Megapaketzentrum

DHL nimmt sein Megapaketzentrum in Bochum in Betrieb

Und los. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU, l.) Post-Vorstand Tobias Meyer (M.) und Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (r.) eröffnen offiziell das Megapaketzentrum in Bochum-Laer.

Und los. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU, l.) Post-Vorstand Tobias Meyer (M.) und Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (r.) eröffnen offiziell das Megapaketzentrum in Bochum-Laer.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum.  Fünf Jahre nach Schließung des Opel-Werks geht das Megapaketzentrum ans Netz. Mehr als 100 Millionen Euro hat DHL in Bochum investiert.

Jahrzehntelang wurde in Laer Kohle gefördert, gut 50 Jahre lang wurden Autos gebaut. Und jetzt werden Pakete sortiert – und das in atemberaubender Geschwindigkeit und mit schwindelerregenden Stückzahlen.

240.000 Pakete durchlaufen derzeit jeden Tag das neue Megapaketzentrum auf dem Gelände des früheren Opel-Werks. So ist der Stand am Tag der offiziellen Eröffnung, zu der Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Montag nach Bochum kam. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) und DHL-Vorstand Tobias Meyer startete er mit dem Drücken eines Buzzers symbolisch den Betrieb des bundesweit zweiten Megapaketzentrums der Deutschen Post DHL Group. Mehr als 100 Millionen Euro hat das Unternehmen investiert.

1100 Lkw in Spitzenzeiten täglich

Noch läuft die Aufbauphase. „Wir sind mit 20.000 Sendungen pro Stunde zwar schon weiter als ursprünglich geplant“, sagt Standortleiter Thomas Riedl (53). Aber seine ganze Leistungsfähigkeit werde das „Schmuckstück“, wie Vorstand Tobias Meyer die Hightech-Sortieranlage unter dem gelben Dach einer zweischenkligen, 300 Meter langen Halle nennt, erst nächstes Jahr entfalten. Dann werden 600 statt bislang 279 Mitarbeiter dort arbeiten und 50.000 Pakete je Stunde herein- und weniger später wieder aus der Halle herausfahren. Mehr als 300 Mitarbeiter sucht DHL noch mit Hilfe von Arbeitsagentur und Jobcenter. „Wir werden nächstes Jahr noch reichlich einstellen“, sagt Standortleiter Riedl.

1100 Lkw werden in Spitzenzeiten jeden Tag auf den Hof fahren. So sieht es das Verkehrskonzept vor. Und demzufolge verlassen diese 1100 Lkw auch wieder das weitläufige Areal unmittelbar hinter dem O-Werk, der früheren Opel-Verwaltung. Bis zu 2200 Lkw-Bewegungen binnen 24 Stunden bedeuten umgerechnet 1,5 Lkw pro Minute. In Spitzenzeiten werden es vier Fahrzeuge pro Minute sein.

Band läuft 2,6 Meter pro Sekunde

Das hängt vom Rhythmus ab, in dem gearbeitet wird. Spitzen gibt es vom Nachmittag, wenn die Flut hereingehender Pakete beginnt, bis zum frühen Morgen, wenn die Sendungen für die Paketzentren der Region und Auslieferung aus den Zustellbasen für die Empfänger in Bochum herausgehen. Dazwischen werden Lkw mit zigtausenden von Paketen auf die Reise zu anderen Paketzentren in ganz Deutschland auf die Reise geschickt.

Und so läuft es: Über insgesamt zehn Entlademodule mit je vier Auflegerlinien werden die insgesamt sechs Kilometer lange Transportbänder der weitgehend automatisierten Anlage bestückt. Dazu hieven Mitarbeiter die Sendungen, von kleinen Päckchen bis zu 31,5 kg schweren Paketen, aufs Band. Jedes Teil wird an mehreren Stellen gescannt, über das ausgelesene Adressfeld wird der weitere Weg jeder Sendungen in der Halle darüber hinaus bestimmt. Über sogenannte Sorter geht es zu den 354 Endstellen, wo sie von Mitarbeitern entweder in Container gehievt und die Container in die Lkw gefahren oder aber direkt in Zustellfahrzeuge gepackt werden. 2,6 Meter pro Sekunde schnell ist das Transportband. Es legt also 156 Meter pro Minute, 9,36 Kilometer pro Stunde und 224,6 Kilometer am Tag zurück. Jeden Tag. Die Verweildauer eines Pakets in Bochum beträgt daher in der Regel nur ein paar Stunden.

Für den Standort eine Riesenchance

Fünf Jahre nach der Schließung des Opel-Werks geht damit das erste Nachfolgeunternehmen auf dem 70 Hektar großen Areal, das heute Mark 51/7 heißt und das bereits zu 60 Prozent vermarktet ist, ans Netz. „Das Aus von Opel war für die Menschen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben und für ihre Familien, ein ganz, ganz herber Schicksalsschlag. Das wirkt auch bis heute noch“, so OB Eiskirch. „Für den Standort Bochum ist es aber auch eine Riesenchance gewesen. Und wir haben sie beim Schopf gepackt.“

Dass die Flächenentwicklung, deren Planung bereits vor der Werksschließung begonnen hat und bei der sich das Land mit Fördermitteln von bislang 70 Millionen Euro eingebracht hat, „so schnell gehen würde, hätte ich nicht gedacht“, räumt Enno Fuchs von der Entwicklungsgesellschaft Bochum Perspektive ein. Der erste große Player auf dem Areal, DHL, habe sich als „Türöffner für die weitere Entwicklung“ erwiesen. Auf Logistik zu setzen sei zwar zuerst auf Kritik in der Stadt gestoßen. Aber die Zugkraft eine weltweit tätigen Dax-Konzerns haben viele andere Interessenten auf den Plan gerufen, die sich entweder schon für Bochum entschieden haben oder „die in nächster Zeit auch noch kommen werden“, so OB Eiskirch.

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