Politik

Rechtsexpertin aus Hüsten: „Ich erlebe Respekt und Toleranz“

Friederike Neuhaus aus Hüsten lebt und arbeitet seit 2015 in Brüssel.

Friederike Neuhaus aus Hüsten lebt und arbeitet seit 2015 in Brüssel.

Foto: Privat

Hüsten/Brüssel.   Friederike Neuhaus lebt seit mehreren Jahren in Brüssel. 32-Jährige engagiert sich in der Jungen Union.

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Seit vier Jahren lebt und arbeitet die gebürtige Hüstenerin Friederike Neuhaus in Brüssel. Die Begeisterung für Europa hat sie schon während eines Schüleraustauschs nach Frankreich gepackt, später hat sich die Rechtswissenschaftlerin auf europäisches Recht spezialisiert.

Die Debatten über den Brexit und die Europawahl erlebt die 32-Jährige aus der Nähe.

Wie hat sich Ihre Sicht auf Europa verändert, seit Sie in Brüssel leben?

Friederike Neuhaus: Ich habe noch mehr verstanden, wie sehr Europa auf Konsens basiert. Die Kunst besteht darin, verschiedene Meinungen zusammenzubringen, Kompromisse zu schließen. Wenn man nur seine nationale Brille auf hat und darauf beharrt, kommt man nicht weiter. Ich erlebe hier sehr viel Respekt und Toleranz gegenüber anderen Kulturen. Mein Freundeskreis setzt sich aus Menschen aus verschiedenen Ländern zusammen, kommuniziert wird auf Englisch oder Französisch. Das Leben ist sehr bunt und vielfältig, es gibt in Brüssel viele junge Leute, die von der europäischen Idee begeistert sind.

Auch in Zeiten des Brexits?

Ich spüre hier einen großen Zusammenhalt. Den Brexit sieht man derzeit eher als einen innenpolitischen Konflikt Großbritanniens, die Europäische Union steht hingegen geschlossen da. Viele meiner britischen Freunde sind allerdings sehr enttäuscht über die Entwicklung und hoffen, dass die Europawahlen noch einmal eine Chance sind, dass sich Großbritannien Europa wieder zuwendet.

Wie gehen Sie mit der Terrorgefahr in Brüssel um?

Wie in jeder anderen Stadt besteht leider auch in Brüssel ein gewisses Risiko. Wichtig finde ich, dass man dadurch seinen Alltag und seine Lebensweise nicht bestimmen lässt. Letztendlich bildet unsere freiheitliche Lebensweise ja auch einen Grundwert unserer Europäischen Union.

Wie präsent ist die anstehende Europawahl vor Ort?

Hier ist sie sehr präsent. Die Legislatur kommt langsam dem Ende entgegen und man merkt, dass etwas Neues kommt. Viele Politiker sind in den Mitgliedsstaaten unterwegs, um zu werben – für Ihre Partei, aber vor allem für eine hohe Wahlbeteiligung. Die Befürchtung ist, dass Populisten stark abschneiden, deshalb ist jede Stimme wichtig.

Die Menschen, die der EU eher kritisch gegenüber stehen, empfinden sie häufig als zu stark regulierend. Was entgegnen Sie darauf?

Europa gibt ja oft Richtlinien vor, die anschließend in nationales Recht übersetzt werden müssen. Dabei setzt die deutsche Bürokratie dann oft noch einen drauf, das gehört auch zur Wahrheit. Was man aber auch betonen muss: Wir haben einen europäischen Binnenmarkt, dafür braucht es klare Regeln. Ich plädiere immer dafür, dass die EU sich um die großen Themen kümmert, die wichtig für alle Mitgliedstaaten sind.

Sie sind auch Geschäftsführerin der Jungen Union in Brüssel. Welche Funktion hat die JU dort?

Wir sind ein Auslandsverband der Jungen Union Deutschlands, mit ungefähr 50 Mitgliedern der größte Auslandsverband. Es ist ein Netzwerk aus jungen Leuten, die hier in Brüssel leben und arbeiten oder eine gewisse Zeit für Praktika hier verbringen. Ich finde, dass die EU gerade jungen Menschen sehr viel zu bieten hat, zum Beispiel über Programme wie Erasmus oder das Interrail-Ticket. Auch ich selbst habe sehr von der EU profitiert durch Auslandsaufenthalte während meiner Schul- und Studienzeit.

In nicht einmal fünf Wochen ist es soweit, dann wird gewählt – wissen Sie schon, wo Sie die Wahl verfolgen werden?

Ich werde in Unterfranken sein, weil mein Partner dort für die CSU kandidiert. Da werde ich natürlich dabei sein und Daumen drücken.

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