Adveniat

Adveniat-Helfer in Bochum wollen die Not in Haiti lindern

Mit Bildern des Elends und Hungers kehrte der Bochumer Fotograf Martin Steffen aus Haiti zurück. Hier stehen Slum-Bewohner in Port au Prince für frisches Wasser an. Die allermeisten Haitianer haben keinen Zugang zu fließendem Wasser.

Mit Bildern des Elends und Hungers kehrte der Bochumer Fotograf Martin Steffen aus Haiti zurück. Hier stehen Slum-Bewohner in Port au Prince für frisches Wasser an. Die allermeisten Haitianer haben keinen Zugang zu fließendem Wasser.

Foto: Martin Steffen / WAZ Bochum

Bochum.  Knapp 100 Helfer sind seit Donnerstag in der Adveniat-Hütte auf dem Weihnachtsmarkt aktiv. Wie wichtig ihr Einsatz ist, zeigen Fotos aus Haiti.

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„Es schreit zum Himmel.“ Martin Steffen kann schwerlich in Worte fassen, was er in Haiti gesehen und erlebt hat. Die Bilder des Bochumer Fotografen indes dokumentieren das nackte Elend in einem der ärmsten und leidgeprüftesten Länder der Welt. Im September war der 52-Jährige im Auftrag von Adveniat in Haiti. Seine Aufnahmen sind Motivationsschub für die 90 Helfer, die seit Donnerstag auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt für das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche im Einsatz sind.

Drei Wochen verbrachte Martin Steffen in dem Karibikstaat, war sowohl in Port-au-Prince als auch in den vergessenen Regionen abseits der Hauptstadt unterwegs. Als „verheerend“ beschreibt er die Lage der Menschen. Hunger, Verelendung und Epidemien, Bürgerkrieg, Kriminalität und Korruption allerorten, schätzungsweise 300.000 Kinder, die als Arbeitssklaven unterdrückt, nicht selten auch sexuell missbraucht werden, immer wieder Naturkatastrophen wie zuletzt 2016 der Hurrikan Matthew: In Haiti herrsche der Horror, konstatiert der Fotograf. Und die Welt schaut zunehmend weg.

Staffelübergabe fand im letzten Jahr statt

Adveniat nicht. Auch in diesem Jahr rückt das kirchliche Hilfswerk den landschaftlich so reichen und doch bettelarmen Inselstaat in den Fokus. „Friede! Mit dir!“, lautet das Leitwort 2019, unter dem zahlreiche Initiativen in Lateinamerika und der Karibik unterstützt werden. Ziel: „der Bevölkerung ein Leben in Frieden untereinander und mit der Umwelt zu ermöglichen. Denn Mensch und Natur werden in Lateinamerika und der Karibik nach wie vor rücksichtslos ausgebeutet.“

Dieser christlich-humanitären Mission fühlen sich auch die Adveniat-Helfer in Bochum verpflichtet. Mehr als 30 Jahre war es der Ost-West-Arbeitskreis mit seinem Vorsitzenden Gerhard Katzer, der den Adveniat-Stand auf dem Weihnachtsmarkt betreute. Im vergangenen Jahr kam es zur Staffelübergabe. Seither führt der neu gegründete Verein „Blickpunkt Nächstenhilfe“ die Tradition fort.

Helfer arbeiten in drei Schichten

„Viele der Helfer sind schon über 80. Eine Verjüngung ist dringend geboten“, sagt Richard Kommorowski. Mit Christian Schweinsberg übernimmt der 48-Jährige Verantwortung. Als Vorsitzende des Vereins können sie auf die Mithilfe von 90 Mitgliedern setzen: bewährte Kräfte aus den Reihen des Ost-West-Arbeitskreises, aber auch mehr als 30 Frauen und Männer, die neu dabei sind und Leckereien im Adveniat-Stand zubereiten und verkaufen.

Dort wird jede Hand gebraucht. Täglich von 11 bis 21 Uhr ist die Hütte auf dem Boulevard geöffnet. In drei Schichten wird gearbeitet. Der Andrang ist groß, ist der Glühwein hier doch preiswerter als an den meisten kommerziellen Ständen. „Und jeder Kunde weiß: Er unterstützt eine gute Sache. Unsere Einnahmen werden eins zu eins an Adveniat weitergegeben“, betont Richard Kommorowski, der mit seinem Team auch Kakao, selbstgeschmierte Schmalzstullen und Kekse anbietet.

Mehr als 20.000 Euro wurden erlöst

Mehr als 20.000 Euro haben die Bochumer Adveniat-Helfer im vergangenen Jahr erwirtschaftet. Auf einen ähnlichen Erlös hoffen sie auch in diesem Advent – ebenso wie Martin Steffen, der seine Fotos aus Haiti am Donnerstag Hannibal-Chef Gerhard Uhle als langjährigem Adveniat-Förderer vorstellte. Hinter ihnen ein Poster. Aufschrift: „Geiz ist gottlos.“

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