Einschlägig vorbestraft

Neun Monate Bewährungsstrafe für Herdringer Exhibitionisten

Justitia

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Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Herdringen.  Da sich ein einschlägig vorbestrafter Exhibitionist in Therapie begeben will, billigt Gericht Angeklagtem Freiheitsstrafe auf Bewährung zu

Die beiden Häuser in Herdringen stehen dicht beieinander. Man kann sich gegenseitig durch die Fenster beobachten. Das nutzte der vor dem Amtsgericht Angeklagte für seinen sexuellen Kick, wie er es dem Gutachter gegenüber geäußert hatte, aus. Er war nämlich wegen sexueller Belästigung angeklagt, weil er sich laut Staatsanwaltschaft in 2018 mehreren jungen Frauen in exhibitionistischer Weise gezeigt hatte.

56-Jähriger stellt sich nackt ins offene Fenster

Demnach stellte sich der 56-jährige Angeklagte in das offene Fenster seiner Wohnung, wo er von der geschädigten Frau aus dem gegenüberliegenden Haus gesehen werden konnte. Der Mann sei nackt gewesen und habe onaniert. Das habe er an verschiedenen Tagen mehrfach wiederholt, immer dann, wenn er die Frau in ihrem Zimmer sah. „Es hat mich erregt, weil sie sich selbst befriedigte“, wollte er sein Handeln herunterspielen. Zudem soll er die junge Frau angerufen haben und zu sich in die Wohnung gebeten haben, so ging es aus den schriftlichen Angaben der Geschädigten, die Strafanzeige erstattet hatte, hervor. Die Staatsanwaltschaft hatte zur Klärung der Schuldfähigkeit des Angeklagten einen Gutachter eingeschaltet. Dieser bewertete ihn als unreif hinsichtlich sozialer Kontakte. Er habe nie eine feste Partnerin gehabt, aber er stehe auf Frauen, die 20 Jahre oder jünger seien.

Gutachter sieht Therapie für Angeklagten erforderlich

„Ähnliche Taten sind zukünftig nicht auszuschließen, eine Therapie ist erforderlich“, so der Gutachter, ein Nervenarzt aus Warstein. Dem und auch jetzt dem Gericht gegenüber räumte der Angeklagte die Vorwürfe ein. Das brachte ihm Pluspunkte hinsichtlich der Strafzumessung ein, denn aufgrund des Geständnisses wurden den Zeuginnen die peinlichen Aussagen erspart. Die Staatsanwältin beantragte eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, wobei sie starke Bedenken äußerte, diese zur Bewährung auszusetzen. Schließlich habe der Angeklagte die letzte einschlägige Tat in seiner noch laufenden Bewährungszeit begangen. Er ist viermal – immer wegen selbiger Delikte – vorbestraft.

Verteidiger verweist auf gute Sozialprognose

Man solle bedenken, dass sein Mandant sozial und sexuell zurückgeblieben ist, könne ihm aber eine günstige Sozialprognose stellen, da er eine ambulante Therapie machen werde, so sein Verteidiger. Das Gericht verurteilte den Angeklagten sodann wegen exhibitionistischer Handlungen in vier Fällen zu der beantragten Freiheitsstrafe von neun Monaten und setzte diese zur Bewährung auf drei Jahre aus. „Bewährung haben Sie nur deswegen bekommen, weil der Gutachter die Hoffnung hat, dass sie nach der Therapie derartige Straftaten nicht mehr begehen werden“, erklärte die Richterin. Dem Verurteilten wurde eine Geldbuße von 3.000 Euro auferlegt, die er an die Staatskasse zu zahlen hat.

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