Aufsuchende Jugendarbeit

Stadt Arnsberg stellt im Herbst zwei Streetworker ein

Mit jungen Leuten, die im öffentlichen Raum perspektivlos abhängen, sollen Streetworker der Stadt Arnsberg Kontakt aufnehmen. Die gelernten Sozialarbeiter sollen sich für diese Jugendlichen  einsetzen und ihnen ein passendes Angebot für Beruf und Freizeit vermitteln. .

Mit jungen Leuten, die im öffentlichen Raum perspektivlos abhängen, sollen Streetworker der Stadt Arnsberg Kontakt aufnehmen. Die gelernten Sozialarbeiter sollen sich für diese Jugendlichen einsetzen und ihnen ein passendes Angebot für Beruf und Freizeit vermitteln. .

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Arnsberg.  Zwei neue Sozialarbeiter sollen ab Herbst junge Leute aufsuchen, die über die klassische Jugendarbeit nicht mehr erreicht werden.

Die Stadt Arnsberg wird in diesem Monat zwei Vollzeit-Stellen für Streetworker ausschreiben, die im Herbst 2019 mit ihrer Arbeit beginnen sollen. Streetwork bzw. mobile Jugendarbeit versteht sich als aufsuchende Sozialarbeit. Die beiden Streetworker sollen unter anderem bekannte Treffpunkte im öffentlichen Raum der Stadt aufsuchen, wo sich Jugendliche und junge Erwachsene, die für sich häufig schulisch oder beruflich keine Perspektive sehen, aufhalten und „einfach abhängen“ wollen.

„Die Stadt will mit diesen Jugendlichen ins Gespräch kommen und ihnen neue Perspektiven aufzeigen“, sagt Bürgermeister Ralf Paul Bittner, der sich schon seit vielen Jahren, auch als damaliger SPD-Ratsfraktionsvorsitzender, für Streetworker-Personalstellen einsetzte und nun als Bürgermeister im laufenden Stadt-Etat die notwendigen Finanzmittel fand, um die auf zwei Jahre befristeten Stellen zu finanzieren. Es ist daran gedacht, die beiden Stellen mit einem Mann und einer Frau zu besetzen

Vertrauensbasis aufbauen

Mit Streetworkern will die Stadt jugendliche und junge Erwachsene erreichen, die über die institutionelle Jugendarbeit wie zum Beispiel durch Angebote in Jugendzentren nicht mehr erreicht werden. „Schon allein die Tatsache, dass junge Leute bei Ansprache durch Streetworker spüren ,Ja, mit uns wird gesprochen. Man nimmt uns ernst und hört uns zu’ ist schon eine erste wichtige Erfahrung, auf die man aufbauen kann“, sagt Bittner und weiß dabei natürlich, dass erfolgreiche Streetworker-Arbeit in der Regel nicht kurzfristig erreichbar ist.

Es geht erst mal um Vertrauens-Aufbau zwischen Jugendlichen und Streetworkern, um dann seitens der Streetworker den jungen Leuten konkrete Angebote für Schule, Beruf und Freizeit machen zu können“, so der Bürgermeister. Der Leiter des städtischen Familienbüros, Christian Eckhoff, nennt in diesem Zusammenhang zum Beispiel die Möglichkeit, durch ein gemeinsames Förderprogramm der Stadt und des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Schulverweigerer wieder dazu zu bewegen, in die Schule zu gehen. Um jungen Leuten Wege in eine Berufsausbildung aufzuzeigen, wird zurzeit eine Jugend-Berufsagentur aufgebaut, bei der Jobcenter, Agentur für Arbeit und Jugendamt der Stadt Arnsberg zusammenarbeiten. Als Freizeitangebot hat das auch in diesem Jahr weitergeführte Videofilm-Angebot „Abgedreht!“ bereits großes Interesse unter Jugendlichen erzeugt.

Kooperation und Netzwerk-Arbeit wird prinzipiell bei Streetwork /Mobile Jugendarbeit großgeschrieben., um Hilfe vermitteln zu können. Christian Eckhoff betont aber: „Kooperation und Absprachen mit Polizei und Ordnungsamt müssen geregelt sein, aber es ist keine gemeinsame Arbeit vor Ort vorgesehen. Denn ein Streetworker, der mit dem Ordnungsamt gemeinsam ,auf Streife’ geht, kann nicht präventiv und anwaltschaftlich für die Zielgruppe arbeiten. Vertrauen bei der Zielgruppe wird so nicht aufgebaut.“

Mehr Sicherheit im öffentlichen Raum

Im Sinne der aufsuchenden Jugendarbeit sollen Streetworker insbesondere abends und an den Wochenenden unterwegs sein, um dann mit auffälligen Jugendlichen zu sprechen. Dies kann an Treffpunkten von Jugendlichen im öffentlichen Raum sein, aber auch zum Beispiel auf der Hüstener Kirmes oder in der Umgebung des Neheimer Schützenfestzeltes, wo Jugendliche in der Fußgängerzone auch gern abhängen und vorglühen.

In den beiden Streetworker-Stellen sieht die Stadt Arnsberg einen Beitrag, für mehr Sicherheit im öffentlichen Raum zu sorgen. Denn Jugendliche, um die sich gekümmert wird, werden tendenziell nicht so schnell durch Randale auffällig, als wenn sie sich selbst überlassen bleiben. Dies zeigen Erfahrungen aus anderen Städten. Deshalb betont Christian Eckhoff, wie wichtig es ist, dass Streetworker zunächst Vertrauen zu Jugendlichen aufbauen. „Die Streetworker gewährleisten Anonymität und Vertraulichkeit gegenüber den Jugendlichen und verstehen sich als Anwalt für die Interessen der jungen Leute.“

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