Prozess

Bande soll dutzende Autos mit Keyless-Go gestohlen haben

Das Keyless-Go-System ist nicht nur für Autofahrer praktisch.

Das Keyless-Go-System ist nicht nur für Autofahrer praktisch.

Foto: Matthias Balk / dpa

Arnsberg/Bielefeld.   Reihenweise Autos geklaut: Im Landgericht Bielefeld hat der Prozess gegen eine mutmaßliche Bande begonnen. Der Haupttäter kommt aus Arnsberg.

Nur mit einer Funkkarte sein Auto öffnen und starten zu können, ist schon eine bequeme Sache. Leider nicht nur für den rechtmäßigen Besitzer, sondern auch für böse Buben. Vier mutmaßliche Autodiebe sitzen seit Mittwoch in Bielefeld auf der Anklagebank: Sie sollen im großen Stil im östlichen Nordrhein-Westfalen Pkws gestohlen und nach Polen geschafft haben. Der Haupttäter lebte in Arnsberg.

Wohnsitz in Arnsberg

Glatze, dünner Bart, dicke Arme, Tätowierungen und ein hellblaues Hilfiger-T-Shirt – so sitzt der 33-jährige Pole vor der 21. Großen Strafkammer. Von seinem Wohnsitz in Arnsberg aus soll die Bande stets losgezogen sein, um ihre vierrädrige Beute zu machen. Kein Wunder, dass die Schwerpunkte der Taten im Hochsauerlandkreis, in Unna, im Kreis Gütersloh und im Kreis Lippe liegen. Die vier Polen im Alter von 30 bis 39 Jahren sollen zwischen August und Dezember vergangenen Jahres insgesamt 30 Autos gestohlen haben. Im September hatten sie ein Heimspiel: Sie klauten einen silbernen Ford Mustang im Wert von 26.000 Euro, einen Nissan R35 für 100.000 Euro und einen schwarzen Jeep Grand Cherokee (Wert 50.000 Euro) – letzteren verpassten sie holländische Kennzeichen. Die Fahrzeuge wurden stets an einem Parkplatz am Möhnesee an Fahrer übergeben, die sie nach Polen bringen sollten. Wenn alles klappte, was nicht immer der Fall war.

Keyless-Go-System

Ausschließlich auf Autos mit dem so genannten Keyless-Go-System hatten es die Täter abgesehen: Diese elektronische Fahrberechtigung funktioniert per Funksignal – das von einem elektronischen Schlüssel ausgesendet wird. Das machten sich die Autodiebe zunutze: Sie verlängerten das Funksignal vom Aufbewahrungsort des Schlüssels bis zum Auto mithilfe spezieller Geräte, so dass sie das jeweilige Fahrzeug wegfahren konnten. Ein großer Teil der Fahrzeuge kam tatsächlich in Polen an, entweder um weiter verkauft oder zur Ersatzteilgewinnung zerlegt zu werden. In ein paar Fällen aber trickste das Keyless-Go-System die Diebe aus: Weil der Motor des Autos ausging, konnte er ohne den dazugehörigen Funkschlüssel nicht mehr gestartet werden. Um die Beute nicht abschreiben zu müssen, wurden in mehreren Fällen die Steuergeräte ausgebaut und in Polen umfrisiert, um die Autos wieder in Gang zu bringen. Insgesamt sollen die Autos, vor allem Mittelklasse-Pkws, Sportwagen und SUVs, einen Wert von nahezu einer Million Euro haben.

Häufung im Kreis Gütersloh

Die Polizei kam der Bande auf die Schliche, weil sich Autodiebstähle im Kreis Gütersloh häuften. Es wurde eine Ermittlungsgruppe eingerichtet, in der die Polizei Gütersloh mit der Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis und der

Staatsanwaltschaft Bielefeld übergreifend zusammenarbeiteten. Dass im Oktober 2018 in Polen ein mutmaßlicher Mittäter nach einem Unfall mit einem in Augustdorf (Kreis Lippe) gestohlenen Ford Mustang festgenommen wurde, war für die Ermittler ein Glücksgriff. Nach Informationen dieser Zeitung soll der Verdächtige der polnischen Polizei umfangreiche Angaben gemacht haben und seine Aussage in dem Verfahren in Bielefeld eine große Rolle spielen. Die vier Angeklagten wurden kurz vor Weihnachten geschnappt. Der ins Arnsberg wohnende 33-Jährige hatte versucht, einen in Winterberg entwendeten Lexus nach Polen zu fahren, war dabei aber in Cölbe in Nordhessen vom Sondereinsatzkommando aus Bielefeld gestoppt worden – die Polizei hatte die Gruppe bereits seit Wochen „auf dem Radar“. Seine drei Mittäter gingen der Polizei in Meschede ins Netz, wo sie auf der Suche nach lohnenswerter Beute mitten in der Nacht herumkurvten. Zunächst sind für den Prozess fünf Termine bis Mitte August angesetzt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben