Theater

Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss am Schauspielhaus Bochum

Szene aus Lukas Bärfuss’ „Parzival“ mit Elisabeth Wolle (Jeschute) und Adrian Thomser in der 2011er Inszenierung von Martina van Boxen.

Szene aus Lukas Bärfuss’ „Parzival“ mit Elisabeth Wolle (Jeschute) und Adrian Thomser in der 2011er Inszenierung von Martina van Boxen.

Foto: Diana Küster

Bochum.  Der Büchner-Preis 2019 geht an den Dramatiker Lukas Bärfuss: Die Stücke des 47-Jährigen kamen auch im Schauspielhaus Bochum auf die Bühne.

Als einer der herausragenden deutschsprachigen Erzähler und Dramatiker erhält Lukas Bärfuss den Georg-Büchner-Preis 2019. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung gilt als wichtigste literarische Ehrung in Deutschland. Eine starke Würdigung für den 47-jährigen Literaten, dessen Stücke auch in Bochum zu sehen waren.

Mit schwarzem Humor

Treue Schauspielhaus-Besucher erinnern sich an die Intendanz Hartmann, als zwei Bärfuss-Dramen an der Königsallee auf die Bühne kamen. So jenes Werk mit dem sperrigen Titel „Die Reise von Klaus und Edith durch den Schacht zum Mittelpunkt der Erde“. Es handelt, zeitgemäß-zeitkritisch, von der „Wirtschaftlichkeit“ menschlicher Beziehungen, aber auch von den Geistern der Vergangenheit. Mit schwarzem Humor beschreibt Bärfuss eine Reise in die tieferen Schichten der menschlichen Existenz - Julie Bräuning (Edith) und Martin Horn (Klaus) schritten sie einfühlsam aus. Die Uraufführung war am 12. Januar 2001, Regie führte Samuel Schwarz. 18 Vorstellungen fanden in den Kammerspielen statt.

Die zweite Bärfuss-Aufführung in der Hartmann-Zeit war „Vier Bilder der Liebe“; zentrale Themen darin sind die Gesetze der Liebe oder Schuld und Anarchie des Herzens gemäß der Frage: „Gibt es kein Gesetz, das Liebende vor dem Verrat schützt?“ Uraufführung am 28. September 2002 in den Kammerspielen. Die Spielleitung hatte Karin Henkel, damals Nachwuchs-, heute Star-Regisseurin. Annelore Sarbach und wiederum Martin Horn waren in den zentralen Rollen zu sehen. 20 Aufführungen wurden in der „Kammer“ absolviert.

Parzival im Kissenbezug

Das vorerst letzte Bühnenstück von Lukas Bärfuss in Bochum war „Parzival“; seine Neu-Adaption des mittelalterlichen Stoffes brachte Martin van Boxen mit Schauspielschülern im Februar 2011 in den Kammerspielen heraus. Man erlebte Ritter in Lederjacken als Rüstung, und sah Parzival, wie er im Kissenbezug auszog, um die Welt zu entdecken. Man merkte der Inszenierung an, dass dies Theater für ein jugendliches Publikum war. Die schnelle, fetzige Fassung traf einen Nerv.

Große Stilsicherheit

Mit hoher Stilsicherheit und formalem Variationsreichtum erkunden Lukas Bärfuss’ Dramen und Romane existenzielle Grundsituationen des modernen Lebens“, begründet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung die Entscheidung zu Gunsten des 1971 geborenen Autors. Der Büchner-Preis wird am 2. November in Darmstadt verliehen.

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