Bochum. Schreien kräftigt die Lunge? Creme bei wundem Po? Ein Großeltern-Kurs im Bochumer Elisabeth-Krankenhaus räumt mit Baby-Mythen auf.

Meggi Siebert und Heidi Strothotte sind ganz aus dem Häuschen: Nicht mehr lange, dann werden die beiden zum ersten Mal Oma. Die Mutter und Schwiegermutter der Schwangeren bekommen direkt Tränen in den Augen, wenn sie an den Moment denken, in dem sie es erfahren haben.

"Wir wollten zum Fußballgucken zu unseren Kindern und hätten es schon fast wieder abgesagt", erinnert sich Strothotte. Doch dann hätten ihr Sohn und seine Frau beteuert, sie hätten etwas aus Holland mitgebracht. "Ein Fisch, der schlecht wird?", sagt Siebert rückblickend und lacht. Doch neben Lakritz und Mayonnaise war es dann ein Rubellos, dass die Überraschung offenbarte.

Wissen in zwei Stunden

Bei den Strothotten und Sieberts war die Freude Riesengroß. Kaum mehr abwarten können die beiden Frauen es nun - und wollen natürlich als Oma alles richtig machen. Bei beiden ist es schon mehr als drei beziehungsweise vier Jahrzehnte her, dass ihre Kinder Babys waren.

Nochmal "auffrischen" wollen sie ihre Säuglingskompetenzen deshalb. Ein Kurs vom Familienforum, der im Elisabeth-Krankenhaus stattfindet, bietet genau das: "In zwei Kursstunden vermitteln wir den aktuellen Stand in Sachen Ernährung, Wickeln, Körperpflege und Co.", sagt Kursleiterin und Krankenschwester Maren Carneim. 12 Euro pro Person kostet das.

Manche staunen nicht schlecht

Eine Frage, die besonders häufig kommt: Wie hebe ich das Kind richtig an und wie wickele ich es richtig? An einer Puppe führt Carneim es vor. Der "Hähnchengriff", bei dem die Beine des Kindes über Kreuz nach oben gezogen werden, hat ausgedient. "Heute weiß man, dass das dem Rücken schadet und man wickelt die Kinder über die Seite", sagt Carneim und zeigt, wie es geht.

Manche werdenden Großeltern staunen nicht schlecht. "Das hätte ich schon falsch gemacht", ruft eine. "Ist das nicht übertrieben?", möchte Thomas Vöcklinghaus wissen. Schließlich seien Kinder über Jahrzehnte anders gewickelt worden - groß geworden seien sie trotzdem.

Wickeln, Füttern, Schlafen

Carneim zeigt an der Babypuppe, welche Vorteile es hat, wenn man das Baby dreht. Dann dürfen die Omas und Opas in spe selbst ran. "Bestanden", lautet das Urteil von Krankenschwester Carneim, die kritisch beäugt hat, wie Cornelia Vöcklinghaus eine frische Windel gemacht hat.

Wer früher mit Stoffwindeln gewickelt hat, ist mitunter überrascht, dass an modernen Windeln sogar farbige Streifen anzeigen, wie viel Urin in der Windel ist. "Cremen tut man gar nicht mehr?", möchte Karola Ludwig wissen. Carneim erklärt: "Nein, besser frische Luft an den Popo und höchstens ein wenig mit schwarzem Tee tupfen, wenn er rot ist." Auch von Puder rät die Expertin ab.

Überholte Annahmen auf dem Prüfstand

Auch in Sachen Ernährung, Beruhigen des Säuglings und Bauchlage lernen die künftigen Großeltern einiges dazu. Schreien kräftigt die Lunge und trägt dazu bei, dass Kinder schneller selbstständig werden? Völlig überholt. Wickeln und Baden ist nur Frauensache? Heute bestimmt nicht mehr. Und die Bauchlage ist die sicherste Schlafposition? Heute weiß man es besser.

"Ich habe positiv in Erinnerung, wie ich von meiner eigenen Mutter unterstützt worden bin", blickt Siebert zurück. Dass sie dem neuen Erdenbürger nun in einer ganz anderen Rolle begegnen - nämlich ohne schlaflose Nächte und mit großmütterlicher Milde - beschreibt sie so: "Wir bekommen die Pralinen."

Weitere Kurstermine

Weitere Termine für das Großelterntraining sind folgende Montage: 8. April, 3. Juni, 5. August, 7. Oktober und 2. Dezember jeweils um 18.15 Uhr. Es handelt sich um zweistündige Einzeltermine.

Die Kurse können über die Webseite des Familienforums gebucht werden. Sie finden am Elisabeth-Krankenhaus in Bochum (Bleichstraße) statt.