HYGIENE

Tagung in Balve: Supersauger für Archive kommt später

St. Blasius,  Pfarrarchiv  Rudolf Rath vor Kisten und Ordnern

St. Blasius,  Pfarrarchiv  Rudolf Rath vor Kisten und Ordnern

Foto: Jürgen Overkott / WP

Balve.  Supersauger für Archive: Der LWL schreibt Hygiene groß. Bei einer Tagung in Balve sollte ein Gerät übergeben werden. Doch es kam anders.

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Er saugt nicht nur porentief rein, sondern, mehr noch, sporentief. Das Archivamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) hat dem Stadtarchiv Iserlohn bei einer Fachtagung in Balve einen Spezialstraubsauger versprochen. Eigentlich sollte das Gerät in Balve bereits dem Kreisarchiv übergeben werden. Dr. Antje Diener-Staeckling vom LWL-Archivamt zur WESTFALENPOST: „Das wurde aber verschoben.“

Veranstalter des Routinetreffens war das Stadtarchiv Balve. Teilnehmer waren Archivare aus dem Kreisgebiet. Mit einer Einschränkung, wie Kreissprecher Hendrik Klein auf Anfrage der WESTFALENPOST erklärte: „Die Kreisarchivarin hat urlaubsbedingt an dem Treffen nicht teilgenommen.“

Ein Sicherheitssauger soll für mehr Hygiene in Magazinen und Archiven sorgen. Tatsächlich werden Dokumente und Urkunden, Folianten und Fachliteratur durch Papierfischer und Schimmelpilze bedroht.

Der Sicherheitssauger soll Abhilfe schaffen. Wer das Gerät bedient, sollte sich – so sehen es die Regeln des LWL vor – professionell ausstaffieren. Dazu gehören Kittel und Armstulpen sowie Atemschutzmaske und Handschuhe. Der Sauger ist mit unterschiedlichen Aufsätzen und Düsen ausgestattet. „Das Besondere am Sicherheitssauger ist, im Vergleich zu herkömmlichen Staubsaugern, dass die gegebenenfalls eingesaugten Schimmelpilzsporen nicht über die Abluft wieder an die Umgebung abgegeben, sondern im Inneren des Saugers gehalten werden. Um diese Eigenschaft langfristig zu erhalten, ist eine jährliche Wartung dienlich, bei der dies überprüft wird“, erläuterten LWL-Fachleute bei einer ähnlichen Veranstaltung in Lippe.

Staub fördert Schimmelbildung

Überdies gab es dort Hinweise für die Erstellung eines Reinigungsplanes. Er sieht mindestens viermal im Jahr eine Reinigung der Magazine vor. Dabei sollte der Boden sowie freie Regalböden und oberste Archivkästen ebenso abgesaugt werden wie Fensterbänke. „Natürlich kann man sich vorstellen, dass je nach Magazingröße und Personal, diese Reinigung seine Zeit dauert, aber zum Schutz des Archivguts ist es nötig, Staub zu reduzieren“, hieß es in Lippe. Hintergrund: Staub gilt als Grundlage für Schimmelpilze. Auch Schädlingen werde, so hieß es, auf diese Weise vorgebeugt.

Beim Märkischen Kreis hielt sich die Begeisterung der LWL-Initiative allerdings in Grenzen. „Wir hätten die Wartung übernehmen und den Verleih an die Stadtarchive organisieren sollen. Da wir selbst schon vor Jahren einen solchen Sauger angeschafft haben, wird das Stadtarchiv Iserlohn das Geschenk übernehmen“, teilte Kreis-Sprecher Klein mit.

Süffisant fügte er hinzu: „Der Clou bei der Veranstaltung war ohnehin der, dass die LWL-Archivare den Sauger in Münster vergessen hatten.“ Beim LWL hieß es dazu, es seien noch nicht alle Fragen von Reinigung und Unterbringung des Spezialsaugers geklärt.

Das Pfarrarchiv St. Blasius an der Alten Gerichtsstraße in Balve indes begnügt sich mit einem einfachen Staubsauger: ein Miele-Gerät, immerhin. Als Sicherheitssauger mag ihn der ehrenamtliche Pfarrarchivar Rudolf Rath nicht bezeichnen. „Natürlich wird hier regelmäßig gereinigt. Wenn viele Papierschnipsel aus den Archivkartons auf den Boden gefallen sind, nehme ich den Sauger auch schon mal selbst zur Hand“, gestand der Pfarrarchivar augenzwinkernd. Die Gefahr durch Sporen sieht er gelassen.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sich der Bestand seines Archivs sichtbar vergrößert hat. In den Räumen der ehemaligen Post stehen seit nicht allzu langer Zeit 19 Archivschränke des ehemaligen Pfarrarchivs Affeln – mehr als drei Mal so viele wie aus dem ehemaligen Eisborner Archiv.

„Die Freiheit Affeln – kirchliche und politische Zuständigkeiten haben sich lange Zeit überlappt – war auch für Nachbardörfer wie Blintrop oder Küntrop zuständig“, weiß der Hüter kirchlichen Archivgutes aus dem oberen Hönnetal.

Der Charme des Pfarrarchivs

Fest steht indes, dass Rudolf Rath das neue Material digitalisiert. „Ich sortiere die Unterlagen aber diesmal nicht nach Einzelstücken, sondern nach Archivschränken“, skizzierte er sein Vorgehen.

Seinen Besuchern ist das einerlei. Hauptsache, sie finden, was sie suchen. Viele Archivbesucher kommen allerdings nicht, um etwas zu holen, sondern, umgekehrt, um etwas zu bringen. So sorgt ausgerechnet das Pfarrarchiv dafür, dass auf der Alten Gerichtsstraße zuweilen mehr Betrieb herrscht als auf demselben Abschnitt der Hauptstraße. Es hat in den Augen seiner Besucher einen Vorteil: Die Atmosphäre wirkt alles andere als staubig.

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