Stadtteil-Check

Ehrenfeld: ein liebenswerter Stadtteil mit kurzen Wegen

Wohnen gerne im Ehrenfeld (v.l.) Gerda Büker, Barbara Reddigau und Barbara Jessel stehen auf dem Hans-Ehrenberg-Platz, quasi dem Herzen des Stadtteils.

Wohnen gerne im Ehrenfeld (v.l.) Gerda Büker, Barbara Reddigau und Barbara Jessel stehen auf dem Hans-Ehrenberg-Platz, quasi dem Herzen des Stadtteils.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum-Südinnenstadt.  Die Bochumer Südinnenstadt bekommt beim WAZ-Stadtteil-Check gute Noten. Die Bewohner schätzen die kurzen Wege und das Kulturangebot.

Längst gehört das Ehrenfeld zu den bevorzugten Wohngegenden Bochums. Manche sagen, es habe Stiepel längst den Rang abgelaufen. Beim Stadtteil-Check, den die WAZ im vergangenen Jahr mit Lesern – 296 beteiligten sich – durchgeführt hatte, landet die „Südinnenstadt“ auf dem 9. von 30 Plätzen mit einer Gesamtnote von 1,98.

Drei, die sich mit Verve für ihren Stadtteil im Verein „Ehrenfelder Miteinander“ engagieren, sind Gerda Büker (82), Barbara Jessel (64) und Barbara Reddingau (68). Viel Gutes sieht jede von ihnen. „Wir haben eine Menge Lebensqualität; rund um den Hans-Ehrenberg-Platz mit dem Kiez, mit viel Grün“, sagt Barbara Reddingau. Gerda Büker lebt seit 49 Jahren hier und würde eine 1 geben: „Es ist ein hoch entwickelter Stadtteil mit dem Vorteil der kurzen Wege. Wie haben viel Verwaltung und viel Hochkultur; ich lebe gerne hier.“

Mit dem Nahverkehr sind die Frauen weitgehend zufrieden; bei der Leserbefragung gab’s die Note gut+ (1,61). „Durch die Baustelle Wasserstraße fällt ein Bus im Süden des Ehrenfelds weg. Doch sonst sind wir gut angebunden“, sagt Barbara Jessel. Abends könnten die Takte verdichtet werden. Barbara Reddingau schlägt für die Wochenenden einen Shuttlebus vom Bahnhof zur Zeche vor. „Zwischen 22 und 23 Uhr kann man wegen angetrunkener und pöbelnder Jugendlicher die Linie 353 nicht nutzen.“

Gut aufgestellt sieht sich das Ehrenfeld bei der medizinischen Versorgung (Note 1,84). Gerda Büker: „Allgemeinmediziner sind gut vertreten, wir haben mehrere Apotheken, bei Akutfällen das Bergmannsheil und auch das Hospiz.“

Gastronomie macht das Viertel lebendig

Das gastronomische Angebot (Note 1,94) mache die Lebendigkeit des Viertels aus, finden alle drei Frauen. Besonders der Hans-Ehrenberg-Platz entwickelte sich zum Treff. „In den Randbereichen würde ich mir mehr Grundversorgung wünschen. Die Einkaufsmöglichkeiten im Ehrenfeld haben nur für die gute Noten (2,05), die innenstadtnah wohnen“, findet Barbara Reddingau.

Beim Thema Sicherheit sind sich alle einig: Die Note 2- sei angemessen. „Ich laufe auch um 23.30 Uhr noch draußen rum“, versichert Gerda Büker. Indes gebe es im Rechener Park an den Wochenenden oft Randale und Vandalismus durch betrunkene Jugendliche. So würden immer wieder Bänke aus ihrer Verankerung gerissen.

Bei der Frage der Seniorenfreundlichkeit im Quartier (2,83) findet Barbara Jessel: „Die Überquerung der Hattinger Straße ist nicht seniorenfreundlich gestaltet.“ Doch dass es mehr und mehr Angebote für ältere Menschen im Quartier gibt, kann sich „Ehrenfelder Miteinander“ auf jeden Fall auf die Fahnen schreiben. Das bestätigt auch Rosemarie Stanzel (80), die zufällig an diesem Morgen vorbeikommt. „Ich fühle mich dort gut aufgehoben, habe wieder Kontakt zu anderen Leuten, mit denen ich etwas unternehmen kann.“ Dann gesellt sie sich zu der Gruppe, die mittwochs einen Stadtteilspaziergang durchs Ehrenfeld unternimmt. Seit drei Jahren bietet der Verein diese Spaziergänge gemeinsam mit dem Seniorenbüro Mitte an.

Bei der Beurteilung der Freizeitangebote (Note 2,56) finden die Frauen, dass das Ehrenfeld viel Hochkultur zu bieten habe. Auch Aufenthaltsplätze seien vorhanden wie der Tana-Schanzara-Platz oder der vor dem Schauspielhaus. Für Jugendliche aber gebe es kaum etwas. Barbara Reddingau: „Die treffen sich im Rechener Park. Doch auch dort gibt es keine Angebote. Schön wären Dinge wie Skateranlage oder Kletterstrecken. Doch das sollte mit den Jugendlichen gemeinsam geplant werden.“

Eine große Identifikation

Das Gemeinschaftsgefühl bewerteten die WAZ-Leser mit 2,86. Gerda Büker: „Ich sehe das ganz anders und würde die Schulnote 1 geben“, sagt die ehemalige Lehrerin. Sie findet, dass die Ehrenfelder eine große Identifikation mit ihrem Stadtteil verspüren, was sich insbesondere bei Festen zeige.

In Sachen Kinderfreundlichkeit (2,9) findet Barbara Jessel: „Hier auf dem Hans-Ehrenberg-Platz toben viele Kinder herum. Die bräuchten mehr geschützten Raum dort, wo jetzt die Autos parken.“

Zur Sauberkeit (3,17) ihrer Zeitgenossen nimmt Gerda Büker kein Blatt vor den Mund: „Ich gebe ein Mangelhaft. Dabei mache ich der Stadt gar keinen Vorwurf; die reinigt die Straßen regelmäßig. Aber mich ärgert maßlos, dass viele ihren Müll einfach fallenlassen.“ Barbara Reddingau ergänzt: „Die eine Seite des Parks wurde gerade aufgeräumt, da ist die andere schon wieder verdreckt. Die Frage ist doch: Was ist mir mein Umfeld wert?“ Beide räumen ein, dass das kein ursächliches Problem nur im Ehrenfeld sei.

Politik wird positiver gesehen

Das Verhältnis zur Kommunalpolitik und Verwaltung erhielt von den WAZ-Lesern eine 3,47. Das sehen die drei Frauen positiver: „Es lassen sich doch regelmäßig Politiker blicken, etwa bei Stadtteilfesten, und sind dann auch ansprechbar. Das Verhältnis verbessert sich immer dann, wenn man ein Gesicht mit einem Namen verbinden kann.“

Die mit Abstand schlechteste Benotung bekommt das Ehrenfeld für seine Parkplatzsituation (4,64). Gerda Büker: „Ich habe zwar kein Auto, kann das Mangelhaft aber nachvollziehen.“ Barbara Jessel: „Mit dem Rad kommt man besser zurecht.“ Sie findet, man könne den Stadtteil nicht mehr vom Auto her betrachten. Sie schlägt dennoch vor, dass die Knappschaft ihren Parkplatz abends für die Bewohner öffnen sollte. Das mache die GLS-Bank schon jetzt.

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