Beerdigung

300 Menschen geben Überfall-Opfer in Hordel letztes Geleit

Zwölf Tage nach dem Verbrechen in Hordel wurde das Opfer unter großer Anteilnahme auf dem städtischen Friedhof Im Zugfeld beigesetzt.

Zwölf Tage nach dem Verbrechen in Hordel wurde das Opfer unter großer Anteilnahme auf dem städtischen Friedhof Im Zugfeld beigesetzt.

Foto: Ingo Otto

Bochum.  Bewegender Abschied: 300 Menschen gaben dem Opfer in Bochum-Hordel das letzte Geleit. Der 68-Jährige war bei einem Überfall qualvoll erstickt.

Zwölf Tage nach dem tödlichen Überfall in der Kappskolonie in Hordel haben über 300 Menschen Abschied vom 68-jährigen Opfer genommen. In einer bewegenden Zeremonie wurde „Ha-Ge“ (Abkürzung für Hans-Günter), wie der dreifache Vater und vierfache Opa in seinem Viertel genannt wurde, auf dem Friedhof Im Zugfeld beigesetzt.

Am Nachmittag des 4. Februar war der Rentner – ein ehemaliger Brauereifahrer – in seinem Haus an der Sechs-Brüder-Straße von zwei Einbrechern überwältigt worden. Er wurde komplett, auch am Kopf, mit Klebeband umwickelt und erstickte qualvoll. Seine Partnerin wurde zu Boden gestoßen und mit Kleidungsstücken zugedeckt, sodass sie nichts mehr sehen konnte.

Schützenverein prägte seine Leben

Schwer gezeichnet von dem traumatischen Geschehen, in einem Rollstuhl, nimmt die 71-Jährige am Samstag im Kreise der Familie ihres Lebensgefährten an der Trauerfeier teil. Die Trauerhalle ist zu klein für die vielen Menschen, die „Ha-Ge“ das letzte Geleit geben: Angehörige, Nachbarn, Freunde, die Kameraden des ABSV Hofstede-Riemke, in dem der leidenschaftliche Schütze seit 1965 Mitglied war und als Chef der 2. Kompanie wirkte, Abordnungen weiterer Schützenvereine, aber auch Bürger, die den Verstorbenen nicht kannten, gleichwohl „Anteil nehmen wollen, bei dem Schrecklichen, was passiert ist“, sagt Hildegard Bruns (71), die mit dem Bus aus Weitmar gekommen ist und sich ins Kondolenzbuch einträgt.

Pfarrerin Diana Klöpper zeichnet das Bild eines Mannes Typ „raue Schale, weicher Kern“. Mitunter unbequem. Aber immer voller Liebe und Fürsorge für seine Familie, gerade für seine Enkel. Voller Begeisterung für seinen Campingplatz in Holland. Voller Tatendrang für seinen Schützenverein, für Hordel, wo ihn fast jeder kannte. Er war da, wenn man ihn brauchte, besorgte alles, sagt ein Schützenbruder. „Für ein Fest benötigten wir mal eine Popcornmaschine. Ha-Ge hatte eine.“

Pfarrerin: „Er wäre gerne noch geblieben“

„So wie du warst“ von Unheilig erklingt. Die Kaltblütigkeit, die Dimension der Gewalt, das „Verbrechen in unserer Mitte“, machten es schwer, Worte zu finden, auf Trost zu hoffen, das Unbegreifbare zu begreifen, predigt die Pfarrerin.

Spätestens als der Bochum-blaue Sarg in die Gruft hinabgelassen wird, einer der Söhne voller Verzweiflung und Hilflosigkeit zu Boden sinkt, mischt sich in die Trauer und Fassungslosigkeit auch Wut. Die ewige Frage nach dem Warum. Und die nicht nur stille Hoffnung, ja Erwartung, dass die Täter gefasst und die Tat gesühnt wird. „Er wäre“, sagt Pfarrein Diana Klöpper, „gerne noch geblieben, weil es immer schön war.“

>> 4000 EURO BELOHNUNG SIND AUSGESETZT

Beamte der Mordkommission nahmen am Samstag an der Trauerfeier teil. Ebenso wie die uniformierten Polizeibeamten hielten sie sich im Hintergrund.


Neue Hoffnung auf einen Fahndungserfolg gibt die Belohnung von 4000 Euro für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen. Die „MK Hordel“ ist unter 0234/909 50 36 zu erreichen.

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