RECHTSSTREIT

Traumhaus in Volkringhausen wird zum Albtraum

Elke (links) und Bianca Schenk aus Volkringhausen fühlen sich beim Kauf ihrer Immobikie "arglistig getäuscht". Der Fall liegt vor dem Landgericht Arnsberg.

Elke (links) und Bianca Schenk aus Volkringhausen fühlen sich beim Kauf ihrer Immobikie "arglistig getäuscht". Der Fall liegt vor dem Landgericht Arnsberg.

Foto: Jürgen Overkott/

Volkringhausen/Arnsberg.  Vom Traumhaus zum Albtraum. Elke und Bianca Schenk glaubten, ihr Doppelhaus in Volkringhausen sei ein Schnäppchen. Dann wurde Schimmel entdeckt.

Elke Schenk kennt sich mit Immobilien aus. Sogar in Griechenland hat sie ein Haus gekauft. „Es hat dabei nie Probleme gegeben“, sagt die 75-Jährige und lächelt. Auch als sie am 3. September 2014 ein Doppelhaus in Volkringhausen kaufte, schien alles bestens zu sein: die Lage, die Größe, die Ausstattung und, vor allem, der Preis. 154.000 Euro für Haus und Grundstück ließen die Immobilie als erstklassiges Schnäppchen erscheinen. Der Altbau stammte zwar aus dem Jahr 1920. Laut Immobilien-Vermittlung war er aber „kernsaniert“ samt neuer Ölheizung. Doch schon nach kurzer Zeit wurde für Elke Schenk und Tochter Bianca das Traumhaus zum Albtraum.

Der Grund war „ausgeprägter Schimmelbefall“, wie Umweltmediziner Dr. Rasul Kouchmeshgi in Hemer in einem Attest vom November 2016 feststellte.

Elke Schenk meinte bereits kurz nach dem Einzug, dass im Haus irgendetwas nicht stimme: „Ich habe eine Hundenase.“ Ihrer Tochter, die an Multipler Sklerose leidet, sagte sie: „Es riecht.“

Mehr noch: Elke Schenk fühlte sich in ihrem Haus zunehmend unwohl. Sie klagte laut ärztlichem Attest an Erschöpfung, Kopfschmerzen, Übelkeit. Doch das war nur der Anfang.

Im Juli 2016 ließen die Schenks ihre Immobilie begutachten. Das Ergebnis lautete: Schimmelbefall in Wänden. „Am Tag, als das Gutachten kam“, erinnerte sich Bianca Schenk, „musste meine Mutter ins Krankenhaus.“ Die Ärzte entdeckten Krebs. Schnell war ihnen klar: Eine Chemotherapie würde das Immunsystem von Elke Schenk so stark angreifen, dass es einer zusätzlichen Belastung durch Schimmel nicht standhalten würde.

„Ich bin ausgezogen“, sagte Elke Schenk, „und habe ein Jahr lang in Menden gewohnt.“ Die finanzielle Mehrbelastung trug ein großzügiger Angehöriger.

Lange Mängelliste

Im Sommer 2018 ließen die Schenks die Schäden im Haus beseitigen: So sei Mauerwerk porös gewesen, die Heizung defekt. Aus der Toilettenspülung sei nur heißes Wasser gekommen, Abflussrohre seien undicht gewesen. Fallrohre sollen Regenwasser ins Mauerwerk geleitet haben.

Die Reparaturen kosteten 30.000 Euro, wie Mutter und Tochter bilanzierten. Die Kosten wären nach ihrer Meinung sogar noch höher gewesen, wenn Nachbarn nach der Arbeit nicht mitgeholfen hätten: „Ohne sie wäre das gar nicht möglich gewesen.“

Inzwischen ist das Haus wieder bewohnbar. „Es sind nur noch optische Arbeiten zu erledigen“, stellten Elke und Bianca Schenk fest.

Längst ist der Streit zwischen den Schenks und der Beklagten Alexandra Sch. aus Meinerzhagen ein Fall für die Justiz. Schon im April 2016 reichte die Balver Kanzlei Ketzenberg und Berges vor dem Landgericht Arnsberg Klage ein. Ziel war Kaufvertragsrückabwicklung. Als Streitwert wurden damals 193.000 Euro angegeben.

Die Rechtsanwälte weisen darauf hin, dass Alexandra Sch. Haus und Grundstück im Juli 2013 per Zwangsversteigerung erworben habe – für 69.000 Euro. Beim Verkauf der Immobilie an die Schenks habe Alexandra Sch. „arglistig gehandelt“. Die Verkäuferin, argumentieren die Anwälte, hatte „Kenntnis von dem Zustand des Gebäudes und dem Ausmaß der Sanierungsbedürftigkeit“. Der Zustand des Hauses sei durch Billig-Arbeit „so gut wie möglich“ verschleiert worden. „Die Klägerin“, schreiben die Balver Anwälte, „hatte keine Kenntnis von diesen Umständen.“

Das Verfahren zieht sich. Ein Urteil steht aus. Selbst ein Termin, so sagten Klägerin wie Beklagte, stehe noch nicht fest.

Vor der Urteilsverkündigung will sich die Beklagte nicht äußern. Ihr Ehemann am Donnerstag auf Anfrage der WESTFALENPOST: „Wir warten erst mal ab.“

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