Musik

Boygroup-Star Eloy erobert in Bochum die Schlagerherzen

Vom Boygroup-Star zum Schlagerhelden: Eloy de Jong.

Vom Boygroup-Star zum Schlagerhelden: Eloy de Jong.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Bochum.  Vom Boygroup-Star zum Schlagerhelden: Eloy de Jong hat mit seiner neuen musikalischen Ausrichtung Erfolg. In Bochum wurde der Holländer gefeiert.

Vor zwei Jahren war Eloy de Jong schon mal hier: damals als Teil der um Wiederbelebung ringenden Boyband „Caught in the Act“. Am Wochenende kehrte der Holländer in den Bochumer Ruhrcongress zurück: nun als frisch gekürter Schlagerheld, der, so scheint es, selbst kaum begreifen kann, noch einmal auf der Erfolgsspur gelandet zu sein.

Es sind vornehmlich Damen jenseits der 40, die ihrem Star von einst zujubeln, textfest sowohl bei den alten als auch neuen Songs. Selig sind die Erinnerungen an die 90er Jahre, als sich die niederländisch-britische Retortentruppe „Caught in the Act“ mit Schmachthymnen wie „Love is everywhere“ in die Herzen der Teenies katapultierte und 20 Millionen Tonträger verkaufte.

Mit 46 Jahren „Newcomer des Jahres“

Ein Comebackversuch fiel, siehe oben, durchwachsen aus. Eloy de Jong, einer der einst ruhmreichen Vier, orientierte sich musikalisch um und kopierte die Maite-Kelly-Formel: Schlager geht immer! Genauer: tanzbarer Popschlager abseits der weichgespülten Amigos-Zumutungen, gitarren- und basslastig wie Wolle Petry, eingängig wie der Wendler, versehen mit einem holländischen Akzent, der in Deutschland seit den Zeiten von Rudi Carrell und Linda de Mol so beliebt ist wie Frikandel und Vla.

Am Reißbrett, mit klugen Produzenten im Hintergrund, wandelte sich der Ex-Boygroup-Star zum Schlagersänger. Das Resultat ist erstaunlich. Das deutschsprachigen Debütalbum „Kopf aus – Herz an“ stieg 2018 auf Platz 1 der Verkaufshitparade. Mit 46 Jahren wird de Jong als „Newcomer des Jahres“ gefeiert.

Fern-Duett mit Marianne Rosenberg

Zwar klafften im Ruhrcongress große Lücken. Doch es waren immerhin knapp 1500 Besucher, die Eloy de Jong sehen wollten. Man mag bekritteln, dass für ein Halbplay-Konzert ohne Live-Band, mit zwei Backgroundsängern und zwei Tänzern, Eintrittspreise bis zu 70 Euro aufgerufen werden. Wer kam, hatte aber seinen Spaß, zelebrierte die aktuellen Songs mit so herzergreifenden Reimen wie „Wir lassen unsere Seele beben, ich will dir entgegenschweben“, dachte bei Caught-in-the-Act-Hits wie „Babe“ an die Strahlemann-Poster im Kinderzimmer zurück und sang bei einem Fern-Duett ergriffen mit: Eloy auf der Bühne und Marianne Rosenberg auf der Leinwand, vereint bei Mariannes zeitlosem Klassiker „Liebe kann so weh tun“.

„Warum muss so ein Käskopp wie ich jetzt auf Deutsch singen?“, fragt Eloy de Jong sich und seine Fans und lacht. Weil er’s kann. Keinesfalls perfekt. Doch perfekt auf die stetig wachsende Schlager-Zielgruppe zugeschnitten. Dank je wel.

WAZ-Wertung: 3 Sterne

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