Premiere

Claudius-Theater bringt Heimatgeschichten auf die Bühne

Beim ersten Treffen ist auf der Bühne bereits eine Menge los: Der künstlerische Leiter Jens Niemeier mit einigen Mitgliedern des Claudius-Theaters.

Beim ersten Treffen ist auf der Bühne bereits eine Menge los: Der künstlerische Leiter Jens Niemeier mit einigen Mitgliedern des Claudius-Theaters.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Bochum-Innenstadt.  Das inklusive Theater in den Claudius-Höfen plant eine neue Produktion im Frühjahr. In kurzen Szenen geht es dann um Bochum und das Ruhrgebiet.

Die Hängematte auf dem Balkon, die Tribüne im Ruhrstadion, unter Omas Kuscheldecke oder dort, wo man die Schuhe in die Ecke schmeißen kann – Heimat bedeutet für jeden etwas anderes. „Heimat ist etwas Tolles. Der Begriff ist aber aktuell oft mit einem unschönen Klang versehen, das wollen wir ändern“, sagt der Theaterpädagoge Jens Niemeier, der in der kommenden Produktion des integrativen Claudius-Theaters gemeinsam mit Carina Langanki Regie führt.

„Wir erarbeiten eine Eigenproduktion mit Mitteln des biografischen Theaters“, erklärt Niemeier, der eine Kappe mit der Aufschrift „Pottliebe“ trägt. Im vergangenen Jahr produzierte das Ensemble eine abgewandelte Form von „Was ihr wollt“ nach Shakespeare, davor ging es im Bewegungstheater um Goethes „Faust“.

Figuren begegnen und verlieben sich

In der siebten Spielzeit kommen nun Geschichten aus Bochum und dem Ruhrgebiet auf die Bühne – erzählt von Figuren, die sich begegnen, anfreunden, streiten, hassen und verlieben. Zu dem monatlichen Theatertreff sind schon allerhand Anwärter gekommen, die Teil des inklusiven Ensembles werden möchten. „Ich möchte auf jeden Fall dabei sein, denn ich spiele mit Liebe und Leidenschaft“, sagt Nathalie Ernst, die schon bei mehreren Produktionen mitgewirkt hat.

Menschen mit und ohne Behinderung spielen gemeinsam

Auch Lisa Oberberg hofft auf einen der 16 Plätze. „Vor ein paar Jahren habe ich mich noch geweigert, Theater zu machen. Jetzt macht es mir total viel Spaß und gibt mir Selbstbewusstsein“, so Oberberg. Dass Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam auf der Bühne spielen, ist genau das, was sie sich unter gelungener Integration vorstellt. „Wir haben allerdings ein breites Verständnis von Behinderung. Im Grunde hat jeder Mensch irgendwelche Behinderungen im Leben“, ergänzt Mitorganisator Andreas Uphues.

Die Stücke werden passend für die Spieler entwickelt

Das bedeutet: Beim Claudius-Theater kann grundsätzlich jeder auf der Bühne stehen – Rollen und Theaterstücke werden passend zu den Fähigkeiten der Schauspieler entwickelt. Ob Menschen mit Down-Syndrom, Hör- oder Atemschwierigkeiten, Gehproblemen oder Brillenträger: Im Vordergrund steht der Spaß am Schauspiel, Geschichtenerzählen und am Ausprobieren. „Mit dem Thema Heimat können auf jeden Fall alle etwas anfangen, denn jeder hat eine Heimat, und die kann man auch nicht wegnehmen“, sagt James Chatheril. Er ist gespannt, was die anderen Schauspieler unter Heimat verstehen. Nach wöchentlichen Proben, die im Januar beginnen, wird dies dann auch die Öffentlichkeit bei der Premiere am 17. Mai erfahren.

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