Betrug

Ex-Freund einer Balverin soll Schuld an ihrer Anzeige sein

Eine 30-jährige Balverin steht wegen Betrug vor Gericht. Schuld soll allerdings ihr Ex-Freund sein.

Eine 30-jährige Balverin steht wegen Betrug vor Gericht. Schuld soll allerdings ihr Ex-Freund sein.

Foto: Kurt Michelis

Menden/Balve.  Eine 30-jährige Balverin steht vor dem Mendener Amtsgericht. Der Vorwurf: Betrug. Schuld solle laut ihr jedoch ihr Ex-Freund sein.

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Hat eine 30-jährige Balverin beim Verkauf von Pferdezubehör übers Internet betrogen? Oder ist es der rachsüchtige Ex-Freund, der hinter ihrem Rücken und in ihrem Namen sein Unwesen treibt? Abschließend klären konnte das Mendener Amtsgericht diese Frage nicht.

Der Vorwurf: Die 30-jährige Pferdeliebhaberin soll über eBay-Kleinanzeigen einen Kappzaum für die Vierbeiner verkauft haben. Und obwohl sie von der Käuferin aus Niedersachsen die vereinbarten 40 Euro Kaufpreis überwiesen bekam, schickte sie die Ware niemals ab. Das ganze trug sich im November des letzten Jahres zu. Nun stand die junge Frau wegen Betrugs vor dem Mendener Amtsgericht.

Frau sagt unter Tränen aus

Die 30-Jährige aber bestritt ihre Schuld. Ihr Ex-Freund habe dieses Geschäft über ihr Kundenkonto getätigt. Und das sei bei weitem nicht alles: Schon während der Beziehung und auch danach noch soll der Mann, der an einem anderen Ort lebt, im Namen der 30-Jährigen Geschäfte getätigt, Verträge geschlossen, ihre Briefe abgefangen, die Frau kontrolliert und ihr nachspioniert haben. In der Gerichtsverhandlung zeigte sich die Angeklagte verzweifelt aufgrund des mutmaßlichen Psychoterrors von ihrem ehemaligen Lebensgefährten. „Das macht mich fertig“, sagte sie unter Tränen. Immer noch sei sie damit beschäftigt, Schäden wiedergutzumachen oder Rechnungen zu begleichen, die ihr Ex in ihrem Namen verursacht habe. Dazu gehöre auch der Internetverkauf des Kappzaums.

Sie selber, so erzählte die junge Frau, würde einen Kappzaum gar nicht besitzen, geschweige denn verwenden. „Das entspricht nicht meinem Verständnis von Pferdeerziehung. Ich glaube, die Pferde haben Schmerzen damit.“ Den Kaufpreis von 40 Euro hat sie der damaligen Käuferin mittlerweile zurückerstattet, das konnte die Bankunterlagen in der Beweisaufnahme belegen.

Von dem Verkauf über das Internetauktionshaus im November 2018 will sie nichts mitbekommen haben, da sie zu dieser Zeit schon ein anderes Kundenkonto für sich angelegt habe. Den Geldeingang auf ihrem Konto dagegen will sie zwischen anderen Überweisungen übersehen haben. Vorwerfen lassen müsse sie sich also „dass ich nicht alle Geldeingänge ordentlich geprüft habe“.

30-Jährige ist vorbestraft

Leidet die junge Frau also wirklich unter ihrem Ex-Freund oder ist die Geschichte vom stalkenden Kontrollfreak nur vorgeschoben? Tatsache ist, dass die 30-Jährige bereits vorbestraft, also rechtskräftig verurteilt ist, ebenfalls wegen Betrugs. In diesem Fall wurde eine Tierarztrechnung nicht bezahlt. Aber auch das, so erzählte sie vor dem Mendener Amtsgericht, gehe eigentlich auf das Konto des ehemaligen Lebensgefährten. Denn auch diese Rechnung soll bei ihr nie angekommen sein, da er sie abgefangen habe. Der Staatsanwalt gab zu bedenken, sie hätte sich damals nach der Rechnung durchaus auch mal erkundigen können, da sie ja gewusst habe, dass diese eigentlich noch kommen müsse. Wie aber nun sollte der aktuelle Fall entschieden werden? Der Staatsanwalt brachte eine Einstellung des Verfahrens ohne Auflagen ins Spiel. Selbst bei einer Verantwortung der Beschuldigten für den Vorfall sei der Schaden eher klein und mittlerweile auch reguliert.

Nur Freispruch zweiter Klasse?

Die Richterin gab der Angeklagten zu bedenken, eine Einstellung sei eher nur ein Freispruch zweiter Klasse. Für einen möglichen ordentlichen Freispruch sei es aber nötig, die Beweisaufnahme weiter zu führen und dafür auf jeden Fall den Ex-Freund als Zeuge zu vernehmen. Das wollte die 30-Jährige aber lieber vermeiden. „Ich möchte den einfachsten und kürzesten Weg“, äußerte sie mit Verzweiflung in der Stimme ihren Wunsch, das Verfahren so schnell wie möglich zu einem Ende zu bringen. Und so entschied das Gericht dann auch auf Einstellung.

Trotzdem ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Balverin ihrem Ex-Freund vor Gericht doch noch einmal gegenübertreten muss. Denn mittlerweile hat dieser die Frau auch verklagt wegen Betrugs. Sie soll in seinem Namen Bestellungen aufgegeben haben.

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