Schwurgericht

Bochum: 16-Jährige nach Messerattacke auf Mutter vor Gericht

In diesem Gerichtssaal wird gegen die 16-Jährige verhandelt.

In diesem Gerichtssaal wird gegen die 16-Jährige verhandelt.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Bochum.  Eine 16-jährige Bochumerin steht wegen versuchten Totschlags vor Gericht. Opfer war ihre eigene Mutter. Diese steht aber auch vor Gericht.

Sie ist erst 16 Jahre jung, steht aber schon vor einem Schwurgericht in Bochum. Vorwurf: Versuchter Totschlag. Das Opfer ist ihre eigene Mutter (46).

Im Justizzentrum spielt sich ein großes Familiendrama ab. Die Jugendliche soll am 3. Mai versucht haben, ihre Mutter in deren Wohnung in Hiltrop mit einem Küchenmesser zu töten. Die zwölf Zentimeter lange Klinge drang so tief in ihre Brust ein, dass die Frau notoperiert werden musste.

Auch der Freund sitzt auf der Anklagebank

Zuvor soll sie die Mutter zusammen mit ihrem Freund (28) mehrfach ins Gesicht geschlagen haben. Auch der Freund sitzt jetzt auf der Anklagebank, wegen gefährlicher Körperverletzung.

Anders als seine Freundin ist er nicht eingesperrt, die 16-Jährige befindet sich hingegen in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus wegen psychischer Störungen. Auch ein Suchtproblem soll sie haben.

Gegen die Mutter wird zeitlich parallel in einem anderen Prozess verhandelt

Die Mutter ist zurzeit ebenfalls angeklagt – allerdings wird gegen sie vor einer anderen Strafkammer verhandelt. Sie soll mit einer angeblich HIV-belasteten Spritze in der Hand die Aral-Tankstelle an der Wittener Straße überfallen und diverse Körperverletzungen begangen haben.

Die Mutter sitzt in U-Haft. Auf eigenen Wunsch wurde sie am Dienstag aus dem Gefängnis in den Gerichtssaal zu ihrer Tochter gebracht, weil sie über das Sorgerecht ein Anwesenheitsrecht hat. Zu Prozessbeginn wurde aber bekannt, dass ihr das Sorgerecht vor wenigen Wochen aberkannt hatte, so dass sie künftig nur noch erscheinen kann, wenn sie als Zeugin, als Tatopfer aussagt.

Äußerst ordinäre Beleidigungen und Spuckattacken

Neben versuchtem Totschlag werden der 16-Jährigen, die äußerlich einen völlig friedfertigen Eindruck macht, weitere Körperverletzungen, Diebstähle, äußerst ordinäre Beleidigungen und Spuckattacken auf Polizisten, Ladendetektive und Rettungssanitäter vorgeworfen. Immer wieder ist von starkem Alkoholkonsum die Rede.

Auch vor der Messerattacke soll sie getrunken haben. Ihrer schwerstverletzten Mutter soll sie noch einen hasserfüllten Fluch hinterhergeschleudert haben.

Nur einen Tag nach der Tat war sie bei einem Unfall von einem Bus überrollt worden und lag fast zwei Monate im Bergmannsheil.

Die 3. Strafkammer hat sechs weitere Sitzungstage bis 30. Januar angesetzt.

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