Arbeitsplätze

Bosch-Tochter schafft in Bochum bis zu 2000 Arbeitsplätze

Im südöstlichen Teil des ehemaligen Opel-Geländes (im Bild links unten) wird sich die Bosch-Tochter Escrypt ansiedeln. Auf unserem Archivbild von 2015 sind noch zahlreiche ehemalige Opel-Gebäude zu sehen.

Im südöstlichen Teil des ehemaligen Opel-Geländes (im Bild links unten) wird sich die Bosch-Tochter Escrypt ansiedeln. Auf unserem Archivbild von 2015 sind noch zahlreiche ehemalige Opel-Gebäude zu sehen.

München.   Das Bosch-Tochterunternehmen Escrypt baut seine Deutschland-Zentrale in Bochum. Weitere Firmen könnten bald folgen, 2000 Arbeitsplätze entstehen.

Bis zu 2000 weitere neue Arbeitsplätze sollen auf dem Gelände des früheren Opel-Werks in Bochum-Laer entstehen. Der Technologiekonzern Bosch hat im Gewerbegebiet Mark 51/7 eine Fläche von 8200 Quadratmetern gekauft. Auf Europas größter Immobilienmesse Expo in München stellte er am Dienstag seine Pläne dazu vor.

Im Wissenschaftspark an der östlichen Seite des 70 Hektar großen Areals entsteht zunächst das neue Hauptquartier des IT-Sicherheitsdienstleisters Escrypt. Im Sommer 2020 soll Baubeginn sein, Anfang 2022 will der führende Anbieter von IT-Sicherheitslösungen einziehen.

IT-Sicherheit ist Wachstumsmarkt

Das 2004 durch eine Ausgründung an der Ruhr-Uni entstandene Unternehmen gehört seit 2012 zu Bosch und wächst rasant. „Das Thema IT-Sicherheit ist ein extremer Wachstumsmarkt“, so Escrypt-Geschäftsführer Thomas Wollinger.

Die Escrypt-Muttergesellschaft ETAS rechnet mit einer Verdreifachung der Belegschaft von jetzt 110 Mitarbeitern in wenigen Jahren. Wollinger: „Das Hauptquartier wird aber Platz für noch mehr Mitarbeiter bieten.“

Weitere Bosch-Töchter könnten folgen

Und es könnten noch weitere, ähnlich geartete Bosch-Töchter auf Mark 51/7 angesiedelt werden. Denn: „Wir sehen in dem Gebiet noch mehr Chancen“, sagt Friedhelm Pickhard, Geschäftsführer der Escrypt-Muttergesellschaft ETAS.

Die Region ist nach seiner Einschätzung bestens geeignet für die Ansiedlung hoch qualifizierter Arbeitsplätze. „Wir stehen zu dem Standort Bochum. Und da sich das Ruhrgebiet als Exzellenzcluster für IT-Sicherheit entwickelt, ist es der ideale Standort für Unternehmen wie ETAS und Escrypt.“

Hochschulen sind ein Standortvorteil

Vor allem die dichte Hochschullandschaft in und um Bochum herum habe den Ausschlag für Mark 51/7 gegeben. Zumal: „Es wird immer schwerer, Hochschulabsolventen für Süddeutschland zu gewinnen. Wir sind davon überzeugt, dass wir dorthin gehen müssen, wo die Talente sind. Und da ist das Ruhrgebiet für uns ein hidden champion, nicht für die ETAS, sondern für den gesamten Konzern.“

Konkrete Pläne für weitere Bosch-Ansiedlungen gebe es zwar noch nicht. Aber die Größe des gekauften Grundstücks, auf dem insgesamt drei Gebäude errichtet werden können, deutet die strategische Zielrichtung an.

Horst-Görtz-Institut bildet Fachkräfte aus

Unverhohlen macht Pickhard seine Einschätzung deutlich: „Wir finden hier optimale Bedingungen vor und hoffen, auch andere Bosch-Abteilungen, die mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben im Bereich des Internets der Dinge befasst sind, für den Standort Bochum begeistern zu können. Für sie gilt das Gleiche wie für die IT-Sicherheit.“

Das große Reservoir an Fachkräften, die am renommierten Horst-Görtz-Institut der Ruhr-Uni ausgebildet werden, aber auch die Entwicklung von Mark 51/7 über ein klassisches Gewerbegebiet hinaus sowie seine Einbindung in den Stadtteil Laer hätten Bosch begeistert, so Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD).

Arbeitsplätze für ausgebildete Studenten

Er freut sich über die Entscheidung eines Technologiekonzerns aus Süddeutschland. Sie sei nach der DHL-Ansiedlung das zweite starke Signal für Mark 51/7, „ein klares Bekenntnis für unsere Stadt“ und beweise, „dass unsere Strategie, technologie-orientierte Unternehmen auf dem Gelände anzusiedeln, aufgeht.“

Es sei ein guter Tag nicht nur für Bochum, sondern auch für das Land NRW. Das hat die Aufbereitung der früheren Opel-Fläche bislang mit mehr als 60 Millionen Euro gefördert. „Die Stadt Bochum kann durch die Ansiedlung von Escrypt ihr Profil als Top-Standort im Bereich der IT-Sicherheit europaweit stärken“, so Christoph Dammermann, Staatssekretär im NRW-Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie. „Hier ist der Wechsel von der alten zur neuen Industrie nun deutlich sichtbar.“

Erfreulich ist aus Sicht von Bochums OB Eiskirch zudem, dass die Stadt auch davon profitiere, dass mehr gut ausgebildete Studenten als bislang in der Stadt bleiben können. Er verriet, die Straße am neuen Bosch-Gelände werde den Namen des Firmengründers Robert Bosch tragen.

Führender Anbieter im Bereich Autofertigung

Escrypt-Geschäftsführer Thomas Wollinger, der vor einigen Tagen den Kaufvertrag für das Grundstück mit den Bochum-Perspektive-Geschäftsführerin Enno Fuchs und Rolf Heyer unterzeichnet hat, kündigt an, sein Unternehmen werde „als Innovationstreiber im Bereich Automotive Security am neuen Standort mehr denn je wissenschaftliche Erkenntnisse in kundengerechte Lösungen überführen“. Das Unternehmen wolle auch in anderen Bereichen wie etwa der Home-Security eine ähnlich bedeutende Rolle spielen.

Escrypt ist führender Anbieter von IT-Sicherheitslösungen vor allem in der Autofertigung, aber auch Berater und Dienstleister in der IT-gesicherten Fertigung.

DHL-Paketzentrum soll 2019 starten

In direkter Nachbarschaft des künftigen Standorts an der Wittener Straße entstehen auf einem Technologiecampus in den nächsten Jahren vier bereits bewilligte Forschungsbauten. Auch das Max-Planck-Institut für Cyber-Sicherheit, um das sich Bochum bemüht, könnte seinen Platz dort finden.

Und nicht nur die Wissens- und Forschungsachse im Ostteil des knapp 70 Hektar großen Areals nimmt knapp vier Jahre nach der Schließung des Opel-Werks Konturen an. DHL kommt mit dem Bau seines Megapaketzentrums für 600 Beschäftigte voran. In einem Jahr soll es in Betrieb gehen.

Ruhr-Uni zieht in ehemalige Opel-Verwaltung

Verkauft hat die Entwicklungsgesellschaft Bochum Perspektive Flächen an den Technologiedienstleister Dekra und den Maschinenbauer Faiveley aus Witten. Etliche weitere Flächen seien bereits reserviert, so Bochums oberster Wirtschaftsförderer Ralf Meyer.

In der früheren Opel-Verwaltung, dem künftigen O-Werk des Aachener Projektentwicklers Landmarken AG, werden die Ruhr-Uni und ein weiterer Hauptmieter einziehen. Landmarken hat bereits Interesse an einem weiteren Grundstück signalisiert.

Alles in allem sieht es so aus, als sollten in einigen Jahren zumindest ebenso viele wie die zuletzt bei Opel beschäftigten 3500 Menschen in Laer Arbeit finden – und das über alle Qualifizierungsstufen und Lohnsegmente hinweg.

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