Lesen und Erinnern an einer spannende Zeit.

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