Stadtentwicklung

Bochums großer Wurf kostet weit mehr als 100 Millionen Euro

Bochums Gesicht innerhalb des Gleisdreiecks soll sich im kommenden Jahrzehnt maßgeblich ändern.

Bochums Gesicht innerhalb des Gleisdreiecks soll sich im kommenden Jahrzehnt maßgeblich ändern.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Bochum.  Bochum ändert sein Gesicht. Auch die Innenstadt soll mit einem dreistelligen Millionen-Betrag umgekrempelt werden - nach einem Masterplan.

Sperriger Name, weitreichende Folgen. Hinter dem Titel „Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept Innenstadt Bochum“, kurz ISEK Innenstadt, verbirgt sich ein umfassender Plan, wie das Zentrum der Stadt im nächsten Jahrzehnt ein völlig neues Gesicht erhalten soll. In vier Wochen soll der Stadtrat den Masterplan absegnen.

Dabei geht es um nicht weniger als eine Neuausrichtung von Stadtbild, Wohnquartier, Handels-, Kultur- und Freizeitfläche – ein großer Wurf. Die momentan 28 geplanten Maßnahmen reichen vom Bau des „Haus des Wissens“ anstelle des Telekomblocks gegenüber dem Rathaus bis zur Aufwertung des Boulevards u.a. durch einen Wetterschutz. Von 2020 bis 2026 sollen allein die öffentlichen Maßnahmen Investitionen in Höhe von 122 Millionen Euro umfassen.

82 Millionen Euro Fördergelder

Etwa 82 Millionen Euro erhofft die Stadt davon aus Fördertöpfen zu erhalten. Zum Vergleich: Für die Aufbereitung der Opel-Flächen in Laer hat die Stadt bislang Fördermittel in Höhe von mehr als 60 Millionen Euro bekommen.

Darüber hinaus stehen private Projekte an, die voraussichtlich ebenfalls Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe auslösen dürften: angefangen vom Viktoria-Karree der Hanseatischen Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB) bis zum Hotelprojekt der Aachener Landmarken AG am Citytor-Süd gegenüber dem Bermudadreieck.

Zukunftsprojekte wie Skaterpark

Damit soll die Umgestaltung innerhalb des Gleisdreiecks aber noch nicht beendet sein. Für den Zeitraum von 2027 an erhofft sich die Stadt weitere 25 Millionen Euro aus Fördertöpfen. Mit ihnen sollen Projekte wie die Neugestaltung des Innenstadtrings, ein Skaterpark im Westpark, ein Marktplatz für urbane Produktion in der nördlichen Innenstadt und anderes mehr realisiert werden.

Vorher aber soll ein ganzer Katalog weiterer Maßnahmen umgesetzt werden. Dazu zählen die Neugestaltung von Husemannplatz, Dr.-Ruer-Platz, Buddenbergplatz und Imbuschplatz sowie der Umbau des Südrings zum Auftakt der gesamten Ring-Neuausrichtung. Das Ziel: Mehr Raum für Fußgänger, Radfahrer und „eine umfassende Begrünung des Rings“, wie es im Rahmenplan heißt.

Umbau großer Ausfallstraßen

Umgebaut und fahrradfreundlicher werden sollen außerdem drei drei City-Radialen Castroper Straße zwischen Nordring und Klinikstraße, Hattinger Straße und Alleestraße. Insgesamt 18 Millionen Euro seien allein dafür vom Land in Aussicht gestellt worden, wie es in einer Verwaltungsvorlage für den Planungsausschuss heißt, der am Dienstag tagt. Es ist die vorletzte Beratungsrunde vor der Entscheidung über das ISEK-Papier am 7. November im Rat.

Berücksichtigt hat die Stadt bei der Ausarbeitung offenbar den Willen von Bürgern und Interessengruppen, die sich in den vergangenen gut zwei Jahren in die ISEK-Diskussion eingeschaltet haben. Dabei geht es auch um den Erhalt schützenswerter Gebäude.

50er-Jahre-Architektur schützen

So soll etwa die „1950er-Architektur als Standortprofilierung“ genutzt werden, wie es heißt. Das dürfte ein Wink sein, um die vom Abriss bedrohten Gebäude von Musikschule und/oder Gesundheitsamt doch zu erhalten.

Andere sollen weichen. Für die Krisenhilfe an der Viktoriastraße, eine Anlaufstelle für ambulante Drogenhilfe direkt gegenüber dem Musikforum, soll ein neuer Platz gesucht werden – immerhin auch in der Innenstadt.

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