Radarkontrolle

Nach rasendem Kinderwagen: So blitzt die Polizei in Balve

Ein so genannter Einseitensenor, mit dem die Polizei Geschwindigkeitskontrollen durchführt. 

Ein so genannter Einseitensenor, mit dem die Polizei Geschwindigkeitskontrollen durchführt. 

Foto: Viktor Dobek

Balve.  In Balve ist ein Kinderwagen in die Radarkontrolle geraten und verdeckt das Kennzeichen des geblitzten Autos. Wann und wo blitzt die Polizei?

Das ist kurios: In Garbeck ist ein Kinderwagen in eine Radarkontrolle der Polizei geraten. Die Beamten entdeckten jetzt bei der Auswertung das nicht alltägliche Foto.

Tempo 61 km/h zeigte das Messgerät an, das den Kinderwagen samt schiebender Mutter auf der Straße Am Pickhammer geblitzt hat. Erlaubt ist dort Tempo 50. Tatsächlich zu schnell unterwegs war aber selbstverständlich nicht der Buggy, sondern ein vorbeifahrender VW. Dessen Nummernschild wird nun durch Mutter und Kind auf dem Bürgersteig verdeckt, auch Fahrerin oder Fahrer sind nicht zu erkennen. „Glück gehabt“ heißt es deshalb diesmal: Die 15 Euro Verwarngeld, die eigentlich fällig wären, muss er oder sie nicht bezahlen.

Das nicht alltägliche Foto macht bereits in den sozialen Netzwerken die Runde. Auf der Facebook-Seite der WP-Redaktion beispielsweise kommentierte eine Nutzerin: „Da hat Mama sich aber einen dicken Blumenstrauß vom Fahrer verdient.“ Und auch die Beamten hatten beim Anblick des Fotos „was zum Schmunzeln“, heißt es aus der Pressestelle der Kreispolizeibehörde.

Radarfalle vermutlich nicht bemerkt

Die Frau, die den Buggy über den Gehweg schob, wird die Messeinrichtung, die auch das Foto machte, vermutlich gar nicht wahrgenommen haben. „Dort stand ja kein Radarwagen“, erklärt Claus Croce, Leiter des Verkehrsdienstes in der Direktion Verkehr der Polizei Märkischer Kreis. Vielmehr sei dort etwas abseits ein so genannter Einseitensensor aufgestellt worden, der beide Fahrtrichtungen der Straße abdecken kann.

An der Straße Am Pickhammer setzt die Polizei regelmäßig Messgeräte ein. „Dort wird recht zügig gefahren“, weiß Claus Croce. Insgesamt 265 Tempo-Verstöße hatte die Polizei dort allein bei der Messung am Montag vergangener Woche registriert.

Die Polizei führe vor allem dort regelmäßig Radarkontrollen durch, wo sich vermehrt Unfälle aufgrund erhöhter Geschwindigkeit ereignen, erklärt Claus Croce. Als einen der Schwerpunkte nennt er die B 515 im Hönnetal, dort beispielsweise im Bereich Volkringhausen oder in Höhe Klusenstein. Ansonsten gelte der Grundsatz, schutzwürdige Zonen wie Bereiche um Kindergärten oder Schulen im Blick zu haben – und überall dort zu blitzen, wo die erlaubte Geschwindigkeit häufig überschritten wird.

Kommunen messen Geschwindigkeit

Wie aber wird das beurteilt? Claus Croce berichtet vom Netzwerk Geschwindigkeit, dem die Kommunen des Märkischen Kreises, der Märkische Kreis selbst und die Polizei angehören. Sie alle verfügen über so genannte Messmittel – seien es stationäre Radaranlagen, Radarfahrzeuge oder Lasermessgeräte. Strecken mit erhöhtem Unfallaufkommen würden alle eineinhalb Monate in Hinblick auf Geschwindigkeit für jeweils eine Woche überwacht.

Kommunen gehen Hinweisen von Bürgern nach

Beim Thema überhöhte Geschwindigkeit gehen aber beispielsweise auch die Kommunen Hinweisen und Beschwerden von Bürgern nach. Zur Verfügung stehe dafür ein so genanntes Seitenradarmessgerät – ein kleiner Metallkasten –, das eine Woche lang eingesetzt werden könne. Die Auswertung zeige dann, ob und falls ja, wann dort zu schnell gefahren werde. Darauf könne dann mit Kontrollen reagiert werden. Vor dem Hintergrund der personellen Situation der Polizei und der Zahl der Messgeräte sei es wichtig, gezielt an solchen Stellen zu messen.

Dass Blitzerfotos auch mal ungewöhnliche Situationen festhalten, komme übrigens immer wieder mal vor. „Zum Beispiel, dass eine Taube durchs Bild flog oder ein Jogger vorbei lief“, erinnert sich Claus Croce. Und in der Schweiz wurde im Jahr 2018 eine fliegende Ente mit Tempo 52 in einer 30er-Zone geblitzt.

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