50 Jahre Scheckkarte

Beim Schraubenkönig von Weitmar zählt nur Bares

Nur Bares ist Wahres: Gerd Seeger will nicht mehr die Technik für bargeldloses Zahlen anschaffen.

Nur Bares ist Wahres: Gerd Seeger will nicht mehr die Technik für bargeldloses Zahlen anschaffen.

Foto: Ingo Otto

Vor 50 Jahren wurde die Scheckkarte eingeführt. Fast überall lässt sich bargeldlos zahlen. Bei Gerd Seeger an der Hattinger Straße nicht.

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Eine Handvoll 6er Dübel und ein Dutzend Schrauben, Schmirgelpapier und ein Quast. Macht 7,39 Euro. Bar auf die Hand. Mit Karte zu bezahlen, kommt bei Gerd Seeger nicht in die Tüte.

Vor 50 Jahren wurde die Scheckkarte in Deutschland eingeführt. Und mittlerweile haben sich ihre Nachfolger, die EC-Karte und die Geldkarte, zum weit verbreiteten Zahlungsmittel entwickelt. Aber beim „Schraubenkönig von Weitmar“ geht trotzdem nur Bargeld über den Ladentisch.

Seit 1990 betreibt Gerd Seeger ein Werkzeug-Geschäft an der Hattinger Straße 194. Und dort gibt es kaum etwas, was der 65-Jährige nicht in seinen Regalen und Schubladen hat – oder nicht für seine Kunden besorgen könnte. Allerdings eben nur bei Barzahlung. Der bargeldlose Verkehr fließt an dem kleinen Laden vorbei.

„Bei uns kaufen die Leute ja nur kleine Sachen. Wenn jemand mal etwas Größeres bestellt, dann bringt er eben Bargeld mit, wenn er die Ware abholt“, sagt Seeger. „Und wenn jemand mal nicht genügend Geld dabei hat, dann geht er eben in die Sparkasse gegenüber. Das geht auch.“ Er sei in all den Jahren damit gut gefahren. Und seine Kunden, viele von ihnen Schrauber und Tüftler, die regelmäßig reinschauen, auch. „Es wird ja noch viel mit Bargeld bezahlt, nicht nur bei uns“, sagt der Einzelhändler. „Auch in Supermärkten und Discountern.“

Und nicht nur da: Imbissbude, Straßenbahn, Kiosk, Metzger und Bäcker. Häufig wird die Geldbörse noch gezückt, um Münzen und Scheinen herauszuholen und nicht die beinahe allgegenwärtige Plastikkarte, von denen es mittlerweile etwa 75 Millionen in ganz Deutschland gibt.

Die Deutschen hängen an ihrem Geld

„Die EC-Karte und die Kreditkarte haben sich als einfaches und sicheres Bezahlmittel etabliert. Tendenz steigend!“, sagt Sabine Raupach-Strohmann, Sprecherin der Sparkasse Bochum. Die Vorzüge lägen auf der Hand. „Weltweiter Zugang zu Bargeld, Waren und Dienstleistungen sind mittels der Konto-Karten sichergestellt. Aufgrund der inzwischen großen Akzeptanz im Handel ist man immer ‘flüssig’“.

Tatsächlich werden Karten in Deutschland in fast 46 Prozent aller Fälle genutzt, um zu bezahlen. Aber mehr als die Hälfte der Rechnungen wird eben noch bar beglichen. Die Deutschen hängen an ihrem Geld. Anders etwa als die Skandinavier. In Schweden ist das Bezahlen mit Münzen und Scheinen fast schon verpönt und vielerorts nicht mehr möglich. Und während es ein Norweger pro Jahr auf mehr als 200 bargeldlose Transaktionen bringt, sind es bei den Deutschen nur 50 pro Kopf.

„Vor allem bei der älteren Generation gilt: Bares ist Wahres“, so Sparkassen-Sprecherin Sabine Raupach-Strohmann. „Das belegt unsere Geldlogistik, die unsere 94 Geldautomaten im Stadtgebiet bestückt. Da ist kein Rückgang im Bargeldaufkommen zu verzeichnen.“ Grundsätzlich gelte: Kleinere Beträge werden meistens bar bezahlt, größere mit Karte.

Ein Unterschied, den Gerd Seeger nicht macht. In seinem Alter lohne es sich nicht, noch die Technik für bargeldloses Bezahlen anzuschaffen. „Das kostet ja auch Geld.“ Tatsächlich ist der Gebrauch einer Geldkarte für Kunden kostenlos. Für den Händler aber nicht. Er trägt die Kosten in Höhe von 0,3 Prozent des Rechnungsbetrags beziehungsweise des Umsatzes, die von den Kartenunternehmen erhoben werden. Gerd Seeger: „Das will ich mir sparen.“

Mit der neuen Technik hat er es ohnehin nicht so. Einen Computer besitzt er nicht, Rechnungen schreibt er mit der Schreibmaschine. Und wenn er Waren bestellt, dann entweder mit dem Handy – so viel Modernität muss sein – oder bei einem der Firmenvertreter, die regelmäßig bei ihm reinschauen. Alles andere geht eben so wie vor 20 Jahren oder noch länger zurück. „Man kann schon sagen, dass die Zeit bei uns ein wenig stehen geblieben ist.“

Das ist nicht zu übersehen. Wer den Laden an der Hattinger Straße betritt, der wähnt sich in einer fast vergangenen Zeit, in der es nicht nur Eisenwarenladen gab, deren Inhaber in grauen Kitteln auf der anderen Seite der Theke vor hohen Schubladenwänden standen. Das weckt nostalgische Erinnerungen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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