Realschule Hüsten im Lockdown

Schulleiter: "Lange sollte Distanzunterricht nicht andauern"

Nicht alle Schüler sind technisch so gut ausgestattet wie dieser. Nicht selten mangelt es an Endgeräten für den Distanzunterricht.

Nicht alle Schüler sind technisch so gut ausgestattet wie dieser. Nicht selten mangelt es an Endgeräten für den Distanzunterricht.

Foto: Christian Stoffers

Hüsten  Schulleiter Rainer Kick (Realschule Hüsten) spricht über Schule im Lockdown, technische Möglichkeiten und soziale Aspekte des Lernens.

Seit Beginn der Woche sind die Schulen im Lockdown. Distanz-Unterricht ist der einzige Weg, über den Lehrkräfte ihre Schülerinnen und Schüler derzeit erreichen. Mit Rainer Kick, kommissarischer Leiter der Realschule Hüsten, sprach unsere Zeitung über die ersten Tage.

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Frage: Wie gut waren Sie auf den erneuten Distanzunterricht vorbereitet?

Rainer Kick: Im Grunde sehr gut. Die von der Stadt Arnsberg eingeführte Lernplattform "itslearning" läuft abgesehen von einem zwischenzeitlichen kurzen Aussetzer am Dienstag stabil und wird von uns eingesetzt. Es gibt auch keine Serverprobleme wie bei "Logineo". Zudem können wir Videokonferenzen über "WebEx" mit den Schülerinnen und Schülern abhalten.

"Itslearning" ist hilfreich

Frage: Wie wird Distanzunterricht bei Ihnen organisiert?

Kick: Die Schüler sind zu Hause und werden von den Kolleginnen und Kollegen über "itslearning", "WebEx" oder aber auch per Mail oder Anruf unterrichtet und betreut. Falls etwas in der Schule abgegeben werden soll, sind hierfür feste Zeiten für die jeweiligen Jahrgangsstufen eingerichtet. Unterrichtszeiten sind in der Regel die im Stundenplan fixierten Stunden. Wenn also zum Beispiel Mittwochs in der dritten Stunde Mathe im Plan steht, findet dann auch die Videokonferenz statt.

Frage: Machen Sie sich keine Sorgen, einige Schüler/-innen jetzt unterwegs "zu verlieren"? Und was tun Sie dagegen?

Kick: Die Sorge besteht durchaus, keine Frage. Aber die Klassenlehrer sind von mir angehalten worden genau diesen Punkt verstärkt zu beachten und immer auch zu kontrollieren ob die Aufgaben die Schüler erreicht haben und ob die Aufgaben auch bearbeitet worden sind.

Frage: Hilft Ihnen bereits der Einsatz des von der Stadt angeschafften Tools "Itslearning" bei der Bewältigung der jetzigen Herausforderung?

Kick: Ja, sehr. Für Probleme bezüglich der Lernplattform "itslearning" haben wir Anleitungen auf der Hompage und zu bestimmten Zeiten einen persönlichen Support für die Schüler eingerichtet.

100 Tablets liegen noch nicht startklar herum

Frage: Sehen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler ausreichend mit den benötigten digitalen Endgeräten versorgt oder bedarf es hier noch Hilfe und Unterstützung?

Kick: Nein, da liegt noch einiges brach. Da sind die Ausstattungen der Schülerinnen und Schüler doch sehr unterschiedlich. Und vor allem der Support von Seiten der Eltern. Nur das dazu: ich habe 100 Tablets von der Stadt Arnsberg bekommen. Diese liegen aber noch völlig jungfräulich bei uns in der Schule, weil die Bumper noch nicht geliefert worden sind und weil von Seiten der Stadt die Geräte noch nicht eingepflegt worden sind.

Frage: Sind die Zehntklässler als Abschlussjahrgang "der Verlierer" der jetzigen Entwicklung? Inwiefern beeinträchtigen Corona und der Lockdown nun die Vorbereitung auf den Schulabschluss?

Kick: Ich persönlich sehe das weniger dramatisch. Klar, die Lücken werden größer und der Distanzunterricht ersetzt nie hundertprozentrig den Präsenzunterricht. "Verlierer" ist mir aber zu hart. Die Zentralen Abschlussprüfungen sind ja schon angepasst worden. Aber klar ist auch, allzu lange sollte der Distanzunterricht nicht mehr dauern.

Soziale Komponente des Lernens

Frage: Können Sie dem Distanzunterricht aus Sicht des Lehrers irgendetwas positives abgewinnen, was auch nach Corona bleiben sollte, oder bleibt es am Ende ein befremdliches Provisorium?

Kick: Es gibt bestimmt den ein oder anderen Schüler, dem der Distanzunterricht zu gute kommt. Der Online-Unterricht wird aber nie den realen Unterricht aus meiner Sicht ersetzen können. Die soziale Komponente ist eben auch ein wichtiger Aspekt im Lernprozess. Aber klar, für langzeitkranke Schüler ist das bestimmt eine Option.

"Itslearning" an weiterführenden Schulen in Arnsberg

Die Stadt Arnsberg hat für alle städtischen weiterführenden Schulen die Lizenz für die Lernplattform Itslearning erworben und lässt sich das 40.000 Euro pro Jahr kosten. Hintergrund sind die digitalen Möglichkeiten der Lern- und Unterrichtssteuerung – sowohl beim Präsenz- als auch beim nun wieder erforderlichen Distanzunterricht.

Lehrer können mit der Plattform ihren Unterricht vorbereiten (Planer) und begleiten, Schülern Informationen bereitstellen, individuelles Lernen fördern oder sich untereinander vernetzen. Schüler können selbständig in Projekten arbeiten, strukturierte Angebote begleitend zum Unterricht wahrnehmen oder in ePortfolios und Blogs die eigenen Arbeiten für Andere dokumentieren. Es stehen Werkzeuge zur Einbindung externer Ressourcen sowie zur Erstellung von Online-Tests zur Verfügung, ein integrierter Audio- und Videorekorder ermöglicht eine leichte Erstellung eigener multimedialer Inhalte.

Ein digitales Klassenbuch bietet einen Überblick über den Leistungsstand der Schüler. Alle diese Informationen können über ein Elternportal auch den Eltern zugänglich gemacht werden.

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