NIKOLAUSGANG

Balves Ortsvorsteher: Nikolaus von heute ist milde gestimmt

Solo für den Nikolaus: Bei der Sparkasse ist am Freitag, 17 Uhr, Familientag. Am Samstag ziehen zwei Nikoläuse in Balve von Haus zu Haus.

Solo für den Nikolaus: Bei der Sparkasse ist am Freitag, 17 Uhr, Familientag. Am Samstag ziehen zwei Nikoläuse in Balve von Haus zu Haus.

Foto: Jürgen Overkott / WP

Balve.  In Balve wird eine schöne Tradition gepflegt, Am Samstag geht der Nikolaus von Haus zu Haus. Matthias Streiter ist einer der beiden Männer in Rot.

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Für Matthias Streiter waren Besuche des Nikolaus’ immer etwas Besonders. Mehr noch: Der würdige Mann mit der Bischofsmütze und sein notorisch schlecht gelaunter Knecht Ruprecht sorgten bei ihm für ein flaues Gefühl. „Ich wurde immer ganz still“, erinnert der heutige Ortsvorsteher von Balve. Inzwischen treten Nikolaus und Knecht anders, milder auf. Matthias Streiter muss es wissen. Gemeinsam mit Pfarrarchivar Rudolf Rath hält er die Tradition des Nikolausganges am Leben.

Der Brauch wird von der örtlichen Kolpingsfamilie organisiert. Am Samstag ziehen Matthias Streiter und Rudolf Rath wieder in der Stadt von Haus zu Haus; 18 Familien haben sich diesmal angemeldet. „Früher“, weiß Rudolf Rath, „waren es deutlich mehr. Und es gab auch deutlich mehr Nikoläuse. Bis zu zwölf waren im Einsatz.“

Rute sauste auf Polster hernieder

Nikolaus und Knecht Ruprecht spiegelten den damaligen Zeitgeist. Sie traten streng auf, drohten mit der Rute, zuweilen sauste sie auf Polstermöbel hernieder, um Kinder Mores zu lehren. Hatte Matthias Streiter früher vorm Heiligen Mann Angst? „Angst nicht“, entgegnet er, „aber Respekt. Wir haben uns gewundert, was der Nikolaus alles über uns wusste. Manchmal wusste er sogar, was wir am Morgen gemacht hatten. Das war uns etwas unheimlich.“

espekt hat auch etwas mit dem Nikolaus-Kostüm zu tun: mit Bischofsmütze und Hirtenstab, mit Rauschebart und rotem Mantel. Matthias Streiter hat den Nikolaus – zumindest in jungen Jahren – nicht enttarnt. Bei seinen Kindern war das anders, wie er freimütig gesteht. „Woran sie mich erkannt haben, weiß ich nicht. An der Stimme? An den Stiefeln? Ich weiß es nicht. Kinder achten ja inzwischen auf vieles.“

Matthias Streiter reagierte clever. Mit seinem Nikolaus-Kollegen Tobias Ruschepaul tauschte er kurzerhand seinerzeit die Bezirke. Tobias Ruschepaul ist, wie manch anderer Nikolaus, nicht mehr unterwegs. Die Zahl der Familien, die vom Besuch des weißen Rauschebarts haben wollten, schrumpfte im Lauf der Zeit. „Rudolf Rath und ich sind die beiden letzten Nikoläuse. Wir teilen uns die Stadt nach Straßenzügen auf“, verrät Matthias Streiter. „Rudolf fährt mit dem Auto, ich gehe von Tür zu Tür.“

Früher zog der Nikolaus mit großem Gefolge durch die Stadt. „Neben Ruprecht waren immer auch zwei Stutenkerl-Träger dabei, mit dem großen Korb.“ Allerdings musste der Trupp dafür gewissermaßen einen Preis zahlen. Vier Personen passten längst nicht immer in kleine Wohnstuben. So gab es oft warme Worte bei klirrender Kälte: „Nikolaus musste draußen stehen bleiben. Heutzutage wird er ja ins Wohnzimmer gebeten. Dann gibt’s Kaffee und auch schon mal ein Schnäpschen – wenn der Nikolaus nicht fahren muss.“

Die Gabe des Nikolauses blieb unverändert. Kinder erhalten nach wie vor Stutenkerle. Geändert hat sich aber das Verhalten der Eltern. „Viele haben Geschenke für die Kinder“, sagt Matthias Streiter, „wir achten aber darauf, dass Weihnachten nicht vorgezogen wird.“

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